Entgegen allen Erwartungen haben wir Todesschwinge besiegt. Einen Schurken wie ihn sollten wir allerdings nicht in der violetten Zitadelle einknasten, weil es dort gerade zu einem Gefängnisausbruch gekommen ist. Erst müssen wir dort aufräumen. Wie immer war es schwer, den Fokus auf 10 herausragende Karten einzuengen.
Platz 10 – Gullible Guard/Leichtgläubige Wache

Beginnen wir mit dem traditionellen 1-Drop. Die leichtgläubige Wache ist perfekt, um den Gegner psychisch unter Druck zu setzen. Man steht schon auf verlorenem Posten, entdeckt die Karte, die einen noch retten kann – und in genau diesem Moment sagt man: „Sorry!“
Die Reaktion des Gegners darauf kann man sich ungefähr so vorstellen:
https://www.youtube.com/watch?v=Cy4mztkndHk
Dieses Emote wurde aus dem Spiel gelöscht, weil es viel zu stark war. Zahlreiche Spiele wurden nur aufgrund des Tilts eines der Spieler aufgrund von Sorry entschieden. Und jetzt ist es wieder zurück. Übt besser die Mausklicks, um den Gegner zu Spielbeginn stummzuschalten, sonst habt ihr auf Anhieb verloren, sobald ihr diesen Kollegen seht.
Moment, das ist gar nicht der 1-Drop, mit dem die Liste starten sollte. Sorry!
Platz 10 – Spiderling/Spinnling

So, jetzt haben wir den richtigen Diener: Der Spinnling ist die Verkörperung dieses Memes:
https://imgur.com/a/LjuF0bz
Ein 1/3 mit Upside ist einfach nie schlecht. Vor allem, wenn er aufgrund der Upside quasi ein 2/3 ist. Boardbasierte Decks werden sich damit schwer tun, den Spinnling zu entfernen, weil der Druide mit frühen Pings alles wegtraden kann. Dann lebt der Spinnling nicht nur 1 oder 2 Runden, sondern noch länger.
Der Token-Druide war zuletzt dank Weidenzahn auch wieder ein ernstzunehmendes Deck. Frühe Aggression passt dazu wie die Faust aufs Auge.
Platz 9 – The Skeleton Key/Der Generalschlüssel

Dem 1 Mana-Diener folgt ein 1 Mana-Zauber. Einen 1 Mana-Discover sollte man nicht unterschätzen. Déjà-vu wird trotz des Nerfs weiterhin gespielt.
Des weiteren will ich auf die Kontroverse kürzlich hinweisen, als sich jemand im Forum aufgeregt hat, dass die Eventkarte Sande der Zeit nicht mehr verfügbar war (Mittlerweile ist sie es, aber die Spieler, die das Event abgeschlossen haben, hatten eine Weile lang Frühzugang).
Der Generalschlüssel wird nicht einfach nur irgendeiner Klasse zuteil, sondern der, die mit Abstand am meisten Potenzial hat, ihn zu missbrauchen. Magier haben noch immer die Quest. Aber auch der Burn-Mage hat mit dem Schlüssel die Option, solange zu rerollen, bis er 10 Schaden kassiert, um dann bis zu 2x

zu spielen. Wenn das in Runde 1 von statten geht, heißt es Game Over. Dieses Szenario macht den Schlüssel zu einem würdigen Kandidaten für die Liste. Nehmt den Schlüssel mit, denn er wird dringend gebraucht, um die Delinquenten wieder im Gefängnis einzusperren.
Platz 8 Millhaus Manasturm

Wir begleiten den Magier weiter auf seinem Weg und diesmal ist es ein Redemption-Arc, der seinesgleichen sucht. Millhaus Manasturm, einst als schlechteste Legy verlacht (bis auf einen kurzweiligen Auftritt im Call to Arms-Pala), hat in seiner Zelle einen ausgefeilten Plan ausgeheckt. All diejenigen, die ihn einst verspottet haben, müssen sich nun vor seiner Rache fürchten.
Dass Zauber Diener mit gleichwertigen Manakosten beschwören, ist ein Effekt, der normalerweise ins Kartenchaos gehört. Zufälligerweise handelt es sich dabei auch um eines meiner Lieblingskartenchaose ^^
Millhaus behebt die größte Schwäche von Magierdecks: Ihre Zauberlastigkeit und in weiterer Folge schwache Boardpräsenz. Mit 5 Mana ist er auch nicht allzu teuer, sodass das einseitige Kartenchaos früh eingeläutet werden kann.
Platz 7 King of the Underbelly/König der Schattenseite

Im Grunde ist das ETC, aber für Wildtiere. Ich habe mir alles angeschaut, was es aktuell so in Standard gibt und da gibt es schon ein paar interessante Schmankerln. Alles aufzulisten würde den Umfang dieser Top 10 sprengen, darum verweise ich auf diesen Link, in dem ich die Standard-Beasts in folgende Kategorien eingeteilt habe: 0 Mana, Defensiv, Offensiv, Utility und Lategamebombe.
https://imgur.com/a/OELDpDY
Meiner Meinung nach wird man am besten fahren, wenn man sich nur ein teures Beast, das die eigene Strategie unterstützt, nimmt. Die anderen beiden Plätze würde ich an billigere Beasts verteilen, die entweder auch diese Strategie unterstützen oder einem helfen, bis dorthin zu überleben. Eine vorstellbare Kombination wäre z.B. Teufelsklapperschlange + Knochenfrost-Stegodon + Omen für den Todesröchelnjäger, der mit der neuen Erweiterung auch wieder gepusht wird.
Ich will hier aber noch mal betonen, dass diese Karte nicht für einen einzigen Archetypen gemacht ist. Das ist ETC 2.0. und ähnlich flexibel sollte man den Deckbau angehen.
Platz 6 Scarlet Recruiter/Scharlachrote Anwerberin

Kommandantin Beatrix hat in der Revealphase einiges an Aufsehen erregt, unter anderem mit einer bösen Kombi in Wild, mit der sich der Paladin für mindestens 10 Züge immun machen kann.
Ich halte es allerdings für etwas riskant, sich gleich 10 Kopien desselben 2-Mana-Dieners ins Deck zu mischen. Sollte Beatrix jemals zu stark sein, wird ein Blackhorn sie gleich wieder in der violetten Zitadelle einkerkern.
Für diese Liste verlasse ich mich bei der Quoten-Pala-Karte (denn dass Pala gut sein wird, ist etwas, von dem man getrost ausgehen kann) lieber auf die scharlachrote Anwerberin. Bei Werten von 4/4 und Manakosten von 5 kann man sagen, dass ihr Kampfschrei ~1 Mana kostet. Deckthinning (quasi 2 Karten „ziehen“) + Rush für 1 Mana ist krass gut.
Sollte Beatrix gut sein, wird die scharlachrote Anwerberin großen Anteil daran haben. Sollte Beatrix in Vergessenheit geraten, wird die scharlachrote Anwerberin gut genug sein, um auch in normalen Paladecks gespielt zu werden.
Platz 5 Slice and Dice/Zerhäckseln

Zerhäckseln ist natürlich ganz krass im neuen Miracle-Rogue, wenn man damit einfach 20+ Karten noch mal ausspielt. Aber auch für Harald und Imbue kann es ganz nett sein, wenn man dadurch zusätzliche Ankündigungen/Imbues getriggert bekommt. Die Garantie, dass die Karten Gegner anvisieren, ist auch wertvoll, wie wir schon bei Tol’vir und Fyrakk gesehen haben.
Die Kosten von 5 Mana mögen auf den ersten Blick abschrecken. Dabei handelt es sich aber lediglich um eine Empfehlung. Immerhin sprechen wir von Schurken, die mit Prep seit eh und je Mana cheaten, wie es sonst nur Druiden können. Der einzige Grund, warum Zerhäckseln nicht ganz oben steht, ist die Einschränkung, dass der eigene Zug direkt nach dem Ausspielen vorbei ist. Das reduziert das Missbrauchspotenzial der Karte ein wenig.
Platz 4 Black Market Auctioneer/Schwarzmarktauktionator

Wo wir schon beim Thema der mirakulösen Schurken sind, das ist die Karte der Erweiterung, vor der ich am meisten Angst hätte, wenn da nicht die Top 3 wären. Ist zwar etwas teurer als der originale Auktionator, aber das muss nicht viel heißen.
Nachdem wir Vorbereiten in der Praxis erlebt haben, und wissen, dass es ein Bonusmana geschenkt gibt, ist die Karte in meiner Achtung noch weiter gestiegen. Miracle-Rogue, Sindragosa Mage, evtl. sogar Burn Mage werden alle den Auktionator nutzen wollen, um sich durchs Deck zu ziehen. Es ist auch gut möglich, dass Decks in der Reserve schlummern, von denen wir aktuell noch nicht einmal eine Ahnung haben, und die nur dank des Auktionators existieren werden.
Honourable Mention R4TT3N-F4NG3R

Ich liebe Rexxar, aber schwerzen Herzens muss ich dem Rattenfänger eine Absage erteilen, auch wenn ich den neuen Spell Hunter sehr interessant finde. Für mich hat das mit folgenden Faktoren zu tun:
-
Direkter Konter in Form der lebenden Seuche vom DK. Plötzlich sind es 28 Schaden im Deck statt 14. Für eine Klasse mit wenig Heilung ist das ein Todesurteil. Im Gegensatz zu anderen Decks ist der Dampfreiniger keine Antwort, weil man damit nicht nur die Seuchen, sondern auch seine eigenen kopierten Zauber zerstört. Die lebende Seuche sehe ich insgesamt als nicht so gut an, aber wenn die Seuche eine positive Winrate hat, dann nur, weil sie auf armen Jägern rumtrampelt.
-
Wir alle memen gerne mit 4x Tol’vir rum, aber dabei sollte man beachten, dass Tol’vir letztlich einen Nerf abbekommen hat. Abgesehen von Tol’vir und den neuen Zaubern haben Jäger nicht unbedingt etwas, das man unbedingt kopieren möchte. Tol’vir muss auch mit 1 Mana-Karten gefüttert werden und ich weiß nicht, wie viele 1 Mana-Zauber man riskieren möchte, ohne die eigenen Topdecks zu sehr zu schwächen.
-
Die Karte an sich ist ziemlich langsam. Das Setup kann gerade in schnelleren Matchups wie z.B. gegen Palas tödlich sein.
Platz 3 Warden/Wächterin Maiev

Ich habe es schon zu Beginn gesagt, dass Maiev und der Auktionator für mich die Wiederkehr von Sturmwind sind schauder Mit Maiev werden OTKs ermöglicht, die momentan gar nicht gehen, weil sie 15+ Mana benötigen. Keine Klasse kann inaktive Diener beseitigen. Wenn man Maiev und die eigenen Comboteile wie z.B. Sindragosa, den Auktionator oder auch

spielt, weiß der Gegner, dass er nur noch eine Runde zu leben hat. Gerade die zeitverschobene Seherin ist nicht zu unterschätzen, weil mir neulich ein paar Krieger begegnet sind, die mich mit der Seherin totgesmorct haben.
Jedenfalls hat man in der Runde nach Maiev volles Mana und kann ein aufgeladenes Kamehameha abfeuern, um den Gegner von der Erde zu tilgen, sodass kein einziges Leichenatom mehr zu finden ist.
Platz 2 Contraband Wands/Geschmuggelte Zauberstäbe

Manchmal sind die simpelsten Karten die, die den größten Terror erzeugen. Hinter dieser unscheinbaren Schmuggelware versteckt sich eine Atombombe oder gleich 3.
In der Tradition des Keywords dieser Erweiterung kann man die Kosten über mehrere Züge aufteilen. 3 Mana für 9x1 Schaden ist sehr viel besser als 5 Mana (wenn man alles sofort ausspielt). Sollte ein Burn Mage dann Kalecgos ausspielen, haben wir es mit 3 Mana für 12x1 Schaden zu tun. 12 Schaden für 3 Mana rührt jeden Face Hunter zu Tränen ob dieser ungeahnten Effektivität.
Und dann ist da noch die Tatsache, dass die arkanen Geschosse nun mal Arkanzauber sind. Sindragosa weist hiermit ein deutlich gesteigertes OTK-Potenzial auf. Damals zu den Zeitwegen hatte ich Sindragosa in der engeren Auswahl, aber sie hat es nicht in meine Top 10 geschafft. Hätten die Zauberstäbe, Maiev und der Auktionator schon existiert, wäre mein Urteil anders ausgefallen.
Platz 1 Chef/Köchin Neth’rek

So schließt sich der Kreis. Neth’rek steht in enger Verbindung mit dem Spinnling, mit dem ich diese Liste begonnen habe. Aber wie kann das sein, dass so eine Karte auf Platz 1 ist? 10 Mana sind mächtig, aber keine Karten im Deck, die teurer als 3 sind, ist doch ein brutaler Einschnitt und bedeutet, dass man nicht vernünftig Gebrauch vom neuen Übermaß an Mana machen kann. Oder?
Das Problem von Druidenramp ist normalerweise, dass man die ersten Züge nichts tut und der Gegner freie Bahn hat. Neth’rek sorgt durch ihren Zwang auf eine niedrige Manakurve dafür, dass man immer etwas zu spielen hat. Im Earlygame würde man wie ein Token-Druide spielen, den Gegner mit dem Spinnling schon etwas weichklopfen.
Ab Runde 6 hat man dann 10 Mana und kann z.B. den Tokenfinisher von Weidenzahn + Geschenk des Waldes spielen, den ich in meiner letzten Top 10 erwähnt habe (wurde zwar generft, aber ist immer noch gut und vor allem nicht teurer als 10 Mana).*
Aber was dann? Was, wenn man die Ressourcen des Tokendecks erschöpft hat und der Gegner noch lebt? Dann übergibt man das Ruder an Yogg und mischt sich mit Azsharas Triumph fette Brocken ins Deck, spielt allerlei Discover aus und geht stets auf die gierigste Option, um den Gegner zu überwältigen.
Wir haben hier ein Deck, das alles kann. Token + Aggression fürs Earlygame und Druidenvalue fürs Lategame. Würde mich nicht wundern, wenn Neth’rek z.B. auf Runde 7 generft wird, damit der Druide nur 3 statt 4 Runden mit Manavorteil gegenüber dem Gegner hat.
*Edit: Das mit Weidenzahn stimmt natürlich nicht, aber ich glaube trotzdem, dass Neth’rek einen neuartigen Tokendruiden hervorbringen wird.