Niemand hier wird verneinen können, dass HS durch den Powercreep mittlerweile auf einer anderen Ebene stattfindet als früher. Damals war ein Yeti ein guter Diener. Heutzutage haben wir einen Haufen Karten mit seinen Vanillastats und einer Upside. Dann gibt es natürlich noch Ausreißer wie die DKs, Shudderwock oder die Highlanderlegys, die allesamt so ein hohes Powerlevel haben, dass sie zu ihrer Zeit in Standard meta-defining waren.
Letztendlich hat der Powercreep irgendwo doch seine Daseinsberechtigung, denn niemand kauft sich Packungen von solch schwächlichen Sets wie Rastakhans Rambazamba. Es muss allerdings möglich sein, ihn zu kontrollieren. Ein Vorbild für Blizzard könnte hierbei Magic the Gathering sein. Aufgrund der physischen Natur von Magic sind nachträgliche Anpassungen besonders heikel, weshalb die meisten Karten ohnehin schon recht balanced sind, wenn sie dann in den Händen der Spieler landen. Für Blizzard gilt diese Vorsicht nicht und dementsprechend sehen dann auch die Karten aus.
Es wäre eine zu einseitige Sichtweise, alles von der Macht der Karten abhängig zu machen. Das Gamedesign hat sich über die Jahre ebenfalls verändert. In Classic gab es hie und da Zufallseffekte auf einzelnen Karten. Ragnaros, Sylvanas und der Mindcontrol Tech wären die bekanntesten. RNG konnte durchaus manchmal Spiele entscheiden, man wusste aber, welche Karten dafür verantwortlich waren und konnte dementsprechend vorausplanen.
Meiner Meinung nach hat die Entgleisung mit Old Gods begonnen und angesichts der Rückkehr von Yogg-Saron muss ich sagen, dass dieser Thread zum perfekten Zeitpunkt entstanden ist xD. Yogg-Saron ist die Inkarnation des Chaos und alles kann passieren. Manchen gefällt sowas, andere, zu denen auch ich gehöre, bekommen davon das Ko.tzen. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass niemand für alle Eventualitäten vorausplanen kann. Manchmal wird das Spiel durch spektakuläre Ereignisse frischgehalten, oft ist es aber auch einfach nur frustrierend, wenn man plötzlich von 30 auf 0 Lebenspunkte runtergeknallt wird.
Blizzard macht im Moment aber keine Anstalten, vom RNG-Trip runterzukommen. Die Neuauflage Yogg-Sarons ist der einzige Beweis, den es dazu braucht. Es gibt sogar einen ganzen Gamemode in Form des BG, in dem noch viel mehr RNG als im normalen Spiel steckt.
Eine dritte Entwicklung, die parallel zum ansteigenden RNG-Faktor stattgefunden hat, ist die zunehmende Verbreitung von Discover und ähnlichen „Created by“-Effekten, die besonders seit dem letzten Jahr mit den Lackeys als leicht verfügbaren Ressourcengeneratoren auffällig geworden ist. Es gibt Decks, die eigentlich nicht mehr mit 30, sondern eher mit 100 Karten spielen. Das endlose Generieren neuer Karten führt wieder zu derselben Problematik wie das Yogg-Saron’sche RNG: Man kennt sich nicht mehr aus. Die erste DQ Alexstrasza kann man noch voraussagen, wenn man das Deck des Gegners kennt, aber spätestens bei der dritten fängt unser Verständnis von Wahrscheinlichkeit an, zu versagen.
Zusammen führt das am Ende dazu, dass die Zufallsmöglichkeiten und Schadenszahlen so groß sind wie noch nie. Das ist weder für den Casual, der nur 1x die Woche für 3 Runden reinschaut, noch für den Profi eine gute Entwicklung. Für Ersteren, weil durch das hohe Powerlevel der Decks nicht optimierte Meme-Listen noch weniger Chancen haben als ohnehin schon, für den anderen, weil das kompetitive Spiel unter dem vielen Created by und RNG leidet.
HS kann und soll als Kartenspiel nicht so berechenbar wie Schach sein, aber hier muss ich Sturmi recht geben, auch wenn wir uns nicht immer einig sind. Ich glaube zwar nicht daran, dass böswillige Blizzardianer uns in Licht- und Schattenaccounts einsortieren und unser Glück davon abhängt, aber ich weiß, dass das Spiel über die letzten Jahre eine besorgniserregende Entwicklung genommen hat. Das Fass ist am Überlaufen.Die Entwickler sollten beim Design von neuen Karten konservativer agieren, dabei aber auch nicht aus den Augen verlieren, was Hearthstone einst groß gemacht hat: Das leichte RNG, das für ein diverseres Spielerlebnis als bei anderen Genrevertretern gesorgt hat und gleichzeitig noch im Rahmen des Erträglichen war.
In der Zwischenzeit hoffe ich, dass sich sämtliche Spieler, die Yogg-Saron ins Deck packen, selbst mit dem Rod of Roasting abfackeln. In diesem Fall wäre ich sehr für eine Manipulierung der Wahrscheinlichkeiten durch Blizzard 