[Orc/RP-Charaktergeschichten] Nazrankas Abenteuer

Hochmut kommt vor den Fall

Wolfsmond. So wie die Wölfe ihre Jagdgründe ausweiteten, da zu dieser Jahreszeit das Wild wärmere Gebiete durchzog, verschlug es die Mag´har zurück nach Orgrimmar; die Hauptstadt der Horde. Hier konnte sie verweilen, ihre Vorräte auffrischen und Tauschgeschäfte erledigen. Staubig war es, wie immer; und auch andere Dingen würden sich wohl nie dort ändern. „Wucher!“ Schnaufte die braunhäutige Orcfrau wütend und spuckte dem Grunzer vor die Füße. „Alles ist teurer geworden.“ Kam es als banale Antwort knapp entgegen. Nein, den vorgeschlagenen Preis für einen Reitwolf wollte sie definitiv nicht bezahlen. Mit einem zornigen Blick wandte sich die in Ketten und Leder gerüstete Mag´har wieder um und wirbelte extra etwas mehr Staub auf.

Sie musste sich etwas einfallen lassen. Der Blick zur hellen Sonne blendete ihre bernsteinfarbigen Augen für einen Moment. Mit der rechten Pranke zum Schutz verschaffte sie sich einen groben Überblick. Nichts Vergleichbares gab es zu sehen, obwohl in der Stadt ständig ein reges Treiben herrschte. Ihre schweren Schritte führten sie die breiten Gassen entlang, als sie ein ihr bekanntes Gesicht erblickte. „Nazranka Falkenauge, gewitzte Pirscherin und Häuptlingstochter des alten Wolfsmondclan.“ Wurde sie mit einem raunenden Lachen von einem alten, vernarbten Orc mit ausgebreiteten Armen empfangen. „Schweig. Das ist schon zu lange her und nichts ist mehr von dem geblieben, was es einst war.“ Kam es herrisch von der Pirscherin zurück. Eine herzliche Umarmung blieb aus, so wurde ihr lediglich die breite Schulter geklopft. „Zeiten ändern sich.“ Kam es als müde Erklärung vom Alten.

„Nur leere Worte bekomme ich hier. Der Reitmeister wollte mich bereits über den Tisch ziehen. Wäre es noch so wie früher, hätte ich das Problem nicht.“ Versuchte sich Nazranka sich verärgert zu erklären. „Aber es tut gut Dich lebend zu sehen, alter Freund.“ Fügte die Orc kleinlaut hinzu. „Mir scheint, du benötigst ein Reittier? Sprich, was ist geschehen?“ Der Alte wusste, dass das unsichtbare Band zwischen Tier und Reiter sehr stark ausgeprägt in ihrem Familienclan war. Niemals hätte sich die Frau einfach so von ihrem Wolf trennen können. Schwermütig klangen ihre Worte: „Sie wurde von einem Raptor überwältigt, als ich meine Schlingfallen kontrollierte. Sie rettete mir das Leben.“

Nun waren sie trostspendend, die kräftigen Schläge auf die Schulter. „Verstehe. Die Ahnen werden sie empfangen haben und weiter auf Dich achten und Dir den Weg weisen, sofern Du Dich von ihnen leiten lässt.“ Sprach der Alte ruhig und hob das Kinn der sonst so stolzen Orcfrau wieder etwas hoch. „Ein Reittier, um von hier so schnell es geht wieder verschwinden zu können würde mir schon reichen.“ Brummte die Braunhaut und wischte sich mit ihrem Arm hochziehend die beringte Nase.

Mit einem klapprigen Lächeln setzte der alte Orc seinen Weg fort und Nazranka blickte ihm eine kurze Weile nach. Als sie sich wieder herumdrehte lag vor ihren Stiefeln eine lange, rotbraune Feder. Argwöhnisch schob sie ihre Braue herunter und hob diese auf. Zwischen ihren breiten Fingern drehte sie diese nachdenklich, ehe die Frau von einem lauten Geheul aus ihren Gedanken gerissen wurde. Als wäre es ihr Jagt Instinkt hob sie ihren Blick, richtete die Feder in ihr Aschschwarzes Haar und lief ohne zu zögern los.

Wie Blitze durchzogen die kläglichen Rufe ihren Schädel. Nazranka lief und schaute immer wieder zu den Passanten. Hörten diese das tierische Klagelied denn nicht? Niemand schien es zu interessieren. Nur die Orcfrau kassierte auf ihren Weg verärgerte und fluchende Stimmen, als sie sich ihren Weg zum hinteren Ausgang der Stadt bahnte. Endlich lichtete es sich endlich. Kaum jemand nahm diesen Pfad und so nahm tatsächlich kaum jemand den reisenden Trupp kleiner Goblins wahr, der sich leise davonschleichen wollte. Offenbar hatten sie keinen weiteren Profit zu erwarten, dass konnte die Pirscherin jedenfalls den Wortfetzen der winzigen Händler entnehmen. „Verflixt nochmal, das war ein absoluter Reinfall! Alles muss man selber machen und Du, Du Taugenichts, kommst in den Kochtopf!“ Schimpfte einer der Goblins frustriert und schlug mit einer Eisenstange gegen einen fahrbaren Käfig. Das Klirren hallte in Nazrankas Kopf so hell, dass ihre spitzen Ohren zuckten und sie ihre Hauer knirschend aneinander rieb.

Im Käfig lag ein zusammengekrümmter Wolfsfalke. Die Augen der Mag´har weiteten sich. Sie griff nach der gefundenen Feder und verglich. Eindeutig; diese gehörte zu diesem, sonst so prachtvollen, scheuen Tier. Majestätisch sollte es sein, doch in diesem Augenblick war es nicht mehr als ein Häufchen Elend, das zusammengekauert in einer für ihm viel zu kleinen Unterbringung war. „Schmeckt das Vieh überhaupt? Und muss man es rupfen oder eher kürschnern?“ Erklang eine hellere Stimme einer weiblichen Goblin. „Keine Ahnung!“ Hob der männliche Geselle ihresgleichen fragend die Arme.

„Hier wird niemand verarbeitet.“ Erhob Nazranka nun ihre Stimme. Sie konnte sich das Tierleid nicht länger mitansehen. Rasch war das Augenmerk auf die Mag´har gerichtet. „Sagt wer?“ Quietschte die grünhäutige Goblinfrau schnippisch entgegen. „Ich!“ Schnaufte die Pirscherin zornig mit verengtem Blick. Beide Grünlinge schauten sich gegenseitig irritiert an. „Aha! Also ´Ich´, ich glaub zwar nicht das Dich das was angeht, was wir mit unserem Schoßhünd … oder Hühnchen hier machen, aber bei über einen geeigneten Preis ließe sich verhandeln.“ Das Männchen rieb sich nachdenklich das spitze Kinn. „Sagen wir … 100 Goldstücke?“. Bot dieser einfach mal in Plapperlaune an. Seine Begleiterin rieb sich gierig kichernd die Hände und freute sich über Nazrankas Bewegung zum Klimperbeutel an ihrem Gürtel.

Mit der Mag´har ließ sich allerdings nicht so gut handeln, wie mit anderen zahlungswilligen Kunden. Kein Preis dieser Welt könnte das Leben eines sonst so prachtvollen Tieres wie dieses aufwiegen. Dennoch war Nazranka Willens, alles was sie hatte zu geben. So warf sie den Beutel klirrend klimpernd zu den beiden herüber. Während diese damit beschäftigt waren hinein zu schauen, nahmen sie in den Augenwinkeln ihrerseits eine Bewegung wahr. In dem Beutel befanden sich Perlen. Große, kleine, weiße, rosa farbige. „Was zum Henker?!“ Brüllte der kleine Mann zornig, hob seinen garstigen Blick und schaute direkt auf die Pfeilspitze des gespannten Bogens der Pirscherin. „Äh? Geht’s noch?! Du drohst und hier?! Wachen!“ Rief der Goblin laut schrillend zu einen der Grunzer herüber. „Was?!“ Kam es harsch von der nun großen, kräftigen Grünhaut.

„Die da bedroht uns!“ Erklärte die Goblinfrau siegessicher. „Das sehe ich.“ Antwortete der Grunzer karg und stellte sich neben Nazranka. „Die beiden wollen sich mit meinem Wolf aus dem Staub machen.“ Erklärte die Mag´har scharf und deutete auf den Käfig. „Ich habe bezahlt, er gehört mir.“ Als wäre es ein einfaches Geschäft gewesen verharrte sie in ihrer angespannten Position. „Äh, ja, nee, aber irgendwie schon.“ War der Goblin nun von dieser Handhabe mehr als irritiert. „Jedenfalls bedroht die uns hier in der Stadt, das geht doch nicht!“ Protestierte er.

„Ihr seid nicht in der Stadt.“ Erklärt die Mag´har ruhig mit einem zynischen Schmunzeln in der Fratze. Tatsächlich standen die beiden Goblins bereits und unbemerkt mit einem Schritt hinter dem großen Tor. Der Käfig, samt Falkenwolf und den Orcs befanden sich noch vor der Schwelle des Ausgangs. „Hätten wir das jetzt geklärt, oder muss ich wen zum Dreck aufwischen vor den Toren holen?“ Fragte der grüne Grunzer missgelaunt und gab zum Wachturm hoch ein Zeichen, die Tore zu schließen. „Ach, komm … die Perlen sind mehr Wert als das Gulasch, was wir daraus gemacht hätten …“ Beschwichtigte die Goblinfrau und zog ihren gierigen Gefährten einfach mit sich mit. „Und der Käfig?!“ Knauserte der Kleine. „Vergiss den Käfig, der war Restposten.“


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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Da stand sie nun und blickte zum Käfig. Das sonst so majestätische Tier vegetierte nur noch vor sich hin, ohne jegliche Anstalt sich zu bewegen. Hilfe konnte sie wohl keine erwarten, zumindest nicht ohne etwas dafür zu geben und das hatte Nazranka nun nicht mehr. Sie war Mittellos und das hieß für die Pirscherin selbst auf die Jagd gehen zu müssen. Zum Glück waren Orcs kräftig gebaut und so spuckte sie sich in die Pranken, nahm den rollenden Käfig und zog ihn durch die Gassen, um das vordere Haupttor zu erreichen.

Von dort aus sollte es direkt in die wilde Ödnis von Durotar gehen. Schließlich konnte sie ein fremdes Wildtier nicht einfach in der Stadt frei lassen, wer weiß welches Unheil es hätte auslösen können. Dafür die Verantwortung tragen wollte sie nicht, jedoch fühlte sie sich mit jedem schweren Schritt, jedem Schweißtropfen und Mühe, mehr zu diesem Tier verbunden, gleich welchen Zustand es hatte.

An einem Fluss folgte die lang ersehnte Rast. Nazranka fluchte, da ihre Pranken brannten. Durch die Sonne heizte sich das Eisen des Käfigs gut auf und hinterließ seine blutigen Spuren. Doch ehe die Orc sich dem kühlen Nass zuwenden konnte, öffnete sie die Käfigtüre, um dem Tier die Flucht zu ermöglichen. „Komm, du bist frei!“ Schnauzte die Pirscherin grimmig und machte eine einladende Armbewegung. Doch das Tier rührte sich nicht.

„Hätte ich eher gewusst, wie faul du bist, hätte den Käfig gleich in Orgrimmar gelassen, um ein paar Taler dafür zu bekommen.“ Schnaufte sie heiße Luft aus ihrer beringten Nase. Weiter fluchend ging sie auf den Wolfsfalken zu und packte jenen mit einem gekonnten Nackengriff und zog mit weiterer Anstrengung den Leib des Tieres aus dem Käfig. Er klatschte unsanft auf den Boden auf, was ihn allerdings noch immer nicht auf seine Pfoten brachte. Nun begab sich die Orc auf ihre Knie, nahm den schweren Schädel des Tieres in ihre blutigen Pranken und suchte direkten Blickkontakt.

Träge waren sie und leer. Noch nie zuvor hatte die Orc solche leblosen Augen bei einem lebendigen Tier gesehen. Auch schaute der Wolf sie nicht an, sondern seitlich weg, als wolle er einfach nur sterben. „Erbärmlich.“ Kam es grollend. Sie packte erneut in den Nacken und schliff den Falkenwolf herunter zum Fluss. Dort legte sie es mit der Schnauze vor dem Wasser ab, ging in die Knie und hockte sich direkt daneben. Nun konnten ihre Wunden versorgt werden. Das kühle Wasser war eine Wohltat und erleichtert seufzte sie auf.

Ihr tierischer Begleiter blieb einfach liegen und starrte vor sich hin. Als die Orc nach einer gewissen Zeit etwas Wasser in seine Richtung schnippte, schlossen sich kurz die Augen und fixierten sie danach. Mit einem zahnigen Grinsen in der Fratze machte sie weiter, bis ein leises Knurren und letztendlich auch das heben der Lefzen folgten. Für sie wohl ein Zeichen.

„Gibt niemals auf.“ Brummte die Orc, als sie sich erhob und einmal mit ihrer Pranke über den Schädel des Tieres strich. Sie kümmerte sich um ein Nachtlager und ließ währenddessen den seelisch erschöpften Wolfsfalke nicht aus den Augen. Jeder Atemzug, jedes Muskelzucken wurde wahrgenommen. Die Sonne versank rasch hinter den Bergen und die kühle Nacht brach herein. Für ein großes Lagerfeuer hatte die Pirscherin zu wenig Holz. Das was sie noch auftreiben konnte, musste reichen.

Als die Flammen knisternd in ihrem hellen Schein tanzten begann die Orc leise zu summen und zu singen. Es war eine ruhige, aber auch traurige Melodie, in der viel Wehklagen mitschwankte. Der Wolf lag noch immer an seiner Stelle, doch meinte Nazranka zu vernehmen, dass er mittlerweile sein Maul öffnete, um etwas zu trinken. „Selbst wenn allen um einen herum nacheinander der Tod ereilt und man allein übrigbleibt, sollte man das Beste aus seinem Leben machen. Die Ahnen schauen auf uns, sie wachen über uns und sie wären erzürnt, würde man aufgeben. Mut und Ehre sind nicht nur im Krieg und Kampf wichtig, sondern sollte man immer im Herzen tragen, komme was wolle. Wer aufgibt, hat bereits verloren. Wer kämpft, wird siegreich sein.“

Etwas Gedankenverloren starrte Nazranka ins Feuer, als würde sie darin etwas Ruhe finden. Als sich der knurrende Magen der Orc meldete schüttelte sie ihren Schädel, um wieder klar zu sein. Murrend blickte sie an sich herab, öffnete ihren Lederbeutel am Gürtel und zog eine tote Ratte raus. Sie betrachtete die kleine Mahlzeit und schaute zum Fluss hinüber. Der Wolfsfalke schien ihr zugehört zu haben, seine Lauscher waren spitz nach oben und in ihre Richtung gerichtet. Ohne weiter nachzudenken ging sie zu ihrem tierischen Begleiter herüber und legte die Ratte vor seinem Maul. „Du brauchst es eher als ich.“

Zurück am mickrigen Feuer wärme sich die Orc noch an den immer kleiner werdenden Flammen, ehe sie sich zusammenkauerte, um durch ihre eigene Körperwärme in der Nacht nicht zu frieren und etwas Schlaf finden zu können. Der nächste Tag musste vielversprechender werden, sonst würde Nazranka womöglich doch eine Entscheidung treffen müssen, um zum einen weiteres Leid zu ersparen und zum anderen die Kraft und Energie für das Fortsetzen ihres Weges zu erhalten.


:fire: Mok´ra!
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