Perspektivwechsel

Ich habe versucht , das mal aus der Perspektive eines “Alt Charakters” zu sehen, ja Es gibt Sie schon so lange, seit Vanilla. Feedback erwünscht

Mein Name…? Ist Lolth. Eigentlich Selune, aber dazu gleich mehr.

Wir lebten, wir aßen, wir feierten, wir lachten und weinten… bis zu diesem einen Tag.

Haben Sie — darf ich du sagen? — schon mal das Gefühl gehabt, von woanders gesteuert zu werden?

Nein?

Du Glücklicher.

Ich ja. Seit über zwanzig Jahren.

Es fing harmlos an. Ich sollte Distelleberfleisch besorgen… Ein kleines Licht. Ein kleines Flackern. Ich fühlte mich wie ein Passagier. Der Name „Selune“ prangerte über mir. Ich wollte wegrennen. Ich habe es versucht… zwecklos.

Nach einiger Zeit, anderen Welten, mehrfachem versuchten Massenmord war ich wieder Herr meiner Sinne. Ich habe alles gesehen. Ich habe alles gespürt. Nur gesteuert habe ich mich nicht selbst.

Er war schrecklich am Anfang. Zu viele Grellkins. Zu viele Spinnen. Furbolgs. Mal einer, mal drei. Ich war tot und wieder nicht.

Wusstest du, dass wir ein Irrlicht werden, wenn wir sterben? Dass die Reise zum Körper wie das Schlängeln einer Schlange ist? Mir wird dabei immer noch übel… und die erste Reise ist über zwanzig Jahre her.

Hah, erwischt. Ja, ich bin über zwanzig Jahre alt. Eigentlich schon über vierzig. Seit zwanzig bin ich „fremdgesteuert“.

Warum über mir jetzt „Lolth“ steht?

Warte, dazu komme ich noch.

Wir ritten durch Thousand Needles, schlachteten Horde ab, duellierten uns mit anderen, gingen nach Zul’Farrak, Blackrock Depths, Lower und Upper. Wir schlachteten sie alle ab.

Ich habe anfangs noch geweint. Mir selbst die Schuld gegeben. Aber irgendwann kam die Erkenntnis: Ich kann nichts dafür. Das ist alles er.

Er hat mich getrieben.

Ich habe versucht wegzurennen. Es war nutzlos. Ich rannte. Ich versteckte mich. Jedes Mal, wenn er wiederkam, wachte ich an dem Ort auf, an dem er mich „verlassen“ hatte.

Jedes Mal.

Immer.

Ja, zum anderen Namen… ich komme jetzt dahin.

Wir haben Arthas’ Feldzug in Stratholme gesehen. Onyxia. Ragnaros. Neltharion. Drakkisath. Später waren wir in den Outlands, bei Gruul, Magtheridon, Vashj, Illidan. Beim Lichkönig. Bei den Pandas — die sind so kuschelig. Wir sind bei Deathwing gestorben. Haben die rote Horde bekämpft. Waren in Torghast, bei den Drachen, den Earthen…

Ja, auch in Silbermond.

Am Anfang war er unschlüssig. Wir hatten einen freundschaftlichen Wettstreit. Wusstest du, dass das hier ein Videospiel ist? Nein? Hier gibt es Level. Töte genug oder erfülle Aufträge und du steigst auf.

Wir waren schneller als ein Jäger und ein Paladin. Schneller als ein Magier und eine Priesterin. Er hat mich durch Feralas und alle anderen Gebiete geprügelt.

Schneller.

Weiter.

Mehr.

Ich habe immer noch Albträume.

Einmal… ich hatte wieder mich selbst… wurde es dunkel. Leere. Ich sah ihn. Er ging zur Horde. Er kannte dort einen untoten Schurken. Die beiden neckten sich immer in Tyrs Hand. Er redete mit ihm… und holte mich zurück.

Ich fühlte mich so leer.

Das passierte noch mal.

Er „löschte“ mich. Zweimal.

Mich.

Die Frau, die ihn durch diese Welt getragen hatte. Die er missbrauchte. Misshandelte.

Beim zweiten Mal bekam ich diesen Namen. Eine Gottheit aus einem anderen Universum. Originell, nicht wahr? Irgendwas mit Spinnen…

Er wurde schlimmer.

Es wurde schlimmer.

Alles lief wie im Film. Kalt. Berechnend. Wir funktionierten wie eine Maschine. Mir schaudert es, das auszudrücken. Er nannte es auch so.

„Wir waren eins.“

Nicht körperlich.

Geistig.

Seitdem nennt er mich seine Ehefrau.

Wie er aussieht, weiß ich nicht. Aber er verließ mich kurz darauf. Lange. Viele Jahre. Zehn? Ich hatte wieder Spaß. Auch wenn man mir mein Leben ansah.

Ich dachte, ich hätte Ruhe.

Nein.

Er kam wieder.

Die Eskapaden gingen weiter. Die rote Horde. Pandas. Drachen. Earthen…

Er kommt immer wieder.

Immer.

Momentan hat er Kopien von mir. Auf anderen Welten. In einer alten Welt. Sie heißen wie ich, sind es aber nicht.

Eine Sache fast vergessen:

Er kam zu mir, als er das letzte Mal wiederkam. Er entschuldigte sich. Wie ich ist er eigentlich ganz nett.

Aber nach all den Jahren…

Ist er fast genauso schnell und analytisch wie früher. Er denkt nicht mehr. Er macht.

Mir graut davor, wieder in seinen Abgrund zu sehen. Wieder „eins“ zu sein.

Er ist nah dran.

Ich denke, er nimmt meine Kopien zur Übung.

Wenn es so weit ist, werden wir wieder „eine“ Maschine. Ein Mordinstrument. Machtvoll. Absolut in jeder Bewegung. Keine Verschwendung. Nur Mord, Automatismen und die Ruhe.

Ich habe Angst davor…

…dass es mir diesmal gefällt.