[RP-Geschichten] 🌙 Unter dem Sternenlicht - Auf den Spuren einer Reisegruppe

Das Nest des Drachens
Aurora Revelis
Irgendwo auf Amirdrassil

„Das letzte Mal, dass ich diesen Zauber gewirkt habe, hat mein Leben grundlegend verĂ€ndert. Ich möchte nicht, dass es euch so ergeht.“

Sie erinnert sich der Worte mit jedem Schlag, den sie durch die Luft sausen lÀsst. Das Surren des technomagischen Spielballs fördert den erneut aufkeimenden Zorn nur. Aber es soll ihr recht sein. Irgendwo muss das Feuer hin, das sie zu ihrer beider Schutz unter der KÀlte begraben hat. Hier an diesem Ort hat der Drache sich eingenistet und kann Feuer spucken, wie er will. Er wird niemanden verletzen.

„Du hĂ€ttest es von vorneherein nicht anbieten sollen. Er hat dich in einem Zustand der SchwĂ€che gesehen. Er wird es nicht wieder vergessen. Du wirst fĂŒr ihn immer diejenige sein, die Schutz bedarf.“

Sie hĂ€lt inne, sieht ĂŒber die Schulter. Nickt. „Ja, vielleicht hast du recht.“


Sie formuliert Zweifel, die sie sich nicht eingestehen will. Wer weiß, ob sie am Ende nicht sogar nĂŒtzlich ist.

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Blutende Monde, stĂŒrzende Sterne
Shendori Schattennacht
Zwischen Zweigen, Ästen und StĂ€mmen lauerten sie: Wuchernde und wachsende Schatten, dem Wind geneigt und der Stille geschuldet. Selbst das Wispern der WĂ€lder wusste zu schweigen und trug keinen einzigen Laut heran. Diese WĂ€lder waren verlassen, verloren. Einzig und allein aus dem Grund hatte es die Reiterin hierher verschlagen.

Die gepolsterten Pfoten des SĂ€blers, dessen nachtgetĂŒnchter Pelz sich den Blicken entzog, hinterließen weder eine eindeutige Spur, noch nicht einmal das leiseste GerĂ€usch. Tief und tiefer drangen Reiter und Tier in das verdorbene Herz dieser LĂ€ndereien – und mit jedem zurĂŒckgelegten Meter verschwand die ohnehin bereits spĂ€rliche Farbe aus GrĂ€sern, BĂŒschen und Pflanzen. ZurĂŒck blieb ein trostloses Zusammenspiel aus dem Malkasten eines JĂŒnglings: Grau in Grau, eine verwischte Spur von Schwarz.

Beißend war er – der Gestank von in den Boden gesickerten Chemikalien, angereichert mit genug Gift, dass der Umtrunk an nahen GewĂ€ssern einem gesunden Lebewesen vermutlich das Leben genommen hĂ€tte. Noch immer trugen Verwehungen den fahlen Beigeschmack von verbranntem Holz und Asche rieselt bei jeder sich ergebenden Gelegenheit. Die Kehle gekleidet in Staub, trocken und unnachgiebig.

Die gespitzten Lauscher vermochten das Unheil zu hören, bevor es eintraf: In einem Ruck riss sie die ZĂŒgel herum und presste sich tief in den Sattel. Plock, plock, plock. Drei Pfeile versenkten ihre Eisenspitzen in nahen StĂ€mmen, spalteten das brĂŒchige Holz – angekĂŒndigt bloß vom leisen Surren der pechschwarzen Fiederung. Ein klirrend kalter Schauer fĂ€hrt ĂŒber den RĂŒcken der Reiterin; die nebelgewobene Magie, welche den Geschossen innewohnt, war keine unbekannte.

VerdĂ€chtig rasselt es, als Bewegung in den bebenden Untergrund fĂ€hrt: Erdige Schollen brechen unter eigenem Gewicht zusammen, als sich eine eiserne Kette spannt – Pfoten, die ĂŒber das gestraffte Seil stolpern, sich darin verwickeln und ein gewaltiger Körper, der sich jaulend dieser Kraft ergeben muss, als er zur Seite geschleudert und seine Reiterin unter ihm begraben wird. AllmĂ€hlich zeigen sie sich: Rot getĂŒnchte Blutmonde in BĂŒschen, auf BĂ€umen, hinter StĂ€mmen. Nicht nur ein Mond im Namen der Göttin, gleich mehrere, die sich dort in den Schatten erheben. Frevel – in seiner pursten Form.

»Ihr seid weit entfernt von Euren schĂŒtzenden GrabhĂŒgeln, WĂ€chterin – fernab eines mondlichtgetrĂ€nkten Pfades.« Ein Raunen geht durch die nahen WĂ€lder, als sich elfische Silhouetten nahtlos aus dem Schatten naher BĂ€ume schĂ€len. In dunkles, zerfressenes Leder gekleidet war die blasse Haut der Elfen ein regelrecht widernatĂŒrlicher Kontrast. Stille legte sich ĂŒber die verwĂŒstete Lichtung, bloß das verrĂ€terische Funkeln mehrerer Pfeilspitzen vermochte jene klanglos zu unterbrechen. Die WortfĂŒhrerin pirschte mit gehĂ€ssigem Grinsen um die WĂ€chterin; die RĂŒstung braun gefĂ€rbt und triefend vom unfreiwilligen Umweg, als sie sich aus dem Dreck erhob.

»Sagt mir, Schwestern – was sollen wir mit diesem prĂ€chtigen Fund anstellen?«
Die Antworten ĂŒberschlugen sich in erwecktem Hall, in ihnen so viel Zorn, dem nie Luft gemacht wurde.
»ErtrĂ€nken sollten wir sie, in ihrer strahlenden RĂŒstung!«
»Der Sturm soll sie holen – sie ist unserem Stahl nicht wert.«
»Treibt sie durch den Wald wie rĂ€udiges Wild, dreht den Spieß um!«
Die dunkle WaldlĂ€uferin hob eine einzige Hand – ihre Geschwister verstummten, ohne eine Ausnahme.
»Was sagst du, hohes WÀchterlein? Eine Jagd soll es sein!«

Als die Elfe ihre Hand hob, um sich dem Jubel der Geschwister zu ergeben, da regte sich die WĂ€chterin zum ersten Mal. Der Freudenausbruch – mit einem Mal unterbrochen von dem knirschenden Spannen mehrerer Sehnen. In aller Ruhe glitten die HĂ€nde der WĂ€chterin auf Schulterhöhe.
»Lasst sie gewĂ€hren – ihr letztes StĂŒndlein hat ohnehin geschlagen.«
Verbranntes Metall wirbelt den Staub vor den FĂŒĂŸen der WaldlĂ€uferin auf: Ein Abzeichen, so schwarz wie die verbrannte Rinde Teldrassils. Die violette PrĂ€gung auf silbernem Grund kaum mehr eine Ahnung.
»Lasst mich zu euch sprechen, gefallene Sterne – Ihr seid weder vergessen, noch verloren.« Standhaft in ihrer Haltung, Stolz in ihrer Stimme – und die den Blutmonden langsam annĂ€hernde Gewissheit, dass die WĂ€chterin sich ohnehin hĂ€tte bereits zur Wehr setzen können, wenn es ihr um das Ausmerzen der AbtrĂŒnnigen gehen wĂŒrde.

Ein Glucksen entgeht der dunklen WaldlĂ€uferin, als sie mit ihrem schwarz gefĂ€rbten Daumen ĂŒber die militĂ€rische Marke strich. »Es sei dir eine Audienz gewĂ€hrt.« Stimmen und Laute der Missgunst wurden laut; die roten Monde im Hintergrund regten sich in zurĂŒckhaltender Aufregung.

» solltest du mit dem Leben davonkommen, wenn sich unsere Klingen kreuzen. WĂ€hle deine Waffe, oh tapferes WĂ€chterlein.« Ein Jauchzen geht durch die gestĂŒrzten Sterne, ihr Strahlen schon lange vergangen, als sie sich im schattenverspielten Kreis um beide herum einfanden. Die wuchtigen Klauen der WĂ€chterin legten sich um den Schaft ihres Speeres – ein besticktes Band zum Griff, darunter das gehĂ€rtete Holz des gefallenen Baumes und der Stahl aus gehĂ€rtetem Elunit, das in VollmondnĂ€chten zu leuchten wusste. In dieser Nacht jedoch war es dunkel und schwarz wie die sich krĂŒmmenden Schatten in ihrer NĂ€he.

Als Zeichen des Respekts berĂŒhrte die WĂ€chterin mit zwei Fingern ihre Stirn, dann ihr Herz. »Möge die SchĂ€rfe deines Stahls der deines Geistes gerecht werden, Schwester.« Ein abfĂ€lliges Zischen, bevor die dunkle WaldlĂ€uferin in der ihr zugetanen Dunkelheit verschwand – nicht mehr als einer von vielen Schatten, dessen Klinge sich alsbald enthĂŒllen wĂŒrde.

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HĂ€ppchen
Aurora Revelis
Im Dikicht

"Die Gnade, die mir zuteil wurde, habe ich nicht verdient. Wenn ich in deinen Armen liege, bin ich versucht dir davon zu erzĂ€hlen. Aber ich habe zu große Angst vor deinem Urteil. Mehr noch als vor dem Elunes.
Denn bei dir weiß ich nicht, wie es ausfallen wird."

Die Schale sinkt zu Boden, eine kurze Zeit der Stille folgt, in der sie den Kopf fort neigt und der Blick in die Ferne schweift:

"Also fĂŒttere ich dich mit HĂ€ppchen anstatt mit Mahlzeiten - in der Hoffnung, dass du einfach in meiner NĂ€he bleibst."

Man hört, wie sie die Luft bebend einsaugt und darum ringt, ihre Stimme ruhig und tief zu halten.

„Ich glaube ich weiß jetzt, warum sie mir nie etwas erzĂ€hlt hat.“

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Elunes Feuer
Aurora Revelis
Amirdrassil

"Nein. Das heißt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass du dich jemals ergibst. Das du es jemals nötig hĂ€ttest...


dich ĂŒberhaupt zu ergeben."

"Das hatte ich aber!

~ Zumindest machte sie mich das glauben.
Ich sah kein Licht.
Ich sah auch keine schwarze Rache.
Das einzige was ich je zu sehen bekam war Feuer.


 Oft genug, dass es jetzt in meinem Herzen wohnt 
 "

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Schall & Rauch
Shendori Schattennacht
Dichter Rauch, der sich an ihren Körper und an ihre Lungen schmiegte – in ihrem Kopf, aber auch in der Höhle, die sie mit aufgeschlagenen Augen erfassen konnte. Ein Husten aus heiserer Kehle; der Versuch, sich aufzurichten und das klĂ€gliche Scheitern an stechendem Schmerz, der den Nebel zu lichten vermochte.

Eine Hand fuhr sich an die Stirn, von Pein geplagt. Erinnerungen – nicht mehr als flimmernde Bilder am Rande ihres Bewusstseins, kaum zu erahnen. Dunkle WĂ€lder, aufgehende Blutmonde, flitzende Pfeile. Ein Schmerz, der ihre Schulter durchbohrt. Kaltes Metall, elfisches Holz und ein wispernder Schatten in seinem Innern.

Ihre HandflĂ€che legte sich auf das Zentrum der KĂ€lte – statt klaffendem Wundrand jedoch nur in beißende KrĂ€utermischung eingelegtes, triefendes Moos und Fetzen geknĂŒpften Stoffes. Neben ihr loderten gesĂ€ttigte Flammen, doch die WĂ€rme vermochte sie nicht zu erreichen.

In ihrer NĂ€he wuchsen die Schatten zu beachtlicher GrĂ¶ĂŸe an und ihre Sicht fĂ€rbte sich schwarz wie ungekannte Nacht fĂŒr elfische Augen. Als ein Krampf sie zu schĂŒtteln drohte war es eine pelzbesetzte Pranke, welche sie zurĂŒck in ihre Schranken wies – zurĂŒck auf die Unterlage, bis die Muskulatur sich der vorgegebenen Ruhe ergab.

Federschmuck an seinem Kranz, geschnitzte TraumfĂ€nger um seinen Hals und die feuchte Nase, der Glanz ungebrochen. Spröde Lippen, die Worte formen wollen – doch sie hallen im Geiste ungesprochen mehrfach wieder und lassen sie verstummen. „Ruhe sanft, Kind der Sterne. Das Gift der Finsternis muss weichen, noch bevor es dein letztes Licht nimmt.“ Widerworte, verschluckt von erneutem Sturm aus tiefschwarzen Wellen – gewillt, den Fels in der Brandung mit gewaltiger Wucht vom Antlitz Azeroths zu tilgen.

Der gutturale Gesang des BĂ€renwesens nahm den Stein ein, an dessen bemalter OberflĂ€che die Geister der Ahnen zum Rhythmus zu tanzen, zu jagen, zu leben begannen. Der Geruch von entzĂŒndeten RĂ€ucherbĂŒndeln ließen ihre Lider flattern und noch bevor sie sich der drohenden Ohnmacht ergab, da könnte sie schwören, dass die kirschroten und beerenblauen Malereien an der Wand sich in das unsĂ€gliche Schwarz undurchdringlicher Nacht wandelte.

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