[Zwergen-RP Dunkeleisen] Flammenhort

Hallo Zwergenfreunde,

der Flammenhort treibt weiterhin sein Unwesen in Eisenschmiede. Unkraut vergeht eben nicht, aber wer uns besuchen möchte, darf sich herzlich eingeladen fühlen!

Da ich das Eingangsposting von diesem Thread leider akut nicht bearbeiten kann, gibt es hier einen kleines Update zu den Projekten, an denen wir uns beteiligen und mitmischen:

(1) Rat von Eisenschmiede , Beteiligung, Ansprechpartner: Tongreth
https://eu.forums.blizzard.com/de/wow/t/a-rp-der-rat-von-eisenschmiede-28september/61840

(2) Mythischer Abend, Ansprechpartnerin: Luzula
https://eu.forums.blizzard.com/de/wow/t/a-rp-mythischer-abend-21-september-2020/98436/3

(3) Feuerkehle, Ansprechpartner: Cadmir
https://eu.forums.blizzard.com/de/wow/t/a-rp-taverne-feuerkehle-dienstags/24884

(4) Schwarzer Kessel, Ansprechpartner: Cadmir
https://eu.forums.blizzard.com/de/wow/t/a-rp-schwarzer-kessel/79226

Ansonsten gibt es auch meist die Option in unseren Zauberunterricht mit hinein zu schnuppern. Am besten gilt in diesem Fall allerdings: Nachfragen, wann Termine stattfinden!

Liebe Grüße
Luzula

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Prrrrrrrr…… ,“ erklang das wohlige Brummen des Katers Bigsby. Doch es war blechern, als hätte sich der eigentliche Vierbeiner in einem Stahlrohr verkrochen. So oder so musste Rhumi für sich feststellen, dass der Anblick einer Metallhand, die einen Metallleib streichelte, entgegen der Äußerungen Bigsbys, auf sie einen für alle Beteiligten unangenehmen Eindruck machte. Die Lämpchen die seine Augen darstellten begannen zu flackern und schließlich gänzlich zu erlöschen, was wohl seine liderlose Art war, genüsslich die Augen zu schließen.

Es war im Ordenshaus des Flammenhorts, wo ihr Ordensmitglied Metippany Glittercog aus Mechagon, Rhumi auf deren Vorschlag hin in ihr Zimmer eingeladen hatte, um einen geübten Bestienbändigerblick auf den vollmechanisierten Kater Bigsby zu werfen. Ihr Zimmer war spärlicher eingerichtet, als Rhumi bei der sonst so blumig-überschwänglichen ‚Madame‘ aus Mechagon erwartet hatte – Ein ordentlich gemachtes Bett, ein Schreibtisch mit unzähligen, ordentlichst gestapelten Büchern und Papieren, sowie Tischchen und Schrank voller technischem Krimskrams von dessen Funktion Rhumi nicht den Hauch einer Ahnung hatte.

Nun, ich will Euch den Guten anvertrauen, meine werte Rhumi. Erlaubt mir abermals zu betonen, wie gerührt und dankbar gleichermaßen ich ob Eures einfühlsamen Vorschlages bin! Ich muss in der Tat eine ungezügelte Neugier eingestehen, wie es um das seelische Befinden des alten Bigsby steht.“ Rhumis matt glimmende Äuglein blinzelten einige Male, ehe der durchs Zimmer schleichende Blick zurück zu Metippany fand, deren blitzend weiße Beißerchen ihr nach ihrem letzten Wortschwall entgegen glänzten. Einige weitere Augenblicke später fiel ihr dann schließlich auch ein, dass sie Metippany antworten könnte. „‘s mach ich gern, Miss Glittercog. Schon‘m klein‘n Kerlchen selbst zuliebe.“ Rhumi streckte die Arme aus, und ein Paar auf Hochglanz polierte goldfarbene Mechagonierhände überreichten das mechanische Bündel einem mit Staub, eingetrocknetem Schlamm und weiß-schwarzen Sprenklern von Spinnenmist gezeichneten Paar verstärkter Lederhandschuhe. Der Maschinenkater war nicht gerade ein Leichtgewicht, aber Rhumi vermochte ihn nach der ersten Überraschung gut zu heben.

Nun galt es die Frage zu klären, die sie selbst beschäftigte seit Ilsabeta in der Kehle vom Kater sprach. Lavaspinnen wie Lotta waren schon halbe Elementare aus Stein und Lava, und doch ruhte in ihnen die Seele eines Tieres. Ebenso in den Loderhunden wie Ygmars treuem Bael, deren Herkunft Vermutungen zufolge in dämonischer Zauberkunst liegen. Die Wildnis wusste sich zu behaupten, doch konnte sich ihr Geist auch in dieser… Maschine halten? Abermals richtete sie einen genaueren Blick auf das Tier in ihren Armen, welches seine nun wieder aufmerksam leuchtenden Lampenaugen zurück auf sie richtete. Die stählerne Haut war weniger kalt als sie angenommen hatte, sein Motor musste den Kater ein gutes Stück aufheizen. Alles an ihm wirkte falsch wie ein kahlrasierter Zwergenkerl. Vielleicht war dieses ganze Unterfangen doch ein Fehler gewesen.

Rhumi seufzte leise, als sie ihren Blick dabei erwischte abermals weiter zu wandern, zurück zur Zauberhexerin aus Mechagon. „Bitte seid Euch meines vollsten Vertrauens in Eure faszinierenden Fähigkeiten bewusst, verehrte Rhumi,“ meinte diese, munter wie eh und je. „Ich liebe meinen entzückenden kleinen Bigsby, ein Gefühl das zweifellos auf Gegenseitigkeit beruht. Weniger zweifellos jedoch mag ich sagen, wie viel des ursprünglichen Bigsbys es ist, der seine Zuneigung zu mir ausdrückt.“ Rhumi konnte erkennen wie das zuckersüße Gnomenlächeln in sich zusammensackte. Rhumi schluckte. ‚Falsch‘? War sie letztlich selbst eine von jenen geworden, die Bael zum Dämon verteufelten? Stählerne Pfötchen mit quietschfrei geölten Gelenken scharrten an ihrem Brustpanzer. Rhumi schloss die Augen, Entschlossenheit in ihr Gesicht gemeißelt. Nein, auch der Kater im Metallgewand hatte seine Chance, einen genauen Blick hinter die harte Außenhülle verdient.

Kaum war der Beschluss gefasst, schien auch schon ein Damm gebrochen, und der altbekannte Funke strahlte Rhumi entgegen – Nicht die Lampenaugen Bigsbys, sondern was ihn wirklich ausmachte, egal was Ilsabeta von Programmierungen gefaselt hatte – Die Seele tief im Innern. Rhumi spürte vorsichtige Verunsicherung, aber keinesfalls solche die Getriebe und Schrauben am vierbeinigen Leib verursachten, sondern wer dieses unbekannte Zwergenmädel wohl sein mochte. Rhumi gluckste munter grunzend und kraulte Bigsby am Stahlplattenkinn. „Keine Bange, ich bin eine Freundin deiner Metippany. Wir wollten nur mehr über dich rausfinden,“ dachte sie zu sich selbst, und wie auf Kommando begann Bigsby wieder zu schnurren und seine Augenlampen zu löschen. Er fühlte sich immer noch gewöhnungsbedürftig an, aber das war kaum sein Fehler – und soweit Rhumi das verstanden hatte und glauben durfte, auch nicht Metippanys. Metippany… Rhumi spürte die Verbindung, den Platz den sie in Bigsbys Herzen… Speicher? …nein, seinem tiefsten, geistigen Innern einnahm, aller nicht immer positiven Veränderungen zum Trotze, die die Mechanisierung des Katers vor Jahrzehnten mit sich brachte. Bigsby weiter kraulend öffnete Rhumi die Augen und blickte zur erwartungsvoll starrenden Metippany. Zumindest glaubte sie, dass Mund und Brauen erwartungsvoll aussahen, die merkwürdigen leuchtenden Sichtschlitze die ihre Augen darstellten kommunizierten das nicht wirklich. Rhumi lächelte ein warmes, gutmütiges Lächeln und nickte langsam, und ohne ein weiteres Wort von einer der Beiden strahlte auch Metippany von goldenem Hörkasten zu goldenem Hörkasten. Rhumi setzte Bigsby behutsam auf dem Steinboden ab, der langsam zur gnomischen Zauberin tappste und sich brummend an ihre Stahlbeine schmiegte.

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Die Dunkeleisenzwergin lehnte sich schweratmig gegen die Übungsattrappe. Der Schweiß brannte ihr in den Augen und tropfte warm am Kinn herunter. Vor wenigen Stunden waren es noch Tränen. Die gesteppte Rüstung und Unterkleidung pappten ihr am zitternden Körper. Ihre Arme krallten sich noch krampfhaft am Streitkolben fest und die Knöchel waren weiß angelaufen. Bei jedem rasselnden Atemzug schmerzten die Lungenflügel entsetzlich und zogen sich unter den widerlichen Seitenstichen zusammen.
Ihr Körper verweigerte jeden weiteren Dienst. Die Muskeln bebten unter der Anstrengung und die Erschöpfung hielt Luzula lähmend im Griff. Ihre Kraft reichte aber noch zum Luft schnappen und einem düsteren Blick zu einer Wache. Direkt gegenüber dem Übungsplatz hatte dort ein Bronzebartzwerg Stellung genommen und schaute mit unverblühmter Offensichtlichkeit zu ihr herüber. Ob Belustigung oder Sorge seine Mimik bestimmte, vermochte die hagere Dunkeleisenzwergin auf die Distanz bei ihrer verschwimmenden Sicht nicht mehr auszumachen… aber beide Möglichkeiten wurden von ihr gleichermaßen verabscheut.
Ihre Schwäche wurde zur Schau gestellt, wie ein offenes Buch. Auch wenn die Attrappe in ihrem Rücken zahlreiche Kerben mehr besaß und Holzsplitter den Boden zu ihren Stiefeln säumten, war dieser hölzerne Gegner das einzige, was die Zauberin jetzt noch auf den Beinen aufrecht hielt.
Mit einem lauten Scheppern polterte die Waffe aus Luzulas Händen auf den Steinboden und riss ihren lodernden Blick von der Wache fort. Aber auch wenn ihr Leib von allen Kräften verlassen war, hatte die Schinderei nicht die Wut aus dem Geist gebrannt. Zähneknirschend starrte die Zauberin auf ihre Hände herab. Wie ein nagender Wurm durchwühlte der Zorn ihre Innereien und verhöhnte sie. Das Gespräch mit Garam war noch präsent in ihrem Kopf, als hätte sie es gerade erst verlassen, anstatt vor Stunden beendet. Seine schier unerschütterlich ruhige Miene gaffte Luzula in den Erinnerungen entgegen, seine Stimme hallte nach und Garams Worte? Sie stachen direkt in die Brust, gossen Öl ins Feuer und schlugen ihr immer noch ins Gesicht wie eine knallende Ohrfeige.
Nur. Sie hasste dieses Wort. Nur. Nur Vater. Er war also… nur Vater. Er wollte mehr. Von einem Ächzen begleitet stieß der Hinterkopf der mageren Zwergin gegen die Attrappe, bevor sie sich schlapp mit den Schultern davon wegdrückte und ein paar Schritte nach vorne taumelte. Die Waden brannten entsetzlich, aber nicht näherungsweise so schmerzhaft wie das pochende Herz in der Brust. Oder der brodelnde Zorn, der ihr immer noch keine verdammte Ruhe ließ. Gedanken, die ihr durch den Schädel schossen und ihr keine Rast gönnten. Sie wollte Frieden. Verflucht noch eins, Frieden!
Mühsam ballte Luzula die Hände zu Fäusten und kam wankend zum Stehen. Ein sachtes Kribbeln zog sich dicht unter ihrer Haut und folgte mit jedem wummernden Herzschlag dem Blut durch ihren Leib. Ein elektrisierendes Spannen zogen die Finger stetig fester zusammen, als die Dunkeleisenzwergin wieder dem Blick der Wache begegnete. Für einen Wimpernschlag sah sie es in seinem Gesicht deutlich: Distanzierte Ausdruckslosigkeit. Wie eine reglose Statue. Keinerlei Anteilnahme. Wie Garam.
Mehr Gründe brauchte Luzula nicht. Das Fass war voll und mit dem letzten Tropfen nun übergelaufen. Ihren zitternden Fingerspitzen richteten sich zur Decke des Gewölbes. Die Schwäche wurde für den Bruchteil einer Sekunde fortgespühlt, als die arkane Magie mit geballter Kraft durch ihren Körper strömte. Aus dem sanften Kribbeln wurde spürbare, erhebende Macht, die ihrem Fingerzeig folgte. In einem wütenden Aufschrei riss Luzula den Arm herunter und besiegelte damit das Schicksal ihres Opfers.
Ihr Brüllen weckte das Feuer, befahl es kreischend unter ihre Gewalt, legte ihm die arkanen Ketten an und schmetterte es ihrem fokussierten Ziel von oben herab geradewegs auf den Scheitel. Genährt von tosenden Zorn knallte die flammende Lanze speihender Lava wie ein Blitz durch die Luft und schlug in der Holzattrappe unter einem widerlichen Knirschen ein! Das Holz barst und knackte unter der Hitze, gab unter dem Druck nach und verkohlte unter schrillenden Pfeifen als würde es vor Schmerzen schreien.
Luzulas Lippen zierte hingegen ein seliges Lächeln. Noch während die Zwergin einknickte und die arkanen Mächte ihren Körper mit dem Zauber wieder verließen, war es endlich ruhig geworden. Die Wut war von den Flammen verzehrt worden. Dunkelheit umfing die Pyromantin, noch bevor sie auf dem Boden stürzte. Dumpf hörte sie nach dem Aufschlag zwar scheppernde Schritte näher kommen und eine Stimme rufen, aber die gnädige Ohnmacht legte sich da schon um ihren Kopf wie ein weiches, dämmendes Kissen.

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Ich mag das RP mit dem Flammenhort, macht sehr viel Spaß.
Ich lasse euch mal ein bisschen Feuer da.

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Luzula entzündete eine Kerze und nahm auf dem alten, rustikalen Holzstuhl Platz. Mit einem zufriedenen Lächeln beobachtete die magere Dunkeleisenzwergin das tänzelnde Feuer auf dem Tisch und legte dabei die Hände auf ein Buch. Die Pergamentseiten waren vergilbt, der Einband abgenutzt und leicht schmutzig. Im Gemeinschaftsraum des Ordenshauses roch es aber nach süßen Gebäck und fruchtigen Kirschen. In einem Topf, nicht weit von ihr entfernt, kochte noch jenes Obst mit Zucker langsam über der kleinen Flamme der Glut ein. Acht Jahre…
… fast schon ein Jahrzehnt - seit der Flammenhort sich in Eisenschmiede niedergelassen hatte. Mit einem leisen Glucksen schüttelte Luzula ungläubig den Kopf und lehnte sich mit einem seligen Seufzer zurück. Es hatte Höhen gegeben und seine Tiefen, aber ihre kleine Gemeinschaft des Flammenhorts existierte weiterhin. In diesen Mauern wurde gelebt, gelacht, manchmal die Haare gerauft und Krüge zusammengestoßen. Verschiedene Gesichter waren durch die Tür gekommen und wieder gegangen. Einige hat es in der Stadt gehalten, andere witterten in der Ferne Abenteuer und ihre eigene Bestimmung.
Wie es ihnen wohl erging? Die Zauberin hob die Mundwinkel zum milden Lächeln an. Endlich stand auch wieder die nächste Expedition vor der Haustür. Die Vorbereitungen waren in Gang gesetzt worden und Luzula konnte sich nicht erwehren, dass die Freude und Aufregung ihr Herz flotter zum Schlagen brachte. Was auch immer die Zukunft brachte, ob Reisen, Lehre oder ruhige Stunden in entspannter Geselligkeit… sie waren nicht alleine und mit jedem einzelnen Ordensmitglied war es eine Ehre diese Zeit zu teilen.

Feuer und Flamme!

Also… man wird einfach nicht jünger.

Ich möchte gar kein großes Tam-tam darum machen, aber ich will mich mit viel Nachdruck und aufrichtiger Freude bei allen Gildenmitgliedern (jetzigen und ehemaligen) herzlich bedanken!
Für das gemeinsame Rollenspiel, die herrliche Zeit, vielen Lacher und manches Tränchen in den Augen. Ich genieße es nach wie vor sehr und sehe mit Vorfreude auch weiterhin in die Zukunft.

Auch möge sich jeder bedankt fühlen, der unseren kleinen Wahnsinn tapfer ertragen und mitgemacht hat! Ohne Mitspieler wäre es nur halb so unterhaltsam.

In diesem Sinne: Prost und hoch die Krüge!

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In den frühen Morgenstunden schweift der Blick des jungen Zauberlehrlings im Bunker des Flüchtlinglagers Herdfeuer umher. Sie sieht Kisten und Kasten, Gepäck und Lebensmittel. Waffen, Gewehre. Aber was man auch sehen kann sind: Die Personen, die da sind. Der glühende Blick der rothaarigen Dunkeleisenzwergin schweift nachdenklicher als üblich umher, als langsam aber sicher alle aus ihren Schlafplätzen schlüpfen und in den neuen Tag starten - je nach Person aber auch eher schlürfen. Man war zwar gemeinsam inmitten des Lagers, weiß aber zu keiner Sekunde mit Gewissheit, ob oder wann eventuell Angriffe stattfinden konnten. Sie überkreuzt die Beine und streicht behutsam über den Körper ihrer kleinen Motte, welche ein sachtes und leises Zirpen von sich gibt und selbst ebenfalls umherblickt. ‚Puderzucker‘ sitzt auf dem Schoß und tapst mit den kleinen schwarzen Beinen im Kreis umher.

Eigentlich wollte Mjorna nach ihrer sehr langen und zum Teil auch aufreibenden Reise wieder in die heimischen Wände inmitten von Eisenschmiede zurückkehren. Geradewegs zurück in das Ordenshaus des Flammenhort und zu den Leuten, die sie selbst…gar nicht mehr als ‚nur‘ Mitglieder eines Ordens sah. Sie wollte zurückkehren zu den Leuten, die sie zu einem gewissen Grad mittlerweile eher als Familie betrachtete. Man reiste gemeinsam, man teilte Erfahrungen, man kämpfte Seite an Seite…man war füreinander da. Egal, ob es sich um Loyalisten in Cordberg handelte, oder um Ghule und Zombies in Khaz Modan selbst… Natürlich ärgert man sich, man streitet vielleicht mal, aber man vertragt sich auch. Das versteht sie nun umso mehr. Kurz wandern die Mundwinkel sanft in die Höh’. Das Gute hierbei war aber…im Gegenteil zur echten Blutsverwandtschaft, sucht man sich eine andere Familie wenigstens selbst aus.

Mjorna Steinflamme rückt leicht im Stuhl zurück und führt mit der Linken die Motte auf die Schulter zurück. Schließlich erhebt sie sich, um ebenfalls nach dem Rechten zu sehen und unter Umständen irgendwo noch mit anzupacken. Sie reiste von der alten Heimat…von dem alten Wohnort, dem Schwarzfels, geradewegs über Loch Modan hierher. Bereut sie es? Kein Stück.

Was war letztendlich überhaupt Heimat? Heimat war zumindest für die Dunkeleisenzwergin, da zu sein, wo man sein Herz hat. Nicht da, wo man seine Wurzeln hat. Immerhin kann man Wurzeln auch behutsam aus den Boden holen und anderswo einpflanzen…! So sieht die Zwergin das und zufrieden mit der eigenen Gedankenwelt und den Hirngespinsten beginnt sie zu lächeln, sogar leise aufzulachen: „Wenn du nur reden könntest, Puderzucker.“, nuschelt sie derweil zur schneeweißen Motte. Die kleine Motte hebt majestätisch ihre Flügelchen in die Höh’ und ließ ein leises Zirpen von sich, wie es von Motten üblich ist, die von der Azurmythosinsel stammten. „Irgendwann!“, beschwichtigt Mjorna das Tier und seufzt leise. Sie war auf alle Fälle froh im neuen Chaos nicht alleine zu sein, sondern wieder Seite an Seite kämpfen zu können~

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Voller Missgunst streift der lodernde Blick des jungen Pyromantenlehrlings umher. Sie erfasst förmlich jede Ecke des dunklen Viertels. Kein Stein, keine Bewegung, keinen Luftzug wollte sie „ungeschont“ davonziehen lassen. Niemand durfte es…und umso weniger durfte sie selbst gedanklich „davonziehen“. Letztendlich gab es bereits einige Informationen zum Täter, zu seinen möglichen Motiven und dergleichen…und dennoch wollte Mjorna Steinflamme nicht ruhen. Alles könnten Finten sein…Unter Umständen nur Vorboten von einem viel größeren und massiveren Problem. Mittlerweile waren die meisten in den Häusern, während sie selbst ruhelos das dunkle Viertel im Blick behält. Sonst war dieser Ort für sie Heimat. Der Ort, wo sie ihr Zuhause hat und eigentlich sorgenlos allem nachgehen kann. Und dennoch traut sie sich nicht heute in diesem Gebiet ihre Gedanken davon schweifen zu lassen…dennoch kann sie aber nicht anders. Was wenn…die Zusammenhänge zu damals da wären? Was wäre, wenn es die gleichen Personen sind? Elendes Gesindel, welches nicht rechtzeitig umgebracht wurde und sich deshalb wieder vergrößern und formen konnte… ? Die gleichen Personen, die bei ihr bereits genug Probleme verursacht haben.

Unzufrieden lässt die Zwergin mit dem flammenroten Haar ein Schnauben von sich, ehe sie ihre Lippen zu einem dünnen Strich zieht. Sie hat die Nase auf alle Fälle gestrichen voll von diesen Zwergen. Zwergen, die die ewigen Mühen der anderen in den Dreck ziehen und sich an dem Hass dieser regelrecht ergötzen. Gesindel, welches… sie vollendet den Gedanken nicht, stattdessen faltet sie die Hände ineinander, wobei sich jedoch die einzelnen Finger in die jeweils andere Hand regelrecht hineingruben. Die Fingernägel kratzen auf der hellgrauen Haut so fest, dass es beinahe schmerzt. Sie war monatelang weg, auf Reisen, die ihr einige Erkenntnisse lieferten, abgesehen davon, dass sie ihrer Tante einen großen Gefallen tat. Eigentlich kam sie guter Dinge zurück nach Eisenschmiede…zumindest war dies der Plan, ehe hirnlose wandelnde Leichen ihr die Wege abgeschnitten hatten und sie nur aufgrund ihrer mehrjährigen Lehre etwas ausrichten konnte…und überleben. Mit Glück erreichte sie unbeschadet Dun Morogh. Voller Freude sah sie, dass ihre Engsten selbst relativ unbeschadet waren… und was passiert nun? Nach monatelanger Arbeit den eigenen Hass auf eine bestimmte Personengruppe zumindest etwas zu zügeln und nicht mehr blind vor Wut zu sein? Genau diese „Gruppe“ ist wieder für etwas sehr Schlimmes verantwortlich.

Mjorna hat das Gefühl noch genau greifbar. Es bot sich ihr regelrecht an für verheerende Zauber genutzt zu werden, Zauber, die die ersehnte Rache liefern könnten. Die unbeschreibliche (erneute)Verzweiflung, als sie jemanden zu Boden gehen sieht. Jemanden der wenigen Personen, die ihr -nicht- egal sind. Das Gefühl wieder machtlos zu sein und etwas nicht verhindern zu können…

Aber heute war Mjorna dennoch nicht mehr die Alte. Die, die ganz und gar von ihrer Wut auf diese Personengruppe geleitet wurde…nein, sie beschränkt sich nicht mehr darauf. Gewiss möchte sie jetzt funktionieren und beschützen, aber trotz allem nutzt sie all ihre Emotion kontrolliert. Sinnvoll und nicht kopflos. Das richtige Einsetzen war ein Werkzeug…eine Quelle seine eigenen Grenzen effizienter auszuschöpfen. Nach und nach wandern ihre Mundwinkel wieder zurück, um eine recht nichts sagende Miene zu ermöglichen. Ihr Blick war konzentriert und ganz und gar neutral. Entspannt verschränkt sie die Arme hinter dem Rücken, strafft diesen gerade…und stellt die Füße mit etwas Abstand zueinander in einer geraden Linie richtig hin.

Sollen sie nur kommen und in das aufkommende Feuer rennen. Sie wäre bereit.

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Nach vielen, vielen Stunden an tiefem Schlaf öffnet sich langsam der lodernde Blick der jungen Dunkeleisenzwergin. Sie lag auf der weichen Heumatratze eines sogenannten ‚Steinbettes‘, wie es bei den Zwergen üblich war. Alles schmerzte…und das Bett ist nicht daran Schuld. Das spürt sie direkt, kaum, dass sie sich aufgerichtet hat. Müde reibt sie sich die Augen und dann schweift der lodernde Blick auch wieder in dem Zimmer umher. Sie war Zuhause, in ihrem kleinem Zimmer inmitten des Ordenshauses des Flammenhorts. Alles war mittlerweile wieder an Ort und Stelle eingerichtet, ganz so, als wäre sie nie weggewesen. Der Raum war …überfüllt wie eh und je. Die abschließbare Kleidertruhe reichte offenbar nicht aus, dementsprechend türmte ein ordentlich gefalteter Kleiderberg an Kleidern und Roben des Lehrlings noch zusätzlich auf der Truhe. Der kleine Tisch war voller Notizen, Büchern und Zeichnungen und einem großem Topf, in dem Feuerblüten gedeihen. Am Stuhl thronte ein ordentlich gefalteter Kleiderberg. Eine kleine Lampe am Tisch, die mit einem Zauber versehen war, bot ein gemütliches Licht, dass den ganzen Raum leicht erhellte. Inmitten der steinernen Wände war Stauraum für persönliche Sachen geboten…und auch diese Regale waren voller Bücher, Notizzettel und Pergamentrollen. Einige kleine und volle Körbe mit Kämmen, Spangen und Bürsten waren ebenfalls sichtbar, genau so wie eine kleine schwarze Truhe, die ebenfalls verschlossen ist.

Mjorna war wahrlich froh wieder in dem kleinem Raum zu sein. Froh, wieder zurück zu sein…doch lange hielt die Grübelei wieder nicht an, ehe die Erschöpfung wieder auf sich aufmerksam macht, kaum, dass die Zwergin sich erhoben hatte. Sie hat zwar schon einige Kämpfe hinter sich gehabt, sie wusste was es hieß am Ende seiner Kräfte zu sein…Aber -dieses- Gefühl hatte sie bisher noch nie verspürt. Ihr Kopf fühlte sich schwer an, ihre Glieder schmerzten. Sie hat nicht gekämpft, sie hatte ‚nur‘ ein intensives Ritual hinter sich. Aber dieses Ritual ging über eine unbestimmten, gefühlt ewigen Zeitraum. Ihre Kräfte wurden gänzlich ausgeschöpft, ihr ganzes Mana glaubte daran, sodass sie auch auf den Manakristall zugreifen musste. Sie ist froh, dass die Hüterin während der ganzen Zeit des Rituals ein wachsames Auge auf sie hatte und ihr dieses überhaupt beigebracht hat.

Kurz schweift der Blick auf die Bilder an den Wänden, die die Sengende Schlucht, brennende Steppe und Dun Morogh zeigten…ehe jeglicher Fokus davonschwappte. Eine Welle an undefinierbaren Gefühlen überschwemmt die Zwergin erneut, woraufhin der Blick suchend von links nach rechts geht und dem ‚Gefühl‘ folgt…woraufhin sie den Kopf in den Nacken legt und zum höchsten Regal linst. Puderzucker, die schneeweiße Motte, zirpte zur Begrüßung munter vor sich hin und Mjorna meint zu spüren, was das Tier spürte. Die Familiarbindung war intensiv, überwältigend und eine neue Hürde, die zu meistern war.

„Guten Morgen, Puderchen!“, grüßt Mjorna schmunzelnd die Motte, die nun nicht mehr ‚nur‘ ein Tier ist. Stattdessen ist sie nun gänzlich von Magie durchdrungen und auch optisch hatte dies dezente Veränderungen mit sich gebracht. Puderzucker, in all ihrer Pracht, hob grazil die gezeichneten Flügel empor und stolzierte auf dem höchsten Punkt des Raums stolz umher. Ob dies eine gute Entscheidung war, wird sich noch herausstellen. Mjornas Bauchgefühl teilte ihr aber mit, dass es die richtige Entscheidung war, trotz aller möglichen Probleme und Folgen. Leise gähnt die übermüdete angehende Zauberin unter der vorgehaltenen Hand und versuchte die sonderbare ‚neue Welt mit einem Familiar an ihrer Seite‘ ruhig zu erfassen und auf sich wirken zu lassen… aber zunächst müssen dafür Kräfte getankt werden! Hastig schlüpft die Zwergin in eine bequeme Robe, trägt rasch die dezente Schminke auf die Augen auf und flechtet sich die Haare zurecht. Erst dann huscht die Zwergin aus ihrem Zimmer heraus, während Puderzucker stolz wie eh und je auf ihrer Schulter sitzt und vor sich hin zirpt…Mjorna gluckst heiter auf und macht sich daran im Ordenshaus ein Frühstück vorzubereiten…Puderzucker und sie werden schon zurecht finden. Egal wie lange es dauert. Außerdem wusste sie genau, dass sie währenddessen Unterstützung hat, was die ganze Aufgabe direkt weniger ‚überwältigend‘ macht.

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Es war dunkel, stockdunkel inmitten der Kajüte. Die anderen waren (offenbar) bereits am Schlafen, während Mjorna unwohl die Wand anstarrt, die sie direkt vor sich hat. Zwar wackelt es aktuell zumindest nicht so intensiv wie sonst bei Schiffsfahrten und dennoch war die Situation ausreichend dafür, dass sie kein Auge zumachen kann. Zumindest war die Erschöpfung noch nicht ausgeprägt genug, dass das von alleine passieren kann. Gewiss bräuchte sie die Ruhe und den Schlaf für die weitere Reise und dennoch ist sie trotz allem wahrlich keine Freundin von Reisen mithilfe des Wassers. Aber zumindest stellt sie sich mittlerweile -etwas- besser an als bei den letzten Reisen auf Schiffen. Bisher hing sie immerhin noch keine Sekunde über einem Eimer… Leise seufzend greift die Dunkeleisen vorsichtig und dementsprechend leise nach ihrer Umhängetasche, um einen in dunklen Stoff eingewickelten Stein heraus zu holen. Dieser hatte die Form einer Feuerfliege und leuchtet dezent. Mjorna schiebt die Decke leicht über den leuchtenden Gegenstand, damit es die anderen nicht stört und fischt schließlich noch nach ihrem Notizbuch samt Kohlestift.

Sobald sie dieses aufklappt, kommen ihr unzählige Zeichnungen und dazugehörige Notizen in das Blickfeld. Die Zeichnungen wirken zwar schnell gezeichnet und dennoch recht ordentlich und vor allem erkenntlich. Sie sieht Zeichnungen von Ritualkreisen und unzählige notierte Information zu diesen und hebt unweigerlich die Mundwinkel höher. Mittlerweile ist einige Zeit seit diesem vergangen und sie fühlt sich wesentlich sicherer mit -ihrem- Familiar. Außerdem geht es auch diesem offenbar recht gut, soweit Mjorna die Gefühle einschätzen kann… selbstverständlich ausgenommen des letzten Tages. Klar vor ihren Augen hat sie noch das aufgeregte Wesen, welches lautstark ihr Ärgernis darüber jedem mitteilen musste, dass sie kein Teil der Reisegruppe ist. Vorwürfe waren ebenfalls ein Teil davon. Puderzucker war auf alle Fälle nicht froh darüber und dennoch war es die richtige Entscheidung. Auch wenn Mjorna ein unheimlich mulmiges Gefühl dabei verspürte, welches sie nicht erklären konnte. Die Familiarbindung war dennoch unfassbar frisch und es war einfach besser diese nicht direkt auf eine derartige Probe zu setzen. Das bestätigte ihr auch die Reaktion ihrer Lehrmeisterin, die ihr immerhin all dies beigebracht hat…also wird es schon richtig sein. Sie zieht ihre Brauen eng aneinander und atmet tief durch.

Leise, ganz leise, seufzt die rothaarige Dunkeleisen daraufhin und blättert in ihrem Buch weiter, bis sie an der letzten Seite angekommen ist. Diese Seite ist mit einer aufwändigen Zeichnung versehen, auf welcher ein Korallenriff sichtbar war. Zwar fehlen logischerweise die unzähligen und schönen Farben und trotz allem kann Mjorna nicht anders, als seicht zu lächeln. Selten hatte sie eine solche Schönheit mit der ihr so unangenehmen „Wasserwelt“ in Verbindung gebracht. Noch nie sah sie so etwas und umso dankbarer war sie dann doch für die Erfahrung. Rasch setzt die Dunkeleisenzwergin ihren Kohlestift auf einer freien Stelle der Zeichnung an und beginnt mit ordentlicher Schrift auf Zwergisch Notizen zu machen… „Korallen – Offenbar handelt es sich bei diesen um Tiere, laut Rhumi. Zwar simpel gestrickte Tiere, aber dennoch Tiere und nicht wie zuerst anzunehmen bunte Pflanzen. Die Farbvielfalt ist atemberaubend und unzählige Fische, die nicht weniger bunt und außergewöhnlich sind, sind nahe diesem bunten Paradies zu finden.“, langsam setzt sie wieder den Kohlestift ab und tippt sich mit diesen gegen die Lippen. Schließlich setzt sie noch einige Striche mit ihrem Stift auf der Zeichnung an, fügt einige kleine Fische hinzu und lächelt zufrieden, ehe sie das Notizbuch wieder zuklappt und zurück in die Tasche packt. Sie ist doch ziemlich froh über diese Erfahrungen, auch wenn es ihr anfangs zuwider war.

Kurz schweift der feurige Blick noch etwas umher, ehe sie spürt, dass die Müdigkeit doch immer stärker wird und sie dementsprechend noch einmal leise gähnt…und ihrem Körper die notwendige Ruhe gönnt.

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„Sieh genau hin, Morgud.“ Das Gejohle war fast ohrenbetäubend. Auf ihren Plätzen war das Gedrängel noch nicht so schlimm, wie unten am Ring, aber die junge Dunkeleisenzwergin schnaubte kurz echauffiert, als sich ein Ellenbogen in ihre Seite grub. Nach einem mahnenden Blick wandte sie sich aber der älteren Zwergin neben ihr zu. Das pechschwarze Haare hatte bereits dunkelgraue Strähnen an den Schläfen und direkt über der Stirn. Die Haut der alten Frau war bleich, fast wächsern und die behandschuhten Finger deuteten geradewegs auf das Zentrum aller Aufmerksamkeit: Das Rudel knurrender Bluthunde zog seinen Kreis um die Beute enger. Lauernd schabten die kraftvollen Klauen der Bestien über den Boden, Speichel triefte aus den Mäulern mit den rasiermesserscharfen Zähnen.
„Ah, sie haben ihn!“, bestätigte die Dunkle zur Alten gewandt und erwiderte auch ihr Lächeln. „So ist es. Wieder einmal siegt das Recht.“
„Ist die genaue Anklage eigentlich bekannt?“, setzte Morgud nachdenklicher an und richtete die lodernden Augen neugierig auf den Zwergen in der Arena. Seine rot glühenden Pupillen waren vor Angst dermaßen geweitet, dass es selbst auf den oberen Rängen deutlich zu sehen war. Hektisch drehte er sich um die eigene Achse, die blutige Waffe drohend erhoben, während die Bluthunde langsam aber sicher näher kamen.
„Spielt das eine Rolle, mein Kind? Ganz gleich des Verbrechens, diese Erbärmlichkeit hat so oder so nun endlich ein Ende gefunden. Was auch immer ihn dorthin gebracht hat, ist nicht näherungsweise so schlimm, wie das… wofür er sich nun schuldig macht, Morgud.“ Die Alte kräuselte verächtlich ihre Nase und faltete die Hände ordentlich im Schoß zusammen. Der Angesprochenen entlockte es aber zunächst nur einen verwirrten Gesichtsausdruck. „Was meint Ihr, Großmutter?“
Der Blick. Vermutlich würde sie ihn niemals vergessen. Die Miene, welche sich verzog und welcher die Missachtung, der blanke Hohn und pure Abneigung abzulesen war, wie aus einem Buch. „Dieses Zeugnis von Schwäche. Danken wir unserem Imperator, dass in Schattenschmiede kein Platz dafür eingeräumt wird. Die Welt gehört denen, die sie sich nehmen können, Morgud. Vergiss das nie. Nur die Starken sind des Überlebens würdig.“

Bis heute hatte sie den Blick ihrer Großmutter nicht vergessen. Die hagere Dunkeleisenzwergin blieb in der Hocke und atmete tief durch. Der modrige Geruch des Sumpfes stieg ihr in die Nase. Heute zirpte und krächzte nicht die blutdurstige Menge, sondern die Fauna Nazmirs. Eingekesselt von den seltsamsten Kreaturen, die ihre Augen jemals erblickt hatten, musterte die Zauberin den Tortollaner. Er wühlte hastig in einer Umhängetasche voller Schriftrollen und den Bestien, welche offenbar nur aus riesigen Mäulern auf Beinen bestanden, lief das Wasser in den weit aufgerissenen Kiefern zusammen. Es gab zwei Optionen, die Ilsabeta ordentlicherweise aufgeführt hatte: Option A, die Schildkröte ihrem Schicksal zu überlassen und die Szenerie heimlich umgehen - wahlweise später noch das Wissen bergen, was diese absurden Geschöpfe nicht verschlingen würden. Option B, ihm helfen und die eigene Haut dabei riskieren.
Luzula haderte für eine Sekunde. Eine quälend lange, wo alte Erinnerungen an einer vergangenen Zeit kurz in der Brust aufklommen und ihr die Luft zum Atmen raubten. Eine Entscheidung musste gefällt werden und auf die Waage wurde binnen einer Sekunde aufgeladen, was die Last vom Herzen nahm. Es konnte nur eine Wahl geben. Eine, die sie hoffentlich später nicht bereuen musste.
„Option B!“
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Feuer und Flamme!

Der Großteil des Ordens ist derzeit auf Reise und unternimmt eine kleine Expedition. Die Dauer ist etwas unbekannt, aber wird auch keine Ewigkeiten verschlingen. :wink:
Wer allerdings IC den Kontakt in Eisenschmiede sucht, kann auch fündig werden, aber ich rate dazu einfach im /w vorher nachzufragen oder sich in der Feuerkehle zu erkundigen.

Liebe Grüße
Luzula

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Langsam wird ihre Sicht klarer und klarer. Langsam sieht sie…Etwas. Oder bildet sich zumindest ein etwas zu sehen. Um sie herum scheint eine kleine Räumlichkeit zu sein, düster… unfassbar düster. Nur weil sie als Dunkeleisenzwergin die Dunkelheit gewöhnt war, konnte sie mit Konzentration die Ausmaße erfassen. Sie hat vielleicht drei Schritte Platz in jede Richtung… drei kleine Schritte in ihrem Gefängnis. Vorsichtig ein Schritt vor. Sie war von Wasser umfasst. Der dunkle Raum war nichts geringeres als eine Kammer, die voller Wasser umhüllt war. Wasser. Elendes, unendlich kaltes Wasser.

Nun kommt Panik in ihr auf, erfasst jede einzelne Faser ihres Körpers. Sie spürt, wie die Panik ihre Muskeln anspannen lässt und sie völlig beginnt einzunehmen… auch auf ihrer psychischen Ebene. Sie war komplett im Wasser gefangen, in einem düsteren Raum ohne sichtbaren Ausweg. Sie war allein. So völlig allein. Nach kurzer Zeit wandelte sich dieses Alleinsein auch direkt in pure Einsamkeit um. Wo sind alle? Haben sie sie vergessen? Sind sie alleine weiter gegangen? Warum ist sie überhaupt hier…? Hat sie versagt? War sie nicht würdig?

Panisch hebt und senkt sich ihr Brustkorb, sie atmet hektisch. Offenbar hat sie etwas Atemluft um sich herum, aber wie lange diese zum Greifen hier war, ist auch nicht klar. Wo sind alle…? Mjorna versucht verzweifelt nach ihrem Familiar zu greifen. Geradewegs Puderzucker irgendwie zu finden. Vielleicht kann sie ihr ja irgendwie helfen. Aber nichts. Die magischen Sinne auszustrecken half ihr nicht weiter. Sie ist einsam, niemand ist in ihrer Nähe. Und dann… fängt das Geflüster an. Ein Satz ertönt in ihrem Inneren, hallt unendlich nach. Dieser Satz war so laut. Die Stimme so tief und verzerrt. Es schmerzte. Mjorna öffnet ihren Mund, um etwas zu erwidern und spürt wie das kalte Wasser sich seinen Weg in ihren Mund bahnt. Geradezu ihre Kehle hinab rinnt und ihr jegliche Luft zum Atmen verwehrt…


und sie reißt ihre Augen panisch auf. Schweißgebadet von ihrem Alptraum, ihrer inneren Pein spürt Mjorna, wie ihr Körper weiterhin angespannt war. Rasch wandert ihr lodernder Blick im Inneren der Höhle umher. Alle waren da, greifbar nahe und noch ruhig am schlafen und erholen. Keiner hatte sie allein gelassen, es war… nur ein Traum. Oder die Erinnerung an ein vorangegangenes Ereignis.

Mjornas Brustkorb hebt und senkt sich immer wieder, während sie weiterhin wach bleibt. Keineswegs möchte sie ihre Augen wieder schließen. Keineswegs möchte sie zurück in den Raum. In die Pein. Sie atmet tief durch, als ob ihr auch außerhalb des Traums die Luft verwehrt werden könnte. Immer wieder füllt sie ihre Lungen mit der sonderbaren Luft des Sumpfes. Trotz aller Hürden war sie gerade unendlich froh hier zu sein, statt in dem düsteren Raum. Zwischen den Mitgliedern ihres Ordens wohlbehütet ruhen zu dürfen und nicht alleine zu sein. Nicht einsam zu sein, sondern zwischen denen, sie ihr etwas bedeuten.

Sie schluckt und greift zu ihrem Notizbuch, so wie sie es immer tut, wenn sie an etwas kontrolliert arbeiten möchte. Leise öffnet sie das Büchlein und setzt ihren Kohlestift auf einer frischen Seite an. Vorsichtig führt sie diesen einige Male über das Papier und macht eine Skizze aus dem Traum. Sie zeichnet einen düsteren Raum, in welchem sie zusammengekauert sitzt. Schließlich notiert sie sich einige Dinge und klappt das Notizbuch wieder zu.

Ihr glühender Blick wendet sich schließlich nach vorne, zum Ausgang der Höhle, welcher durch Rhumis Spinnen, Nisilla und Glenda, dementsprechend mithilfe einiger dicht gewobenen Spinnennetze gesichert wurde und am Ende mit Gestrüpp und Blättern verdeckt. Durch die kleine Lücke, die den Ausgang darstellt linst die Zwergin nach draußen, erfasst auch wieder wissentlich das Gesumme und Gebrumme der vielen Insekten des Sumpfes.

Durch diese kleine Lücke blickt die junge Dunkeleisen nachdenklich nach draußen und versucht zunehmend Ruhe zu finden, um auch niemanden aufzuwecken. Wer hätte gedacht, dass der Sumpf Mjorna auf diese Art und Weise zu knabbern geben wird? Sie hatte solche Erlebnisse auf alle Fälle nicht erwartet. Dennoch war sie dankbar darüber… denn wie ihre Lehrmeisterin Luzula Schwarzgrund sagte, war es eine neue Erfahrung, eine Erfahrung, an welcher sie wachsen wird. In welche Richtung genau, wird sie selbst entscheiden und in die Wege leiten müssen. Aber zumindest war jede neue Erfahrung ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Schritt erwachsener zu werden.

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Die empathische Verknüpfung zwischen Familiar und Meister war keine einseitige. Ein Geben und Nehmen. In manchen Situationen war sich der kleine Kauz aber nicht sicher, ob das wahrhaftig zutraf. Es hieß auch, dass geteiltes Leid halbes wäre. In diesem Momente vermochte es der Familiar nicht zu bestätigen. Die dottergelben Augen waren aufmerksam auf Luzula gerichtet, die bedächtig durch das Zimmer schritt. Nur zwei Kerzen beleuchteten flackernd den Raum. Kinderspielzeug säumte den Boden und wurde von der Dunkeleisenzwergin vorsichtig aufgesammelt und einzeln betrachtet. Sie sah abgekämpft aus. Schlamm aus dem Sumpf bröselte von den Stiefeln, der Wappenrock hatte seitlich am Rumpf noch gräßliche Brandflecken, der Geruch von Schweiß und Brandsalbe schwelgte wie eine Wolke um die Zauberin und zahlreiche Strähnen hatten sich aus dem Zopf verirrt. Dreck klebte an der bleichen Haut. Unzählige Mückenstiche spickten Wangen, Stirn und Hals.
Sie waren endlich zuhause. Groll plusterte das Gefieder auf und kniff die leuchtenden Augen zu schmalen Schlitzen. Dennoch war der Anflug von Erleichterung und Freude verflogen, der ihm von seiner Meisterin noch vor der Haustür fast überwältigt hatte. Jetzt, wo sie die Spielzeuge in den Händen betrachtete, nahmen Wehmut und Betroffenheit den Platz ein. Das Gefühl versagt zu haben. Groll hoppelte wenige Schritte auf dem Bücherregal mit, als die Zwergin langsam weiterging und eine Kerze aushauchte. Die andere Lichtquelle hob sie in ihrer Halterung vom Tisch auf.
Sorgen. Der Familiar spürte sie genau. Kleine, bohrende Sorgen, die sich durch ihre Brust stachen und den Herzschlag beschleunigten. Sie kamen Hand in Hand mit Vorwürfen, kalter Angst im Nacken und aufkommender Panik. Nur… warum? Der Kauz konnte es nicht ganz erfassen. Sie hatte doch Gaben mitgebracht. Geschenke, Zeichen der Aufmerksamkeit und Nähe… war es nicht genug? Nicht ausreichend? Wollten die Kinder mehr? Der Vogel zwirpte leise, aber seine Meisterin hörte nicht zu, starrte nun die Treppenstufen zum Obergeschoss an, als wären sie eine unüberwindbare Hürde, während ihr das Herz über den Kopf hinaus schlug und zermürbende Gefühle um Vorherrschaft rangen.
Groll wandte sich von ihr ab und glotzte nachdenklicher zum Rucksack, der achtlos neben der Tür abgestellt worden war. Komische Dinge befanden sich darin - allesamt aus Nazmir mitgebracht. Knochen hatte er darunter erkannt, aufgefädelt an Schnüren, seltsame Figuren von hässlichen Wesen, ein neues Messer… aber keine Nahrung! Der Kauz schlug aufgeregt mit den Flügeln, als ihn dieser Geistesblitz traf. Daran musste es liegen: Sie brachte ihren Küken kein Essen mit. Entschlossen breitete der Familiar die Flügel aus und glitt lautlos vom Regal. Mit leisen Flügelschlägen schwang er sich in die Höhe, gewann an Geschwindigkeit und flatterte in das obere Stockwerk. Unter ihm zogen kurz die schlafenden Dunkeleisenzwerge in den Betten hinweg, als er zielsicher das offene Fenster ansteuerte und nach draußen in das düstere Viertel entschwand.
Er musste drei Ratten erlegen… und das verdammt schnell!


Feuer und Flamme!

Wir sind wieder in Eisenschmiede und von der Reise zurückgekehrt. Dementsprechend ist die Kontaktaufnahme wieder problemlos machbar und unsere dunklen Gesellen auch spontan auf den Straßen der Stadt (meistens abends) anzutreffen.

Liebe Grüße
Luzula

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Ach Groll, du Herzensguter. <3

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Nichts sagt „Liebe“ so sehr, wie tote Nagetiere auf dem Kopfkissen. :wink:

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… „Lass‘ mich bitte raus. Bitte…“, Mjorna windet sich in dem dunklen Raum. Wie mittlerweile jede Nacht. Ein unfassbar dunkler Raum, in dem sie gerade so die Außenmaße festmachen kann. Alles war wie jede Nacht gänzlich mit Wasser gefüllt und wie jede Nacht wird sie aufgeben müssen und akzeptieren müssen, dass sie ohne Hilfe nicht heraus kommt. Wieder muss man akzeptieren versagt zu haben und dementsprechend wird es nicht lange dauern, bis der Trank ausläuft und das kalte Wasser sich seinen Weg in ihre Kehle sucht. Ihr jede Luft zum atmen nehmen wird. Schwerfällig bewegt sich die Dunkeleisen durch die Räumlichkeit, versucht mit Gestrampel und untalentierten „Schwimmbewegungen“ einen Weg durch ihre persönliche Pein zu finden. Immer wieder öffnet sie den Mund. Immer wieder versucht wie um Hilfe zu schreien. Immer wieder versucht sie mithilfe all ihrer magischen Kenntnisse etwas zu bewirken…und jedes Mal war dies vergebliche Müh‘. Eine angehende Pyromantin unter Wasser?

Doch anders als in der real erlebten Version dieser Pein…bleibt sie allein. Gefühlt ewig einsam und nur von der verhängnisvollen Stimme begleitet. Kein Yhro weit und breit, der ihr den Weg hinaus zeigt. Kein Ausweg aus der Dunkelheit. Kein Licht. Sie kommt nicht mal so weit und sieht Rhumi, ihre Lehrmeisterin, Meister Manazunder, Meisterin Filesafe und Yhro am Ufer wieder. Niemand war in Reichweite.

Wieder meldet sich das Geflüster, welches ihr den Atem nimmt und geradewegs amüsiert klingt. „Was wäre noch besser als ein Alptraum? Ein Alptraum, in dem weitere Alpträume vorkommen… nicht wahr, Mjorna?“ Ein amüsiertes Schnauben folgt von der verzerrten Stimme.

Mjorna erschaudert, diesmal nicht von der Eiseskälte geschuldet. Plötzlich umkreisen sie drei bekannte und eigentlich in der Vergangenheit auch besiegte Raptoren und mit einem Mal ist auch das Wasser verschwunden. Weiterhin ist sie in dem dunklen Raum eingesperrt, diesmal sieht sie jedoch noch bekannte Widersacher um sich herum. Es dauert nicht lange, ehe der Erste ansetzt und sie einen Zauber zur Abwehr wirken muss. Rasch beginnen Funken um ihre Fingerspitzen zu zischen, immer mehr, und immer mehr. Mit einer großen Portion an Wut, vermischt mit purer Verzweiflung webt sie den Zauber, immer mehr Funken gesellen sich zu den bereits beschworenen und füttern die geformte Kugel aus hungrig zischenden Flammen. Die Luft um sie herum beginnt sich aufgrund der beschworenen Funken und Flammen zu erhitzen und schließlich lässt die Dunkeleisenzwergin auch bereits das Feuer los. Doch… es gehorcht ihr nicht. Stattdessen spürt sie, wie immer mehr von den Flammen vereinnahmt wird, wie sie sich nun auch hungrig über ihre Hände hinwegsetzen, diese in Brand setzen und langsam aber sicher sich über ihre Unterarme weiter ausbreiten. Sie kannte den Schmerz. Ein schmerzerfüllter Schrei ist alles, was sie noch zustande kriegt, ehe hämisches Gelächter von den drei Widersachern ausgeht. Hämisches, verzerrtes Gelächter, vom Klang her wie die Stimme des Geflüsters.

Schweißgebadet reißt die Zwergin wie jede Nacht ihre Augen auf, richtet sich kerzengerade in ihrem Bett auf. Ihr Herz pochte so stark, dass sie Angst hat, dass ganz Eisenschmiede davon aufwachen könnte. Fest klammert sie sich schließlich an ihrer Decke fest und versucht ihren Atem zu kontrollieren…und plötzlich beginnen ihre Brandnarben zu schmerzen. Als würde der Traum etwas erweckt haben, was bereits relativ gut verheilt war.
Mjorna zieht die Brauen zusammen, keucht einmal und besieht ihre vernarbten und massiv vom Feuer gezeichneten Hände und Unterarme. Helle, dunkle und vernarbte Haut war das, was sie sieht. Unschöne dem hungrigen Feuer geschuldete Zeichnungen, die sie an das eigene Versagen erinnern… und dies für immer. Nun mischt sich nicht nur Schmerz inmitten der aufgewühlten Gefühlswelle hinzu, nein. Enttäuschung schwingt nun auch mit und erfasst jede kleinste Faser ihres Körpers. Es dauert nicht lange, ehe ihr Familiar vorsichtig auf sie zukommt, selbst überwältigt von dem Schmerz ihrer sogenannten „Meisterin“. Wie auch die Zwergin war der Familiar erschöpft von derartigen Gefühlen und wirkte auch so, als hätte er das alles selbst erlebt. Dankbar schiebt Mjorna ihre vernarbte Hand in Richtung der Motte und legt diese lediglich auf ihrem Körper vorsichtig ab…und verharrt.

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In den frühen Morgenstunden, als die meisten anderen noch schliefen, stand sie jetzt erneut an den Trainingsattrappen in der ehrwürdigen Stadt. In ihrer ausgesuchten Heimat, wie man den beiden Menschen Lancelyn und Cordelia recht schnell mitteilte, welche aktuell die Stadt unter dem Berg besuchten und Gäste der Hüterin waren. Für sie selbst war es kein Problem den Schwarzfels hinter sich zu lassen… ihre neue und richtige Familie war nämlich hier ansässig. Genau hier und nirgendwo sonst auf Azeroth. Es war der Orden, der sie damals aufnahm und ihr ein Zuhause anbot. Es war der Flammenhort, der ihr seit Jahren Unterstützung bietet und es war die Hüterin, die stets für sie da war und mehr als nur eine Lehrmeisterin und Mentorin war, nämlich eine wahre Vertrauensperson. Der Dampf vom Kohlebecken zog durch das Militärviertel, abgesehen von ihr selbst sah man hier und da nur diverse Wachmänner stehen, die ihre Schicht hatten. Es war relativ ruhig für die Stadt, man hörte etwas weniger den lauten Gesang der Schmieden im Herzen der Stadt und auch so wird es noch dauern, bis all das geschäftige Treiben wieder durch die hohen Hallen hallen würde. Erneut war der Schlaf etwas unerholsamer seit den Ereignissen im Sumpf. Die Träume haben sie eingeholt und geradezu ein weiteres Mal Besitz von ihr ergriffen. Dennoch wird sie sich nicht im Selbstmitleid suhlen. Das wäre schwach und Schwäche wird in einer solchen von kriegsdurchzogenen Welt schnell bestraft und führt zu weiteren Problemen. Stattdessen wird sie lieber an dem Problem arbeiten und sich diesem geradewegs entgegen stellen – unter Umständen ein weiteres Gespräch mit ihren Vertrauten suchen…aber erst musste der Frust raus.

Schließlich verharrt sie vor einer der armen Trainingsattrappen, welche noch nichts von ihrem Schicksal weiß. Tief atmet die junge Dunkeleisen ein, füllt ihre Lunge mit der Luft ihrer Heimat und reibt sich einmal über die Augen, dessen einzige Verzierung Augenringe waren. Selbstverständlich hatte sie gestern in der Lehrstunde massive Probleme den Verstummungszauber an der Hüterin anzuwenden. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie es hinbekommen kann… und dennoch hat sie sich geweigert. Bisher waren ihre Zauber von Wut genährt und dafür da schwerwiegenden Schaden anzurichten. Hungrig und chaotisch greifen Flammen um sich, und…werden auch unkontrollierbar.

Mjorna zieht ihre Handschuhe aus, es war ohnehin kaum jemand so früh am Morgen hier anwesend. Ihre Hände und Unterarme sind gänzlich von unschönen, je nach Stelle auch recht dicken, Brandnarben geprägt. Diese Brandnarben umfassen fast die gesamte Haut und verändern diese auch farblich, wodurch es mal dunkler zu sein scheint, hier und da auch noch blasser als ihr üblicher Hautton. Nur wenige Stellen, gerade zum ‚Ende‘ der Narben/des Unterarms scheinen weniger gezeichnet zu sein. Ein tonloser Seufzer kommt hervor, ehe sie sich rasch in einen bequemen Stand begibt. Eine sichere Kampfhaltung. Die Übung hat sie gerade notwendig nach den gestrigen und holprigen Anläufen mit dem neuem Zauber. Sie hatte Angst ihr wehzutun. So wie sie sich damals selbst unkontrolliert selbst massiv verletzte und nun die Zeichnung davon am Körper trägt, die jeden Morgen daran erinnert. Trotz allem fürchtet sie das Feuer nicht. Es war ihr eine Lehre aus der sie Kraft für die Zukunft zog, und das Gefühl des Scheiterns dabei nicht vergessen wollte. Emotionen mussten mit Bedacht genutzt werden.

Ein weiteres Mal hebt und senkt sich ihr Brustkorb für einen tiefen Atemzug, ehe sie schließlich schlicht ihre Rechte zum Messer führt, welches sie bei sich trug. Das Messer, welches Rhumi ihr schenkte und welches eine Motte am Griff eingraviert hatte. Ein Schnitt in die Handfläche folgt. Klein… und so, dass es blutete. Ohne zu zucken zieht die Zwergin das Messer langsam davon und verfrachtet es erneut, ehe sie auch bereits zum Reagenzienbeutel griff und etwas Schwefel geradewegs in die Handflächen träufelt.

Kurz verschließt die Dunkeleisen die Augen und öffnet diese, nur um wutentbrannt ihren Gegner anzustarren. Eine nichts-ahnende Kampfattrappe. Rasch umschließt sie mit ihren Fingern die Reagenzien, wobei sie die Hand zur Faust ballt…langsam wandern ihre Hände empor, wobei alle Finger der anderen Hand voneinander leicht gespreizt waren. Sie wurde problemlos zu einem Gefäß der Flammen. Um die grauen und vom Feuer vernarbten Hände bilden sich unzählige Funken, welche zischten und umherhüpften.

Immer länger und länger hielt die Beschwörung des Feuers an und immer anstrengender wurde diese mit der Dauer. Selbst der feurige Blick wirkte immer brennender und intensiver. In ihrem Kopf wanderte all der Frust in den Zauber. Alles, was man nicht ausgesprochen hatte und was aus dem Kopf wandern sollte. Immer länger formten sich die Flammen um die Hände, ehe sie mit einem Mal die Hände in die Luft reißt. Wütend grollt Mjorna die Formel auf Zwergisch und es brauchte auch nicht lange, um zu sehen was der Zauber überhaupt war. Um die Attrappe herum mit dieser als Zentrum bildet sich eine massive Säule aus hungrigen Flammen. Die Lodernde Säule. Diese hatte knapp sechs Fuß Durchmesser und traf von oben herab wie eine Säule aus Stein auf die simple Attrappe ein. Völlig knackend und verheerend brannte alles, hungrig zerfraßen die Flammen ihr Opfer. Müde lässt die angehende Zauberin ihre Hände sinken und verharrt an Ort und Stelle, während sie ihr Wirken beobachtete. Immer wieder knackte das Holz, ehe es wieder verstummte, da die Flammen es regelrecht hungrig auffraßen. Die Wut war mit dem Zauber zusammen entsendet worden, wodurch lediglich Erschöpfung auf ihre blassgrauen Züge huscht. Sie wirkte wieder ganz normal, so, als hätte Wut niemals auf ihren Gesichtszügen Platz gefunden. Während sie die verheerenden Flammen beobachtet, hebt sich schwach ein Mundwinkel höher… und so verharrt sie weiterhin und beobachtet.

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„Es ist ungewöhnlich, dass du so nah an Eisenschmiede bist.“ Luzulas Blick richtete sich in die Ferne. Weit in der Dunkelheit der Nacht waren noch soeben die flackernden Kohlebecken und Lichter des Stadttores wahrzunehmen. Eisenschmiede - eine schier uneinnehmbare Festung und diese Tore hatten noch jedem Angreifer hartnäckig widerstanden. Auf diese Distanz wirkte es aber beinahe klein und unbedeutend. Mit einem Frösteln zog die magere Dunkeleisenzwergin den dicht gestrickten Wollschal fester um den zierlichen Hals und schlang ihre Arme um den Brustkorb, als eine kalte Böe über den verschneiten Hügel fegte. Eiskristalle prasselten leise gegen die gesteppte Robe und kniffen in die eingefallenen Wangen. Sie schreckte erst aus ihren Gedanken auf, als ein schwerer Fellumhang über ihre Schultern gelegt wurde und eine brummige Stimme zur Antwort ansetzte:
„Ich werde aber nicht denselben Fehler wie der Zaubererthan machen und durch diese Tore marschieren wollen.“ Luzula schnaubte milde amüsiert aus und warf ihrem Gesprächspartner einen flüchtigen Blick über die Schulter zu. Eis hatte sich im pechschwarzen Bart des Dunkeleisenzwerges gesammelt, Felle waren um Unterarme und -beine gewickelt worden und die feste, dunkle Lederrüstung knarzte leise, als er neben der Zauberin die Hocke ging. Selbst ohne den weißen Fellumhang machte er nicht den Eindruck, dass er fror. Geschäftiger durchwühlten seine Hände eine Beuteltasche.
„Aber dich würde niemand davon abhalten wollen, Thelgrom.“, erwiderte Luzula mit einem seichten Schmunzeln. Der Dunkle hielt einen Moment inne, bevor er scheinbar unbeirrt eine schmutzige Erdwurzel aus dem Beutel holte und im fahlen Mondschein aufmerksam betrachtete. Dann ließ er sie bereits zurück in den Sack fallen und kramte die nächste Knolle hervor, um ihr auch eine interessierte Musterung anzugedeihen. Die Zauberin beobachtete sein Tun ein paar schweigsame Sekunden, bis sich ihr Blick wieder mit einem leisen Seufzen zu den Toren Eisenschmiedes richtete. Es vergingen einige Herzschläge, bis die bassige Stimme sich wider Erwarten erneut zu Wort meldete: „Es ist mir ein Rätsel, wieso ausgerechnt du noch soviel Naivität und Hoffnung in das setzen kannst.“
„Was bleibt mir denn anders übrig?“, gab Luzula knapp zurück ohne den Blick zu Thelgrom zu senken. Jener Zwerg blieb zwar noch in der Hocke, gab aber fast knurrend anmutende Geräusche von sich, während eine Hand mit der Erdwurzel in den Fingern wirr durch die Luft schwenkte. Womöglich auf Wortsuche, bis er mit einem Schnauben nachgab: „Ihnen den Rücken zukehren.“
„Wem?“
Der Dunkle beantwortete ihre Frage nicht, wuchtete sich aber ächzend zurück auf die Beine und stieß mit einem Fuß sachte gegen den Beutel. Erst nach einem Moment schien er zu realisieren, dass diese Geste nicht hinreichend war und setzte gedämpft nach, „Sind gute Wurzeln.“ Luzulas forschenden Blick wich er komplett aus, bis sie behutsam gegen seine Schulter drückte und ihren eigenen Kopf vorneigte, um unter die zuvor abgewandte Kapuze des Zwergen zu werfen. Zurück starrte nur ein loderndes Auge. Das andere blieb von einem Stofffetzen mehr schlecht als recht verborgen. Wulstige Brandnarben erstreckten sich über die graue Haut und reichten bis in seine Sorgesfalten auf die Stirn.
„Du weißt, dass es nicht gut ausgehen wird. Ist nur eine Frage der Zeit. Sie werden wieder Fehler machen. Das liegt uns im Blut. Und den anderen auch.“ Sein Murmeln war nur mit Mühe zu verstehen, aber sein dumpfes Nicken in Richtung Eisenschmiedes war umso deutlicher. Langsam neigte auch Luzula ihren Blick wieder zur entfernten Stadt. Wolken schoben sich vor den Mond und ließen Schattenspiele über die Berge tanzen.
„Ja, tue ich, Thelgrom.“ Die Zauberin atmete tief durch. Die eisige Wolke wurde vor ihrem Gesicht rasch vom Wind fortgetragen. „Aber niemand hat diese Stadt je erstürmen können bisher. Keine Dunkeleisenzwerge, keine Horde, keine Legion. Sie hat dem Kataklysmus getrotzt. Wenn die Kinder an einem Ort sicher sind, dann im Moment dort.“
„Bis es wieder Bürgerkrieg gibt.“, setzte er ohne Zögern nach. Der Stich in Luzulas Brust ließ sie daraufhin für eine Weile verstummen, bis sich ihr Haupt zu einem zögerlichen Nicken durchrang. „Ja. Aber bis dahin gibt es vieles vorzubreiten. Und ist es nicht unsere Pflicht als Vater und Mutter alles in unserer Macht stehende zu tun, dass es unseren Kindern möglichst lange an nichts mangelt?“
Die Blicke beider Zwerge trafen sich wieder. Betroffen und still, bis Thelgrom mit einem Seufzen den Beutel aus dem Schnee aufklaubte und sich über die Schulter warf.
„Ich mach’ mich auf den Weg. Wird kalt.“
„Oh, dein Umhang…“ Luzula machte Anstalten ihn von den Schultern zu schieben, aber der andere Dunkeleisenzwerg winkte ab und stapfte bereits ein paar Schritte über den knarzenden Schnee weiter. „Nächstes Mal.“
„Gib auf dich Acht, aye?“
Der Einäugige brummte lediglich, nickte kurz und drehte sich ab. Im schweren Gang stapfte er den Hügel herunter, während ihre flammenden Augen noch auf den Rücken gerichtet blieben. Abrupt hielt der Zwerg aber auf halbem Weg zur ersten Baumgruppe inne und schien einen quälend langen Moment mit sich zu ringen, bis er zurückrief: „Ah, äh… danke für die Wurzeln. Sind gute!“
Nun musste Luzula doch unwillkürlich glucksen, ehe sich nach einem Kopfschütteln auch kurz die Hände an den Mund zum Trichter legten: „Das sagtest du bereits!“
Ob er dieses Mal wieder brummte, vermochte die Dunkle zwar nicht mehr zu hören, aber mit dem Schmunzeln im Gesicht beobachtete sie, wie er die Kapuze tiefer über den Kopf zerrte und einen kleinen Schneehaufen aus seinem weiteren Weg umtrat.

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Hoch oben sitzt sie, als die Türe des Ordenshauses sich endlich langsam öffnet. Doch Freude spürt sie nicht, da sie bereits aus der Entfernung genauestens die Gefühlswelt ihrer sogenannten „Meisterin“ erspüren konnte. Leichte Schmerzen waren zu spüren, Scham und Unwohlsein. Warum? Der schneeweiße Familiar wackelt mit seinen beiden Antennen und richtet die Facettenaugen erneut auf sie blasse Zwergin aus. Körperlich wirkt sie erschöpft, blaue Flecken sind am Leib. Muskelkater ebenso. Am stärksten schmerzt der Rücken. Die übermüdete Zwergin schleppt sich angestrengt voran, achtet hierbei nicht auf die Umgebung, wobei sie sich glatt ein weiteres Mal unbeholfen an einer Ecke des Steinhauses anstößt, gerade als sie die Kapuze vom Haupt streifen wollte. Puderzucker streckt ihre Flügel aus und die sechs Beine bewegen sich etwas voran, um sie weiter zu beobachten. Geradewegs niederzustarren. Warum reagiert sie nicht auf ihren Familiar! Auf Puderzucker - das prachtvollste, was Mjorna doch besaß! Pah. Der schneeweißen Motte reicht es nun endgültig. Ein erbostes Zirpen ertönt vom obersten Geländer, ebenfalls richtet sie ihre Flügel weit in die Höh‘ und blickt wieder aufmerksamer zu ihr. Mjorna hatte nicht einmal ein Geschenk dabei, wie nach der letzten Reise! Keine exotischen Blumen! Nichts! Nur sich selbst und das nicht einmal ganz gesund, das geht doch nicht. Eine Zumutung.

Der feurige Blick huscht schnell zum magischen Wesen, immerhin spürte Mjorna ohnehin wo im Raum sich dieses aufhielt. „Freu mich dich zu sehen, Puderchen.“, kommt uneuphorisch von ihr. Sie meint es nicht ganz so! … Glaubt zumindest die Motte zu spüren. Puderzucker wusste, dass man irgendwann richtigere Konversationen zwischen Familiar und Meister haben könnte, statt wie bisher lediglich die gegenseitigen Gefühle zu spüren. Leider war das Band hierfür aber noch zu jung. Zu schwach und dementsprechend war diese Welt den beiden noch leider verschlossen. Das hatte man über die Lehrmeisterin von Mjorna samt ihren Kauzfamiliar erfahren. Aber… Puderzucker wäre nicht Puderzucker, wenn sie nicht den ein oder anderen Trick auf Lager hätte.

Puderzucker streckt sich ein weiteres Mal aus, richtet sogar hierfür ihr Gewicht auf die hinteren Beine, sodass sie mit den vorderen Beinen einige Male in der Luft „winken“ könnte. Wobei es eher ein aufgeregtes Fuchteln, gepaart mit unzufriedenem Zirpen war. Mjorna sollte sie beachten und ihr klarmachen, warum sie aktuell war… wie sie war. Das würde sie bei dieser Geste gewiss verstehen. Ganz sicher. Immerhin fuchtelt der schneeweiße Familiar mit dem magisch gezeichneten Flügeln diese einige Male ohne abzuheben, und die fluffigen Beine wackeln ebenfalls voller… Eleganz!..Und… Pracht!

Mjorna starrt nun stutzig zu Puderzucker: „Was ist denn mit -Dir- los?“, fragt sie mit erhobenen Brauen und schüttelt sogar den Kopf leicht, ehe sie schlicht den Weg hinab in Angriff nimmt und dementsprechend das Innere des Ordenshauses aufsucht. Das Licht der vielen Öllampen war recht düster und die vielen Feuerblütentöpfe und deren unmittelbare Umgebung waren voller Blütenstaub, geschuldet von den beiden Motten.

Puderzucker hält inne. Stutzig. Hat Mjorna es gerade gewagt sie zu ignorieren und weiter zu gehen? Nun reicht es! Es reicht endgültig! Puderzucker erhebt sich mit lautlosen Flügelschlägen in die Lüfte, steuert hierbei geradewegs ihre Meisterin an. Wütend zirpt sie dabei, als hätte man sie in ihrem Kern verletzt. In ihrem ganzem „Sein“. Rasch landet der Familiar auf dem verwuschelten schneeweißem Haar der Dunkeleisenzwergin und begann wieder ihr lautes Beschweren. Zur Krönung fuchtelt sie mithilfe ihrer sechs Beine abwechselnd am Körper, sodass sich der Mottenstaub löst und Mjorna geradewegs umhüllt. Wie eine staubige Blase.

Mjorna beginnt heftig zu niesen und fuchtelt wild mit den beiden Händen umher, in der Hoffnung, dass das „Puder“ der Madam Puderzucker damit endlich verfliegt. Wütend stiert sie schließlich nach oben zur Motte: „Hör auf damit!“.

Ein weiteres Mal wirkt Puderzucker stutzig und versucht nun mit aller Kraft irgendwie weiterzuquasseln. In der Hoffnung, dass man sie verstehen würde. Mjorna blinzelt einige Male, aber offenbar versteht sie in diesem Moment Ihren eigenen Familiar weiterhin nicht ganz. Ein fragender Blick auf den blassen Zügen. Das emphatische Band war noch zu frisch. Viel zu frisch… erst seit wenigen Monaten hat sie die Welt von Familiar zu Meister für die beiden geöffnet und seither braucht es viel Arbeit, um diese gänzlich zu verstehen und damit auch klarzukommen. Die Hüterin sagte bereits, dass es mit der Zeit besser wird, aber dies benötigt konstante Arbeit. Mjorna seufzt schwer und schleicht auf leisen Sohlen geradewegs weiter zur Waschkammer. Weiterhin mit zauberhaftem Hut. Dem Mottenhut. Langsam hört auch Puderzucker mit ihren wildem Zirpen auf und flattert schließlich zur Seite und lässt die Dunkle schlicht und ergreifend einfach ankommen. In ihrem Zuhause. Weiterhin steht aber die Frage im Raum, weshalb sie so viele blaue Flecken besitzt, fertig mit der Welt ist und sich sogar schämt… sobald sie Mjorna eine kurze Pause gegönnt hat, wird sie auch das herausfinden! Ganz gewiss!

…Genau wie sie herausfinden wird, warum keine neuen Blumen mitgebracht wurden! Zufrieden mit ihrem -perfektem- Plan wirbelt die schneeweiße Motte, die ursprünglich von den Azurmythosinseln stammt, einige Male mit den Fühlern umher und beobachtet aufmerksam „ihre“ Mjorna, welche bestimmt nur einmal kurz durchschnaufen und sich frisch machen muss, ehe sie endlich ihrem Familiar alles erzählen würde… und… dies hoffentlich auch verständlich für beide.

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Mittlerweile sind einige Tage seit des letzten Unterrichts in der Hervorrufung des Feuers vergangen und seither kann sie nicht anders, als ihre Gedanken stetig zu den Worten ihrer Lehrmeisterin zurückzuführen. Stolz ist mitunter auch ein starkes Gefühl, andauernde Wut zu fühlen, um Emotion in Zauber zu weben, kann tatsächlich auf den Geist schlagen. Es ist tiefste Nacht, alle waren in ihren Häusern oder Zimmern, während Mjorna im Hauptraum des Ordenshaus sitzt und ihre beiden Motten beim Flug durch die gedämpften Lichtverhältnisse beobachtet. Mit einer gewissen Leichtigkeit fliegt der Neuling, die Motte mit dem rotem Körper und weisroten Flügeln, durch den Raum, nur um schließlich auf einem Feuerblütentopf inne zu halten und an diesem zu sitzen. Vor nicht all zu langer Zeit verhielt sich ihr heutiger Familiar nicht sonderlich anders. Genau so simpel sahen die Bewegungsmuster aus, genau so simpel waren die Verhaltensweisen.

Heute aber beobachtet die schneeweiße Motte alles mit einer gewissen Ruhe und Neugier, verhält sich wesentlich weniger instinktiv wie ein gänzlich „normales Tier“. So auch jetzt. Während Mjorna auf einem der Holzstühle bequem sitzt und den Kopf in den Nacken liegen hat, um alles zu beobachten, sitzt die schneeweiße Motte unweit von ihr auf dem Geländer und wendet den Kopf nicht viel umher. Ihr weitreichender Blick der Facettenaugen braucht kein dauerndes Herumfuchteln mit dem Kopf… und somit entgeht dem Wesen wenig. Kurzerhand blickt die junge und blasse Dunkeleisenzwergin länger auf ‚Puderchen‘ und hebt sacht die Mundwinkel empor.

Mittlerweile versteht sie ihren Familiar stetig besser und besser, dementsprechend erfasst man kleinste Gefühlsregungen schneller… vor allem, wenn Familiar und ,Meisterin, nahe aneinander sind.

Lange entgegnet sie den Blick, lange scheinen beide grüblerisch zu wirken und nonverbal irgendwie zu kommunizieren… ehe die Dunkeleisen sich erhebt und die helle weißgraue Robe glatt streicht und sich die Kapuze über das Haupt streift. Rasch erhebt sie sich und ohne ein Kommando zu benötigen, fliegt auch die Motte auf die Schulter der Zwergin.

Mjorna atmet tief durch und geht die Treppe hinauf, nur um in dem düsteren Viertel zu stehen und das gedämpfte Licht zu genießen, das hier in Eisenschmiede war. Langsam und entspannt bewegt sie sich durch die Stadt unter dem Berg, während ihre Gedanken weiterhin recht unruhig sind.

Sie soll stolz sein, auf einiges. Stolz sein, dass sie schon so weit in der Pyromantie gekommen ist… sie muss stolz sein, dass sie auf ihrem Weg geblieben ist und stolz sein, dass sie bisher auch in realen Gefechten ihr Wissen anwenden konnte und dadurch überleben.

…und dennoch ist es so viel leichter auf negative Emotionen in der Zauberei zurückzugreifen. Es ist so viel leichter sein Herz wieder mit Trauer zu durchtränken, es ist viel leichter seine Gedanken mit Wut zu durchfluten und Hass gegenüber anderen zu spüren, die einem die Kindheit geraubt haben. Sie brauchte nicht lange bei ihrer ersten Beschwörung des Leys, um wütend zu werden. Der ganze damalige Grund Pyromantin zu werden hing an negativen Emotionen.

Trotz allem hatte ihre Lehrmeisterin Recht - wie gefühlt immer. Es kann für jemanden nicht gut sein, wenn man seiner Seele keine Ruhe genehmigt. Umso wichtiger war es nun, dass Mjorna wieder die neue Hürde in ihrer Ausbildung annimmt und nicht weiterhin auf alte Muster vertraut, nur weil sie gewohnt waren. Es war an der Zeit für erneute Veränderung… und mittlerweile sieht sie sich wieder in dem Militärviertel von Eisenschmiede. Einer der Orte, an denen sie sich so viel aufhält. Nicht nur zum üben, auch zum meditieren am Kohlebecken des Viertels. Unzählige Stunden wurden hier verbracht und unzählige Stunden werden noch folgen. Kurz blickt sie auf die Seite, wo der Familiar mit stolz erhobenen Flügeln sitzt und auffordernd zirpt.

„Ja, ja… ich versuche es.“, murmelt sie leise und linst aus den Augenwinkeln zu den Wachzwergen der Stadt. Mittlerweile kannte man hier die grauen Zwerge, die stetig an den Attrappen ihre sonderbaren Zauber üben. Somit war es nicht verwunderlich, dass der Soldat misstrauisch die in weiß gehüllte Zwergin mit der blassen Haut, weißroten Haaren, feurigen Augen und Motte auf der Schulter musterte und schlicht einige Schritte Abstand nahm. Mjorna zaubert ihr üblich freundliches Lächeln auf die Züge und neigt höflichst ihr Haupt, wobei sie nicht umhin kommt doch einen Mundwinkel schiefer empor zu heben. Er wird im Laufe der nächsten Übung ohnehin seinen Abstand noch erweitern, wie jedes Mal.

Mjorna atmet tief durch und im nächsten Augenblick weicht ihre freundliche Miene gänzlich, stattdessen blickt sie aber konzentriert auf eine der Holzattrappen. Sie schüttelt ihre Arme aus und hier und da zieht sie wütend die Brauen nach unten, räuspert sich aber und zuckt diese wieder hinauf. Die schneeweiße Motte zirpt ein Mal auf und fuchtelt mit den Beinen umher, was wie ein „auf die Schulter klopfen“ ulkigerweise aussehen könnte.

Mjorna atmet ein weiteres Mal tief durch und geht in ihre übliche Haltung für das Zaubern. Rasch schiebt sie ein Bein zurück und geht leicht in die Knie, um sicherer zu stehen. Sie betrachtet die Attrappe ausnahmsweise nicht so, als wünsche sie dieser ewige Verdammnis, sondern lediglich konzentriert. Schließlich hebt sie leicht ihre Hände, um in den Reagenzienbeutel zu greifen und sich zwei Reagenzien in beide Hände zu legen.

Sowohl Eisen- und Schwefelbröckchen werden fest umfasst, ehe sie die Finger anspannt und abspreizt, bis die Reagenzien unter leyblauem Schimmer im Nichts entschwinden und aufgelöst werden. Rasch leitet sie den arkanen Fluss in die Höhe empor und führt noch unsichtbar aber vor dem inneren Auge das Feuer auf diesen Pfad entlang über Füße hinweg durch den ganzen Körper bis an die Fingerkuppen. Sobald die Reagenzien gänzlich von dem Arkanen verschlungen wurden, beginnt ein ruhiger und beschwörender Singsang, die grollenden Worte klingen wesentlich netter als bei den anderen Zaubern, auch hält Mjorna weiterhin ihre Miene unter Kontrolle und wirkt nicht wie ein blasses Monstrum. Langsam wird das Kribbeln an den Fingern immer heftiger… und immer intensiver wird sie kontrolliert und bedacht das Gefäß für Magie und Feuer. Weit oben in der Luft beginnt es verhängnisvoll zu Züngeln… leise, aber stetig nimmt das Geräusch zu.

Genau so, wie man außen sieht, dass etwas gleich geschieht, so leitet Mjorna auch ihre Gedanken. Ihr größter Feind und dennoch mächtigste Waffe. Vor Augen führt sie die unzähligen Lehrstunden, das gute Gefühl und die Genugtuung, wenn Zauber wirken und tun was sie sollen, das Gefühl nie aufgegeben zu haben trotz diverser Hürden. Ebenfalls durchlebt sie auch das Gefühl für das Erlernte gelobt zu werden von ihrer Mentorin und ihrem Vorbild. Nach und nach wird das Gefühl im Inneren stolz sein zu können immer stärker, was auch nach außen getragen wird und in den Zauber gewoben wird… man hört das Züngeln immer lauter. Es faucht plötzlich auf, ehe es wieder grollt über den Attrappen hinweg.

Es beginnen Funken zu sprühen und lose hinab zu regnen… und nach der langwierigen Beschwörung senkt sie ihre Finger hinab, während die beschwörenden Hände oben verbleiben. Urplötzlich wirken ihre Hände wie Krallen, die eine Geste anmuten… und das kleine Inferno beginnt.

Knallend und klingelnd peitschen einige Dinge aus der Höhe hinab. Unzählige lodernde und brennende Eisensplitter prasseln auf den Grund und beginnen Kerben in das Holz zu schlagen. Unnachgiebig hält Mjorna mit Konzentration und ihrer mittlerweile durchaus langjährigen Erfahrung als Zauberlehrling die Kanalisation weiterhin an. Immer wieder regnet es Flammen mit „Inhalt“ und dies aus einigen Schritten Höhe. Das Feuer zischt und setzt das Stroh der Attrappen in Brand, während die Eisensplitter womit Wucht weiterhin das Holz bearbeiten, sofern sie nicht zu den Splittern gehören, die lediglich außen herum nur auf den Steinboden treffen.

Der Feuerregen tut das, was er soll, auch, wenn Mjornas Zauber noch wesentlich kleiner ist als der ihrer Mentorin. Ihre Eisensplitter sind noch kleiner, das Feuer um diese herum ist noch weniger lodernd. Trotz allem versucht sie mittlerweile mit Schweißperlen auf der Stirn die Kanalisation anzuhalten und aufrecht zu erhalten… zumindest für wenige Sekunden.

Immer wieder knallt es auf den Boden hinab, immer wieder werden die Attrappen getroffen und sind zum Glück nicht lebendig, wenn man die tiefen Kerben besieht.

Schließlich vergeht der Zauber als Mjorna den arkanen Fluss beendet und ihre Hände hinab senkt. Als wäre nie etwas gewesen, verstummt alles augenblicklich. Es knallt nicht mehr, alles ist ruhig, wenn man vom Knarzen des Holzes absieht, welches knackend vom Feuer verschlungen wird.

Erschöpft senkt sie die Arme, richtet sich aber wieder ordentlich auf und strafft den Rücken wieder, ehe sie schlicht und ordentlich wie eh und je die Arme hinter dem Rücken verschränkt und die Zerstörung mit gewissem Stolz betrachtet. Es geht voran, auch wenn es viel Kraft und Änderung braucht… und selbst das Zaubern hier und da neu definiert werden muss. Ihr „mottenhafter“ Familiar verharrt ebenfalls ruhig auf der Schulter und beobachtet das Brennen, ohne… zum Licht zu fliegen.

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Es ist tief in der Nacht, langsam wippen die Blätter der Baumkronen zur leichten Windbrise, die über Dun Wyvernsturz im Sumpfland zieht.

Es ist ruhig… zu ruhig, könnte man meinen. Noch ist der wilde Knappenzoo nicht losgerannt, noch dürfen die Zeltplatzbewohner sich lediglich über eine sternenklare Nacht freuen… wären da nicht plötzlich neue Gerüche, die den Sumpfgestank für einige Augenblicke fast in der unmittelbaren Umgebung überdecken könnten und von einem bunten, (immer noch!) von Leuchtkreide bemalten, Zelt stammen. Gebäck. Frisches Gebäck muss hier entstehen. Anders kann man die wohltuenden Gerüche gar nicht beschreiben und was soll es denn ansonsten sein?
Frisch wird irgendetwas hier gebacken, so viel steht fest.

Mjorna wirbelt in ihrem kleinem und uralten Zelt, welches sie im letzten Jahr wahrlich täglich von innen gesehen hat, einige Male umher. Mittlerweile war darin kaum Platz für andere Gegenstände. Viele Taschen wurden gestapelt, der Schlafsack wurde lose zur Seite geschoben und gedrückt, damit ein kleiner und klappernder Ofen auf vier Beinen Platz hatte. Der von Meister Manazunder gebaute und Meister Steinschloss verzauberte Ofen. Mjorna brauchte nicht viel Platz für ihre Kuchenzauber, das war bereits in Eisenschmiede bekannt, hier sollte das nicht anders sein. Mittlerweile platziert sie auf eine der vielen Taschen bereits fertige Exemplare. Simple und einfache Quarkbällchen, die mit normalem Zucker und Puderzucker (nicht von der Motte) bedeckt wurden. Zufrieden nickt die Dunkeleisen, ehe sie sich einer anderen Schüssel widmet und bemüht leise weiter „zaubert“, indem Zutaten vermengt werden, langsam gearbeitet wird.

Anders als früher, brauchte sie jedoch mittlerweile durchaus einen Hauch länger für ihre Backkunst. Langsamer bewegt sie die vom Feuer gezeichneten Hände, langsamer war der gesamte Prozess. Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen.

Recht unzufrieden besieht sie die Hände, die hier im kleinem Zelt ohne Handschuhe sein durften und ein Seufzer ist alles, was sie für diesen Anblick im Augenblick übrig hat. Sie hat Schulden an Gut Löwenbrück zu ‚bezahlen‘, die Isabella in einem gerechten „Stöckchenkampf“ für ihr Gut gewonnen hatte. Dementsprechend…werden die Nachbarn simple und leicht herstellbares Gebäck zum Morgen hin erhalten. Nougathörnchen (auch hier wieder nicht das Tier, sondern das Gebäck!) und dünne Kekse, in Form von Schneeflocken.

Ihr eigener Orden, den sie, trotz der Vorbehalte und Skepsis von Frau Bleakstone, immer gerne mit Gebäck und Kuchen versorgte, sollte jedoch auch nicht leer ausgehen. So kümmerte sich die Dunkle darum, dass auch der Flammenhort zu den frühen Morgenstunden hin sich über Lavabröckchen und ebenfalls einige der Nougathörnchen erfreuen durfte… wer einem jahrelang ein Zuhause und eine kleine Familie gab, dem konnte man hier und da durchaus eine Freude machen… und wenn es auch ‚nur‘ in Form von Gebäck ist.

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