[A-RP] Adler von Arathor / die Mark Hohenwacht

Haha, der olle Goldenboi hat es auf´s Titelbild geschafft!
Da fliegen feucht fröhlich die arathischen Damenhöschen, kek.

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Als die Sonne sich über den Dächern des Weilers erhebt, hört man bereits Hämmern am Anschlagbrett und laute Rufe.

Was bereits in der Nacht schon durch Erzählungen und Gerüchte in der Taverne und den Gassen des Weilers seinen Weg in die Köpfe und Herzen der Menschen fand, wird an diesem frühen Morgen zur harten Wahrheit.

Das Schreiben wird in jedes Dorf, jeden Hof und überall in der Markgrafschaft Hohenwacht verteilt.

Es wird wie folgt verkündet:

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Wenn das Forum partout nicht so will wie ich!

Egal!

Die Adler sind in Stromgarde, schaut vorbei!

#unkreativerpush

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Es war absolut nicht einfach gewesen, zurück in die Mark zu kommen. Überall waren Hordepatrouillen zu fürchten gewesen, und ganze zwei mal wäre sie fast von ihnen erwischt worden. Auch der Hauptpass zurück in die Mark war keine echte Möglichkeit zum Rückweg, und deshalb war sie Schleichpfade durch das Gebirge angewiesen gewesen. Des Nächtens fast erfroren, hatte ihr Streitross, “Prinzessin von Strom” nicht so viel Glück. Des Morgens lag es stocksteif da - und ohne Zweifel tot. Ein Ruck war durch die Lady von Hohenwacht gegangen - viele gemeinsame Kämpfe hatten die beiden durchlebt, und nun war sie fort - und die andere Hälfte des ungleichen Paares noch da. Viel Zeit war nicht gewesen, doch sie hatte sich vom treuen Schlachtross verabschiedet, ehe sie es - und gute Teile ihrer Rationen, die sie Bauern in der Umgebung von Stromgarde abgehandelt hatte - auf dem eiskalten Vorsprung zurückließ.
Endlich, nach einer weiteren Tagesreise durch die Dunkelheit des markgräflichen Forstes war sie in ihrer eigenen Baronie angekommen, der Baronie Schwertbach.
So überrascht das wenige Personal der Schwerthall über die rasche Rückkehr ihrer Herrin war - zumal in solch einem Zustand - so sehr hatten sich ihre beiden ältesten Kinder Aethelwulf und Aldeera gefreut.
Sie selbst hatte sich nur einen Tag Rast gegönnt, oder besser, nur eine Nacht. Sie würden sicher bald nach ihr suchen, und einer der ersten Orte, an dem man das tun würde, würde Schwertbach sein.
So weckte sie in aller Frühe ihre beiden Kinder, kleidete sie sorgsam ein, machte ihnen Rucksäcke fertig und musste doch an die beiden jüngeren Zwillinge denken, die auf Hohenwacht geblieben waren und bleiben würden.
Sie selbst zog Schuppenpanzer unter einer weiteren Lage Pelz an, dazu einen Pelzumhang mit schwerer Kapuze. Sie rüstete sich dazu mit Stoßspeer und Rundschild, und nahm selbst noch einen Rucksack mit, der mit Proviant bestückt wurde.

Als die Wintersonne noch kaum aufgegangen war, machten die drei - Mutter, Sohn und Tochter - sich auf den Weg durch die spätwinterliche Mark. Die Kinder wurden rasch maulig, aber immer wieder schaffte sie es, die beiden zu motivieren. Allerdings mussten sie oft Pausen einlegen, und ein jedes mal wollten die Kinder zu essen und zu trinken.
Es ging langsamer voran, als es ihr lieb gewesen wäre. Und während der Pausen blickte sie sich oft aufmerksam um, horchte in die Geräusche von Wald und Land - Waren das nicht Hufen? Das Wiehern eines Pferdes? Die Stimmen von Wildhütern oder Soldaten, die man ausgesandt hatte?
Von allem aber am bedrohlichsten war der Blick auf die noch fernen Gipfel im Osten - von denen der kalte Wind den Schnee in Schleiern heruntertrug. Dort oben, tief in den Bergen, lebten die Bergmenschen, die Clansleute, die sich eine ursprüngliche Lebensform bewahrt hatten.

Und dort war ihr Ziel.

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In der Nacht war das Geheul näher gekommen, bis es schließlich so nah war, dass man die gelben, reflektierenden Augen im Dunkel ausmachen konnte. Nun war das Rudel Wölfe zum Angriff übergegangen, und alles, was ihr geblieben war, war ihre Kinder hinter sich gegen den Felssims zu drängen, und sich selbst davor. Den Schild eng gegen den Körper gepresst, den Speer zum Stoß erhoben war sie auf einen weiteren Angriff vorbereitet, während das Rudel weiter knurrend und Angriffsgebährden zeigend um sie herumschweifte. Eines seiner etwas tollkühneren Mitglieder hatte sie mit einem Stoß in die Brust zu Fall gebracht, als der Wolf nach vorne stieß - zu früh - und schnappte.
Immer wieder fielen ihre Augen in die Augen des Wolfes, der am nächsten war, als sie jede Bewegung der nächtlichen Jäger mit verfolgte. Hinter ihr weinten ihre Kinder.
Lange würde das nicht mehr gut gehen, und bald würde das Rudel Mut zu einem gemeinsamen, geballten Angriff finden. Und dann würde sie vermutlich überwältigt werden.
Mit einem schweren Schnaufen verdrängte sie den Gedanken daran - gerade rechtzeitig - denn unter einem aufheulen ging der Leitwolf zum Angriff über, dessen Sprung sie gerade eben mit dem Schild abzuwehren vermochte. Der stoß, den sie dem Tier nachschickte ging knapp über ihm ins Leere, doch jetzt waren sie über ihr. Mit der Kraft einer Berserkerin und dem schieren Instinkt einer Mutter setzte sie sich zur Wehr.
Und während sie es noch vermochte, eines der Tiere schwer zu verletzen, hatte nun eines sie an der Wade gepackt und fixierte sie, während ein anderes in ihren Waffenarm biss und sie herunterzog. Die Zähne kamen nicht durch den Schuppenpanzer, doch die schiere Kraft zwang sie langsam auf ein Knie herunter. Ein verzweifelter Hieb mit dem Schild, der eines der Tiere noch einmal vertrieb, dann brach sie schließlich auf die Knie ein, den Kampf verloren gebend und den Blick zum winterkalten Mond der Berge wendend.
Sich langsam dem Schicksal ergebend, rauschte das Blut in ihren Ohren, und das Knurren der Wölfe ging neben dem eigenen Atem unter. Ein stechender Schmerz, als der Wolf hinter ihr das Leder an ihren Beinen zerfetzte und in die Haut und das Fleisch eindrang…
Und ein Winseln. Und mit einem male Freiheit… der Blick schweifte wieder vom Mond herunter, als sie sich wie in Trance auf die Beine kämpfte und sah, wie ein weiterer Wolf mit dem Tode kämpfend auf dem Boden lag, ein Wurfspeer der aus seiner Flanke ragte. Der Rest des Rudels zog sich in den lichten Föhrenwald zurück, der für diese Gebirgsregion so üblich war.

Und da waren sie, im blassen Mondschein: Man konnte sie zunächst für Ahnen halten, für die erwachten Geister des Landes selbst, in ihren weißen Pelzmänteln und den Kapuzen. Auf der Kuppe standen sie, die Wurfspeere in den Händen, auf die fremden Besucher herunter blickend. Vorsichtig. Misstrauisch. Schließlich traute sich einer von ihnen hervor, als die Lady von Hohenwacht vor Schmerzen wieder auf das Knie herunterbrach.

"Ihr gehört hier nicht her. Wir bringen euch zu unserem Chief."

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Die Reise zum Dorf der Bärengeborenen war für sie eine einzige Tortur gewesen. Das Bein brannte wie Feuer, und ihre Glieder schmerzten von dem zähen, langen Kampf mit dem Wolfsrudel zuvor. Sie taumelte den Bergmenschen mehr hinterher, als dass sie wirklich lief.
Immerhin hatten sie die Kinder auf die breiten Rücken genommen, so dass sie diese nich noch hinter sich herschleifen musste. Das leise greinen hatte bald aufgehört, und sie war sich sicher, dass die beiden nun schliefen - sie hoffte es.
Erst, als der Morgen langsam graute, schälten sich eine breite Palisade, ein flacher, gefrorener Loch und hinter der Palisade viele kleine, gedrungene Hütten aus dem Föhrenwald. Aus den kleinen Schornsteinen schälte sich Rauch in den wintergrauen Himmel, doch noch war auch hier alles, bis auf den großen Platz in der Mitte, woch auch die Halle des Chiefs war, mit Schnee bedeckt.
Allerlei Nutztiere liefen zwischen den Hütten herum, von Hühnern über Ziegen bis hin zu Schweinen. Auch legten sich viele neugierige, und mit eben dem weißen Pelz bedeckte Blicke auf die Neuankömmlinge.
Aelendra hatte keinen Blick für sie. Ihre Retter brachten sie in eine der Hütten, in denen es nicht warm, aber angenehm war. Auf dem Boden waren Felle ausgebreitet, und die Bergmenschen hießen sie, sich auszuruhen.
Man musste es ihr nicht zwei mal sagen. Nicht einmal die Kraft ihre Stiefel auszuziehen hatte sie noch. Sie fiel wie tot auf die Felle, und neben ihr sanken ihre Kinder nieder, die sich ebenso todmüde an ihre Mutter kuschelten.
Mitten am Tage sanken sie so in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Erst, als die Sonne schon wieder sank, wurden sie geweckt. Krüge mit Wasser standen bereit, und sie trank gierig eine Schlücke - Ihre Kinder taten es ihr gleich. Später dann, wurde die Lady Aelendra aus der Hütte zur Halle des Chiefs geführt. Ihre Kinder blieben mit anderen Kindern aus dem Dorf und zwei Frauen zurück.
So war sie für einen Moment besorgt gewesen, aber es war auch klar, dass sie kaum in der Position war, ihren Gastgebern etwas abzuschlagen.

Die Halle des Chiefs war tatsächlich angenehm beheizt. Dicke Teppiche lagen auf, zwei lange Tafeln zogen sich der Länge nach durch sie hindurch. Die Bergmenschen hatten das Innere der Halle mit Rundschilden, gekreuzten Waffen und auch den Skalpen und Hauern von Trollen geschmückt.
Fast schon heimelig glimmten kleine Feuer in Kohlepfannen, die an den Rändern der Halle aufgestellt waren.
Neugierig und skeptisch fielen die Blicke der ersten Krieger des Chiefs auf die blonde Frau, die in die Halle geführt wurde, und doch wie eine Kriegerin angetan war. Wortlos schritt sie zwischen ihnen hindurch, und legte den Blick schließlich auf das Ende der Halle, wo erhöht auf seinem Throne…
Nicht der alte Chief der Bärengeborenen seinen Platz gefunden hatte. Der Mann der dort saß - sie kannte ihn aus Hohenwacht. Es war Uhtred Bärengeboren, der älteste Sohn des eigentlichen Chiefs. Uhtred war ein imposanter Mann. Eine fassartige Brut, die sich unter jedem Atemzug hebte und senkte. Er selbst trug nicht die weißen Pelzmäntel seiner Männer und Frauen, sondern eine lederne Brünne, die durch den Pelzenen Mantel abgerundet wurde… auf der Schulter ruhte der Kopf eines Schwarzbären, auf der anderen Seite die Pranke. Das Gesicht war ein wenig grob, aber markant, und von einem fast schwarzen Bart geziert. Die Augen waren von eher heller, blauer Farbe und wurden von einem langen Schopf von Haaren in derselben Farbe des Bartes umrahmt. Der Mann hatte sich in “seinem” Thron auf einen der kräftigen Arme gelehnt, und massierte sein Kinn mit der anderen Hand, als er die Lady von Hohenwacht durchaus interessiert musterte.
Ruhig lehnte an den Thron ein Claymore, ein großer zweihänder mit Fehlschärfe, der Aelendras Blick einen Moment lang anzog. Schließlich aber richtete sie den Blick wieder auf Uhtred. Sie neigte das Haupt nur kurz, denn eine zu tiefe Verneigung betrachteten die Bergmenschen als Schwäche.

"Die Ahnen mit euch, Prinz Uhtred." Schnitt ihre Stimme durch die Halle. Sie bemühte sich, die Anstrengung zu verbergen.
Der genannte lehnte sich ein wenig vor, und schüttelte das Haupt, dass einige der dunkelbraunen locken leicht hin und her schwangen.
"Es ist Chief Uhtred, Prinzessin von Hohenwacht." Ein Raunen kam unter den ersten Kriegern der Bärengeborenen auf. Man hatte sie offenbar wirklich nicht erkannt, doch am Wort ihres Anführers zweifelten sie keine Sekunde.
"Vater ist tot. Willkommen in den Bergen, und bei meinem Clan."

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Wie rollender Donner stoben die Hufe des rabenschwarzes Hengstes durch das grüne Gras des Arathihochlands, als die Sonne sich schon begann unter blutrotem Scheinen hinter dem Horizont zu verschwinden und sich zu neigen. Mit ihrem eigenen, wehenden Haar saß Elizabeth im Sattel ihres Hengsts, von dem sie wusste, wie sehr sie ihn an seine Grenzen trieb. Die Pausen waren zu kurz und die Art zu reiten zu schnell, lange würde der Hengst nicht mehr durchhalten, und sie wusste es. Als dieser Gedanke durch ihren Kopf schoss, ließ sie den Hengst augenblicklich bremsen und langsam in den Schritt auslaufen, während sie die Zügel losließ, die sie in ihren verkrampften Händen gehalten hatte. Sie rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht, unter den Augen Augenringe tragend und gleichzeitig eine trockene Zunge im Hals spürend. „So kann das nicht weitergehen.“ Murmelte sie bei sich und schüttelte den Kopf. Wo genau sie im Hochland war? Sie konnte es nicht genau sagen, irgendwo am Rande der Berge nach Norden in die Mark Hohenwacht, aber eine genaue Positionsangabe war hier ohnehin nicht sinnvoll. Sie wusste, wenn sie nach Süden ritt würde sie die Königsstraße wiederfinden und ihr zurückfolgen können, wenn sie den Wunsch haben sollte. Doch das war noch nicht die Zeit dazu, sie hatte noch bisher kaum eine Spur gefunden und die, die sie hatte, war schwach und schon Tage alt. Zwar war sie zuversichtlich, dass es die richtige Spur war, allerdings wich sie ab von dem Wege zum Drachenfeuerpass in die Mark Hohenwacht und der Grund, dem sie folgte wurde zunehmend steiniger und härter, die Spuren wurden vermutlich nicht lange mehr anhalten können, ehe sie aufgrund des Bodens einfach verschwanden. Dennoch schwang sich die Herrin von Drakkenfall aus dem Sattel und ging in die Hocke, während der schwarze Anastasius nur den Kopf nach oben warf und schnaubte. Er mochte erschöpft sein von der harten Gangart, die ihm seine Reiterin hatte angedeihen lassen, aber er war noch immer stolz und wäre er ein Mensch gewesen, hätte er dies vermutlich nie zugegeben.

Ihre Finger fuhren die Umrisse der Spuren entlang, die sie vor sich im Boden fand. Die Größe der Füße passte zu einem Menschen, allerdings keinem Menschen mit Panzerstiefeln oder einem übermäßig großen Gewicht. Wer auch immer hier gegangen war, hatte keine Rüstung getragen und hatte es zwar eilig gehabt, aber war nicht gerannt, dafür sprach der Abstand der Fußspuren zueinander. Das Geschlecht so zu bestimmen war freilich schwer, aber dass jemand hier an den Grenzen vorbei geschlichen war, war bereits verdächtig für sich. Aber einen Beweis hatte sie damit nicht, und dass die Horde in diesen Gebieten herumschlich und bereits Patrouillen in diesem Teil des gesamten Hochlandes streifen lassen konnte auf dem Rücken ihrer Wölfe, machte es nicht einfacher. Freilich war es nicht schwer für sie, die sie Jahre der Erfahrung in feindlichem Territorium hatte, ihnen auszuweichen aber das Muster machte es schwer Raum in die Richtung zu gewinnen, in die sie musste.

Letztendlich seufzte sie aus und schüttelte den Kopf, während sie den Kopf in den Nacken legte und die Augen schloss. Sie war seit Tagen unterwegs und auch wenn sie eine Spur hatte, so war sie zu langsam. Allerdings war das nicht genug, so konnte sie keine Meldung machen, wie sie beschloss. Mit schnellen Bewegungen zog sie ihren Handschuh von der Hand und legte die Finger in den Mund, einen langen und melodischen, wenngleich etwas schrillen, Pfiff ausstoßend. Mit einem wilden Schrei eines Falken wurde ihr Pfiff beantwortet und ehe sie sich versah, rauschten aus dem Himmel zwei weiße Schwingen herab, deren Träger sich auf ihrem Arm niederließ, den sie gerade gehoben hatte. Die intelligenten Augen des Gerfalken besahen sie neugierig und scharf, als könnten sie tief in die menschliche Seele blicken. „Valor, mein Freund. Ich brauche deine Hilfe.“ Sprach sie mit ruhigen Worten und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Sie wusste nicht wie, aber der Falke schien in der Lage jedes ihr Worte zu verstehen. Auf der anderen Seite hatte sie schon immer eine innigere Verbindung zu den Kreaturen des Himmels gehabt, so schob sie den Gedanken beiseite. „Führe mich, mein geflügelter Gefährte. Soweit wir gehen können und noch Licht haben, sollten wir gehen. Die Jagd ist noch nicht vorbei.“

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Kalt war die frische Luft, die vom Alteracgebirge kam. Der Habicht schien in der Luft auf der Stelle zu hängen, seine Schwingen gespannt und bereit. Die schneeweißen Wolken gingen farblich in ein zunehmendes dunkler werdendes Grau über, zukünftigen Regen verheißend. Doch es regnete nicht. Lediglich die erhöhte Luftfeuchtigkeit, gepaart mit der Frische und jenem Wind waren Boten, die Kunde von einem bevorzustehenden Unwetter ablegten. Die gelben Pupillen des Greifvogels bewegten sich, als der Schnabel aufgerissen und ein schriller Schrei ausgestoßen wurde, gleich einem Pfeifton. Die Wolkendecke wurde durchstoßen, als das Tier die Schwingen anlegte und das Gefieder sich durch die Geschwindigkeit wie Schuppen wirkte. Das Raubtier stürzte sich im steilen Sturzflug hinab, während sich die grünen Weiten Arathis sichtbar wurden.

Grünes, saftiges Gras, nicht allzu lang zog sich über eine von Hügeln bedeckte und Gebirgszügen umrahmte Landschaft. Hellgraue Felsen lugten hier und da hervor, während die Wolkendecke am Horizont in den kalten Bergen des Nordens zu versinken schien. Der Winkel des Sinkfluges wurde geändert, als der Habicht einen Halbbogen flog und in etwa 100 Meter Höhe die relativ gerade verlaufende alte Hauptstraße, vom Westen ins Hillsbrad kommend, nach Osten folgte. Grün wich weißem Stein, als sich Stromgarde in der Kühle des sich enden wollenden Winters und beginnenden frischen Frühlings präsentierte. Kleine Punkte bewegten sich auf den Türmen und Zinnen der Mauern, während das Wuseln innerhalb der Stadt einem Ameisenhaufen glich, der aus der objektiven Ferne wie inszeniert wirkte. Mit den Flügeln schlagend nahm der Vogel wieder an Flughöhe zu und segelte weiter über den Kreis der Erdbindung in Richtung Nordosten. Die weißlich kühle Sonne schien matt durch die Wolkendecke zu scheinen und eine gedämpfte Umgebung zu produzieren, während sich gegen zunehmenden Abend eine Spannung aufzuladen schien. Als stünde die unmittelbare Entladung einer großen Energie bevor, flog nicht nur der Habicht tiefer, sondern mit ihm auch vereinzelte andere Vögel. Der zunehmende Wind verursachte durch das bewegende Gras unterschiedliche Muster in der grünen Landschaft, die am Ende von Rauch gekennzeichnet war. Wie eine graue Säule hing dort aufsteigender Rauch, beinahe so, als würde die Zeit stillstehen. Die Krallen des Tieres landeten elegant auf dem von Rinde befreiten Baumastes, von dem aus das Tier mit schiefgelegtem Kopf das Tal unter sich musterte, dass sich in die Landschaft schnitt.

Es war eine Senke, ein verbreitetes Tal in der hügeligen Ebene von Strom und die von der Ferne als einzelne Rauchsäule wahrnehmbare Besonderheit stellte sich als dutzende Feuer heraus, die da brannten. Viele Ameisen waren dies, von denen der Vogel zu wissen schien, dass die Menschen mit zunehmender Nähe größer waren, als diese Distanz sie vermuten ließ. Erneut wurde der Kopf schief gelegt. Das Rascheln der Blätter im Wind der wenigen Bäume rund um diese Senke wurde von dutzenden, nein, gar hunderten von Stimmen übertönt. Gesang war zu vernehmen, vereinzeltes Gelächter. Viele Menschen waren darunter, gekleidet mit dem gelben Wappenrock von Arathor, ständig stationierte Soldaten im Kampf um das Arathibecken, teilweise außer Dienst, andere wiederum auf Wachposten oder Patrouille. Anders als üblich waren an diesem Abend jedoch die Wappenröcke dieser Truppen. Menschen, Hochelfen, Zwerge, gar einige noch exotischere Lebewesen waren unter ihnen, doch viele auch ähnlich gekleidet. So war das Symbol des Adlers weit vertreten unter den Freisassen und etliche unterschiedliche Fahnen und Banner wehten im Wind, einmal in diese, dann in jene Richtung. Aber es gab auch andere unter ihnen. Jene, die sich dem Tross aus Stromgarde angeschlossen hatten, wohl schon Tage und Wochen dabei waren, vom Krieg gezeichnet. Junge und alte, Männer wie Frauen. Schweigend saßen sie da, teilweise vor den knisternden Feuern oder auch fernab. In Gesellschaft oder alleine. Nachdenklich wirkten sie, in Gedanken versunken. Was vermochten sie zu denken? Es waren leere, tiefe Blicke, die durch die Feuer hindurch starrten. Leere? Angst? Sicherlich auch.

Die Banner spannten sich mit flatterndem Geräusch im Wind der eingebrochenen Dunkelheit, welche die grüne Landschaft in grauschwarze Schatten gehüllt hatte. Der Vogel war längst davongeflogen, wie auch schon viele Ritter, Knappen und andere schlafen gegangen waren. Dunkel war es, sodass die orangeroten bis gelben Feuer, die teilweise schon zu Glut geworden waren, neben der Wärme auch Licht spendeten. Morgen wäre es wohl soweit. Der Tross aus Stromgarde würde zu jenem Bauernhof ziehen, der von den Verlassenen besetzt war. Untote, Mitglieder der Horde. Viele hatten bereits Erfahrungen in früheren Kriegen, andere wiederum waren zum ersten Mal bei einem solchen Unterfangen dabei. Kalt war der Wind, der Feuchtigkeit und Nässe in den Boden und zu den Zelten trieb. Schattenhafte Umrissen, die Lebenden, die dort saßen oder standen. Plötzlich war das Lager, ja, ganz Arathor hell erleuchtet, für einige Sekunden konnte man die blassen Gesichter erkennen, als die Landschaft grauweiß sichtbar wurde. Am Horizont zeichneten sich drei zuckende Blitze ab, die hinter den Gipfeln einzuschlagen schienen. Wohl ereignete sich im Hinterland ein heftiges Unwetter. Genauso plötzlich, wie sich die Pupillen so mancher noch wachen Personen verengt hatten, so weiteten sie sich wieder, als die schwarze Dunkelheit hereinbrach. Eins…zwei….drei….vier….fünf….sechs…sieben…Ein tiefes Donnergrollen folgte aus der Ferne, während der Wind echoartig die beunruhigenden Schallwellen nach Arathi trug. Der Norden war das nächste Ziel. Dem Sturm entgegen.

Um sechs Uhr morgens fiel kein Sonnenstrahl auf jenes Lager, in dem schon sehr viele auf den Beinen waren. Hell wurde es, ja, aber der wolkenverhangene Himmel verschloss jeglichen Sonneneinfall. Kein Habicht war zu sehen und der dunkle untere Rand der Wolken deutete an, dass das Ereignis unmittelbar bevorstand, das die meisten schon erahnt hatten. Keine zwei Stunden später waren es die gelben Arathorwappenröcke, die jene Senke als rechtmäßiges Eigentum des Königreiches von Stromgarde zierten. Ein guter Teil war abgereist, teils beritten, aber zum großen Teil zu Fuß unterwegs. Eine Heerschar an unzähligen Getreuen zog sich als Kolonne, als lange Schlange die Straße nach Norden entlang, an der Speerspitze die Reiterei mit den Kommandanten, gefolgt von der Hauptstreitmacht an Infanterie. Den Abschluss bildete die Artillerie. Ein weiterer Tag, der ganz im Zeichen der Offensive stand. Ein kalter Tropfen traf so manchen auf das freie Genick. Der Wind hatte sich gelegt. Es war ruhig. Spannung lag in der Luft. Gesprochen wurde wenig. Einige atmeten tief durch. So begann es also…

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Dorf der Steinraben, die Berge um das Tal von Hohenwacht, Wochen später

Die Schlacht, oder mehr das Gefecht, waren sehr kurz gewesen. Niemand hatte die Steinraben gewarnt, und als die kampfbereite Horde an Kriegern der Bärengeboren auftauchte, hatten sie nur wenige Minuten Zeit ihre eigenen Krieger zu mobilisieren - nicht einmal die Hälfte war kampfbereit, als die Bärengeboren unter lautem Kriegsgeschrei und Gebrüll die Palisaden stürmten und niederrissen. Jetzt standen die Hütten der Steinraben in Flammen, ihre Banner brannten ebenfalls und knisternd regneten Funken und glühende Asche vom Himmel, mischten sich zu den Schreien der Frauen und Kinder, die von den Kriegern der Bärengeborenen in Gefangenschaft geführt wurden. Während das brennende Dorf noch ausgiebig geplündert wurde, wurden bereits die überlenden Krieger der Steinraben, darunter Tanist, einer der Söhne des nun toten Chiefs, zum Dorfplatz gebracht, wo die Banner von Uhtred Bärengeboren und das persönliche Banner ihrer selbst, Lady Aelendras von Hohenwacht, ein blutiges Herz in dem der aufrechtgehende Drache von Hohenwacht platz fand aufgestellt waren. Unter den Bannern fand sie sich, umringt von den in die Knie gezwungenen Kriegern der Steinraben wieder.

Sie dachte einen Moment daran zurück, wie sie den durchaus beeindruckenden, jungen Chief der Bärengeborenen und sein Gefolge dazu gebracht hatte, ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Sie hatte Versprechen abgegeben. Sie hatte versprochen, dass das Tal den wilden Bergmenschen zur Verfügung stehen würde. Sie hatte versprochen, dass Uhtred Bärengeboren hoher Than aller Menschen aus den Bergen werden würde. Und sie hatte ihn mit einem anderen Versprechen gelockt, eines, dass sie bereits eingelöst hatte und dass bei näherer Beschreibung den meisten Menschen die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte.
Und so war es geschehen - Uhtred hatte seine Krieger gesammelt, hatte sein Banner ihrem eigenen zur Seite gestellt, und sie hatten gemeinsam in den vergangenen Wochen fast ein halbes Dutzend der Dörfer der kleineren Stämme auf dieselbe Weise unterworfen. Und immer hatten sich die überlebenden Krieger dem auf diese Weise stetig anschwellenden Heerbann angeschlossen.

Donnernd klang nun die Stimme Uhtred Bärengeborens über Flammen und Geschrei hinweg. Die etwas ungeschlachtene Breitaxt in die Höhe gereckt, schimmerte der Schein der Flammen auf der kruden rüstung und in den dunklen Augen des imposanten Mannes.

"Ihr alle habt ehrenhaft bei der Verteidigung eures Chiefs gekämpft! Doch euer Chief ist gefallen, und mit ihm euer Clan und euer Dorf!" Die Krieger der Steinraben hoben leicht die Köpfe an und betrachteten den sprechenden mit einer Mischung aus Abscheu und Unwille. “Euer Mut soll nicht unbelohnt bleiben!” Die Streitaxt richtete sich dabei auf sie selbst. “Dies ist Lady Aelendra Aeslynn van Haven, Schildmaid von Hohenwacht, und letzte wahre Tochter Bael Hammerhands, unser aller Urahnen!” Die Blicke richteten sich auf sie selbst, doch sie blieb wortlos. Der kalte Bergwind trieb die Wärme der Flammen heran, ließ ihren schweren Pelzumhang leicht wogen, ebenso das farbloser gewordene Haar, dass sie unter dem einfachen Reif nun komplett offen trug.
"Es ist ihr Wille, dass wir ins Tal von Hohenwacht zurückkehren können! Und gemeinsam, Brüder der Berge, werden wir das! Dass wir das Unrecht, dass uns vor vielen Generationen widerfuhr, ausmerzen können! Dass wir eine Zukunft und ein besseres Leben für unsere Weiber und Kinder haben können! Schließt euch uns an!"
Die Krieger blieben für einen Moment sehr still, aber man merkte wie es in ihren Köpfen arbeite. Ein ganzer weiterer Augenblick verstrich, als die Krieger der Bärengeboren ihre Hände um die Griffe ihrer Waffen ballte. Schließlich jedoch stand Tanist, Prinz der Steinraben auf und spuckte zur Seite aus. "Ich tu’s, Uhtred Bärengeboren - verdammter Sohn einer Metze. Der Clan der Steinraben unterwirft sich durch das Recht des Stärkeren, Uhtred und dem Clan der Bärengeboren!"

Die Krieger der Bärengeborenen ließen ihre erhobenen Waffen sinken, als die Steinraben sich langsam erhoben. Einer ihrer Krieger schlug mit der Waffe auf seinen Schild und rief aus: "Auf Chief Uhtred, Herr über alle Menschen der Berge! Auf Aelendra van Haven, Herrin über Berg und Tal, Letzte der van Haven!"

Ein schmales Lächeln kroch über ihre Lippen, als rund herum Waffen in die Luft gestreckt wurden, klapperten und triumphales Geschrei ausbrach. Für einen Moment überdeckte es sogar das Brausen der Flammen und das Knistern der Funken.

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Allez Hop!

Die Wollmesse ist vorüber, aber damit natürlich nicht das Gilden RP von Adler von Arathor!
Und aktuell suchen wir wieder neue Mitglieder, die sich für unser in die Jahre gekommenes, aber keinesfalls überholtes Konzept interessieren. Wir suchen hierbei natürlich vor allem Mitglieder, die viel Motivation und Energie mitbringen, sich in der Gilde einzubringen. Menschen die aus Stromgarde stammen werden mit Kusshand genommen, aber auch andere (Nicht-)menschen dabei keinesfalls ausgeschlossen.
Bevorzugt gesucht werden derweil Ritter, Militärische Konzepte und aller Art Leute, die man zum gemeinen Volk zählen kann, wobei der Hintergrund und das Konzept hierbei offen ist.

Falls ihr es mit uns versuchen wollt, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme freuen!

Mit freundlichen Grüßen
Euer Forendrache

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Der Meisternekromant

Kalt wehte der Wind der arathischen Berge um die Nase Rufus Aldebrants. Selbst im Sommer war hier der Pelzumhang nötig, der sich in seiner tiefschwarzen Farbe fest um die eher schmalen Schultern des blassen Mannes schmiegte. Auch im Sommer setzten, bei ungünstigen Winden immer wieder leichte Schneefälle ein, und so war es auch jetzt. Und so zog er sich den breitkrämpigen, gestärkten Hut etwas tiefer in die Stirn. Das lange, fast seidige schwarze Haar klebte im Gesicht und Nacken, feucht geworden und jetzt leicht gefroren. Doch die Aufmerksamkeit der klaren blauen Augen legte sich auf die Gruppe von schwarzen Punkten, die den Gletscher hinauf kam. Er musste nicht lange überlegen, wer diese Leute waren. Späher aus dem Lager des Kriegsherren Uhtred, die die höheren Gebirgsregionen auskundschafteten, nachdem seine… Kreationen das ein oder andere mal mit seinen Kriegern aneinander geraten waren.
Eine kleinere Ablenkung, doch eine, mit der er verfahren musste. Keinesfalls durften die Späher das Lager entdecken, dass er und seine Schülerin aufgeschlagen hatten. Noch weniger durften sie Kunde davon zu ihren Herren bringen. Hier, gefroren im Eis des Gletschers, ruhten sie, nicht allzu tief unter seinen Füßen. Die Vorfahren der Menschen, die den Gletscher hinauf kamen. Abgelegt und gefroren, zu ewiger Ruhe.
Während der Wind an der Robe des Mannes riss, sie um seinen hageren Leib flattern ließ, hob er langsam die Hände an und ballte sie zu Fäusten. Eine zitternde Sensation, als die Kraft der finsteren Magie sich in ihm zu regen begann, feurig wie ein Lindwurm, doch kalt wie Eis zugleich, wie ein sich windender Aal, der sich bald aber in seinem Körper zerstreute. Die dunklen Spiralen, die um seine Hände flirrten kündeten von der alten Macht, die er sich wie so oft zuvor Untertan machte, und ließ seine Stimme über den kalten Gletscher hallen. Es war nun egal, ob die Späher ihn sahen oder hörten … für sie gab es kein Entkommen mehr.

"Erhebt euch! Beugt euch meinem Willen! Dient, wie ihr in eurem Leben euren Herren dientet… nun MIR!"

Der Gletscher um ihn herum begann zu zittern, als er die Hände langsam, fast gemächlich wieder entballte und leicht auseinander driftend über seinen Kopf brachte. Die Finstere Magie erfüllte ihn in einem fast lustvollen Crescendo, hatte von seinem Leib ganz Besitz ergriffen, flog in finsteren Fetzen und Spiralen um den Nekromanten herum, als sich aus seinen Händen schließlich Tropfen bildeten, und überall um ihn herum in den zitternden Gletscher stürzten. Einen Moment wirkte es so, als würde gar nichts geschehen, die dunkle, pervertierte Magie sich nur ausbreiten und verflüchtigen.
Dann geschah es. Mit einem Krachen und Splittern von Eis brach eine dürre, mumifizierte Hand, gefroren von Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten des Eises durch die Eisdecke des Gletschers. Viele weitere folgten ihr. Und auf die blassen Lippen des Dunkelmagiers legte sich ein fast hämisches Lächeln. Jeder kleine Schritt war ein Tropfen, der sich zu dem Sturm gesellte, den die Rache erforderte.

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Catalina Ó Cillean hatte eine Hierachie von Völkern die sie mochte und nicht mochte. Bis vor kurzem waren Untote noch unangefochten auf Platz eins gewesen, dicht gefolgt von Trollen und dann Orcs.
Nun gab es glatt ein neues Volk, dass sich dazu aufschwingen konnte den obersten Platz dieser Liste einzunehmen: Goblins.

Die braunhaarige Grenzerin lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und begann sacht vor und zurück zu kippeln während sie einen Schluck aus dem mit aufwändigen Gravuren versehenen Trinkhorn nahm und fuhr mit dem Daumen das eingravierte Hirschgeweih nach.

Sie würde nicht lügen. Sie hatte mit allem gerechnet, als sie sich diese Falle für die Horde ausgesucht hatte, aber sicher nicht mit Goblins.

Goblins. Bah. Das widerliche Grün ihrer Haut erinnerte sie an Orcs. Die Nasen und Ohren an Trolle.

Dazu schien nur Profit sie zu motivieren, was etwas war, was sie noch auf einer persönlichen Ebene anekelte. Dinge für die man Kämpfen sollte waren die Ahnen, die Geister, die Heimat und der Clan. Nicht Gold.
Dann war da die Technik. Laut, stinkend, widernatürlich. Soweit es Catalina betraf, war all diese Technik nichts als Hexenwerk. Wie auch arkane Magie stammte sie von außerhalb des Kreislaufes der Natur und war etwas, dass schwachen Wesen erlaubte im Kreislauf aus Beute und Raubtier zu überleben, wo sie eigentlich sterben sollten.
Ein weiterer Schluck Met. Und dann diese lächerlichen Namen, die sie für alles hatten. Die Truppe die auf die Falle angesprungen gewesen war waren Vertreter einer Firma namens Käufliches International Dediziert Nutzbares Abduktions Personal;- oder kurz KIDNAP. Alleine beim Gedanken Dingen so lange Namen zu geben, dass man sie wieder abkürzen musste schüttelte sie sich. Aber es passte gut zu einem Volk, dass sich selbst so gerne reden hörte.

Nun, wie dem auch sei: Sie hatten Erfolg gehabt, es war den Streitern der Mark gelungen die Goblinsgruppe, die mit der Aussicht geködert worden war die Prinzessin des Hauses, Melinda van Haven, zu entführen.

KIDNAP war erst klar geworden, dass sie es waren, die in die Falle geraten waren, als die mit Schanieren versehenen Wände des Wagens zur Seite fielen und Lord Gisbert Farring mit gezogener Klinge über die improvisierte Rampe herabgestürmt war.

Es war ein guter Kampf gewesen, auch wenn es dem Anführer der Feind leider geglückt war zu entkommen. Die Art, wie die Grünlinge ihre Sklaven… Hobgoblins augmentiert hatten, um sie zu besseren Kampfmaschinen zu machen lies sie angeekelt die Nase rümpfen.

Ihre Liste des Hasses hatte sich wieder verändert. Auf Platz Eins, noch immer unangefochten, saßen die Untoten, doch knapp danach kamen sie bereits, diese kleinen, gierigen Grünlinge. Ein weiterer Schluck Met.
Mit etwas Glück würde sie den Geistern noch öfter das Blut dieser Wesen als Opfer darbieten können. Sollte der Leish sie alle holen. Sie, ihre Horde und ihre verfluchte Technologie!

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Dumpfes, rotes Licht erfüllte die Höhle um sie herum, während die Wände langsam in rhytmischen, gleichmäßigen Bewegungen pulsierten.
Der Boden unter ihren Füßen fühlte sich falsch an. Weich und nachgiebig, jedes mal als sie ihr Gewicht verlagerte bildete sich eine kleine Delle im Boden unter ihr.
Sie berührt die Wand, ihre eigene, bleiche graue Haut berührt das rote Fleisch, welches die Wand bedeckt, fährt darüber.
Wellig und voller Geschwüre, unter der Oberfläche Adern, dick wie Seile. Sie kann es nun spüren. Das rhytmische Pulsieren ist besonders stark dort, wo diese Adern entlang laufen. Rhytmisch, gleichbleibend wie eine Trommel… oder der langsame Schlag eines gewaltigen Herzens.

Ein Herz, dass irgendwo in den Tiefen des Berges schlägt. Vor ihr. Tiefer, in den Tunnel hinein. Es ist ein starkes Verlangen, ein regelrechter Zwang, der sie dazu bringt dem Tunnel zu folgen.
Der Boden wird fester, das pulsieren jedoch schneller und schneller. Sie blickt an sich herab. Ihr Körper wird von einem einfachen, weißen Kleid bedeckt, nicht wie üblich von der leichten Rüstung aus Stoff, Leder und Metall.
Ihre Stirn wirft sich in Falten als sie darüber nachdenkt und eine Strähne ihres offenen, mitternachtsblauen Haares zurück streicht.
Welch merkwürdige Kleidung für so einen Ort. Und wie merkwürdig, dass sie nicht, wie sonst, ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden trägt.

Dennoch, diese Gedanken lassen sie nicht innehalten, während sie tiefer hinab geht, sie kann das nasse, offene Fleisch unter ihren nacken Füßen spüren, jesdesmal wenn eine der wellenförmigen Kontraktionen hindurch läuft, spürt sie wie das Fleisch sich unter ihren Füßen zusammen zieht, doch sie wird nicht langsamer, nein, schneller und schneller tragen sie ihre Schritte voran, bis sie schließlich das Ende des Tunnels erreicht, wo er in eine dunkle Kaverne mündet. Soweit ihre Augen sehen können sind die Innenwände des natürlichen Gewölbes mit dem gleichen, pulsierenden rötlichen Fleisch bedeckt.
Sie kann andere Tunneleingänge erkennen, Tunnel, aus denen Wesen hervorkommen. Missgestaltet und mit einer… falschen Anzahl an Gliedmaßen. Sie schleppen andere Gestalten mit sich mit, dass kann sie erkennen, irgendwohin, vor ihr, tiefer in der Dunkelheit.
Nach einem kurzen Moment kann sie eine geeignete Stelle für ihren eigenen Abstieg finden und folgt den Wesen. Sie beginnt etwas zu spüren, ein Gefühl, dass von einem Punkt vor ihr auszugehen scheint. Hass. Tiefer, abgrunftiefer Hass. Schwarz und verzeehrend, wie der Abyss zwischen den Welten.

Eines der Wesen ist nun besser zu erkennen. Es hat drei Gliedmaßen, mit denen es sein Gewicht trägt und die es ohne logisches Muster zu heben und zu senken scheint. einen klumpigen Torso aus dessen oberen Ende ein einzelner, langer Tentakel heraus wächst. Dieser Tentakel schleift eine schreiende Frau hinter sich her, hat sich um ihre Beine gewickelt, während sie verzweifelt versucht sich am fleischigen Boden festzuhalten.
Die Frau schreit und blickt sie direkt an, doch ist kein Ton hörbar und sie scheint sie nicht zu sehen.
In der Dunkelheit wird eine gewaltige Säule sichtbar, auf die das Monster zuhält und auch es wird nun besser erkennbar.
Der Tentakel besteht aus unzähligen, miteinander verwachsenen Händen, auf dem Rücken sind mindestens zwanzig miteinander verwachsene Brustkörbe erkennbar und die Kniegelenke der drei Beine, die in die falsche Richtung zeigen haben Gesichter.

Sie weiß nun auch, dass der Hass, den sie spürt von der Säule in der Mitte des Raumes kommt und was es ist, was das etwas dort hasst.
Fleisch. Das Etwas hasst das Fleisch, dass es gewagt hat sich gegen seine Erschaffer zu wenden, anders als es selbst, das doch treu geblieben ist. Es hasst alles abtrünnige Fleisch und es kennt nur eine Lösung um seinen Hass zu besäntigen. Alles Fleisch muss Teil von ihm werden!

Im Moment dieser Erkenntnis schreckt Anylia Schattensonne auf und blickt sich hastig um. Die Dunkelheit um sie herum so tief wie in ihrem Traum, doch langsam wird das Innere ihres Zeltes erkennbar. Ihr Schlafsack, die Unordnung aus Reisegepäck, gewaschener und ungewaschener Kleidung. Ein Traum… aber, nein, seit dem sie eine Ren’dorei geworden war, wusste sie, dass es so etwas wie „einfach nur einen Traum“ nicht gibt. Sie zittert leicht, fährt sich einmal über die Stirn, bevor sie mit ihren rauchigen, rauen Stimme sagt. „Oh… ich glaube darüber sollte ich mit jemandem reden.“ Eine der Stimmen in ihrem Kopf kichert darüber amüsiert, eine andere versichert ihr, die Idee sei richtig und was eine verantwortungsvolle Frau, gute Soldatin und gestandene Kriegerin in diesen Situationen tun sollte, eine andere weißt darauf hin, dass die Leute in der Mark ohnehin schon keinen guten Eindruck von Leerenelfen haben und eine letzte zählt auf trollisch rückwärts.
Einerlei: Den Stimmen keine Aufmerksamkeit zu schenken war eine der erste Dinge, die sie gelernt hat. Sie krabbelt aus dem Schlafsack, streift das Nachthemd ab und macht sich daran sich wieder anzukleiden. Über den Traum musste berichtet werden. So schnell wie möglich und egal wen in der Hohenwacht sie dafür aus dem Schlaf reißen müssen würde.

Und damit beginnt eine etwas längere Storyphase in der die Mark sich mit dem erwachen eines uralten Übels auseinander setzen werden muss!

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Ihre Träume hatten sich wieder beruhigt, anscheinend zumindest. Anylia Schattensonne sitzt, wie so oft auf der Mauer vor dem Eingang zu der Schildhalle und lässt die Beine baumeln.
Es überrascht sie ein wenig, dass bisher keine der Autoritätspersonen der Mark ihr gesagt hatten, dass sie das lassen sollte, aber nun, einerlei, solange es ihr niemand verbot würde sie weiterhin dort sitzen.
Sie war sich nicht sicher, ob diese Ruhe, die sie nun wieder im Schlaf fand ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war.
Sie hatten den monströsen Baum aus lebendem Fleisch und Leerenmagie verbrannt, aber die tote Zone um ihn herum war geblieben. Die Erdseherin hatte sie zuerst gespürt, ein Bereich in dem die Erdgeister selbst nicht mehr sein wollten, aber auch Anylia selbst hatte den unheiligen Ort nachspüren können.
Eine Narbe in der Erde selbst. Der Gedanke lies sie erschaudern und die Tatsache, dass sie nach wie vor nicht wussten wer oder warum das getan hatte machte das Gefühl nur schlimmer. Aber wenigstens hatten sie keine weiteren der unheiligen Fleischbäume finden können.
Die Leerenelfe seufzt, fährt sich durch das Gesicht. Wahrscheinlich war es nur die Ruhe vor dem Sturm. Sie schüttelt den Kopf, macht dann einen Satz von der Mauer und landet mit katzengleicher Eleganz.
Sie würde mit Lady Strifent reden und ihr sagen, was sie dachte. Es war ein Moment der Ruhe. Vielleicht sogar Teil eines kranken Spieles um ihnen Hoffnung zu geben, dass schon alles vorbei war, aber sicherlich kein Hinweis darauf, dass die Gefahr vorbei war.
Sie würde dem ganzen nachgehen und dafür die Mark für eine Weile verlassen. Ein Kichern. Die Seherin und Aquinta würde es freuen.


„Bist du dir wirklich sicher, Desmond?“

Wulfgar hob den Blick zu seinem Vetter hinauf, welcher in voller Rüstung vor ihm auf seinem Schlachtross saß, die Zügel der Stute, mit der er gekommen war, am Sattel festgebunden. Ihm sein Pferd und den Rest seiner Ausrüstung von der Hohenwacht zu besorgen, hatte wenig Umstände bereitet, doch es waren die Folgen, die Wulfgar nicht gefielen.

„Aye, bin ich“, erwiderte der Ritter mit einem müden Lächeln. „Ebenso bin ich mir der Konsequenzen bewusst.“

Er war von Kaltenbrunn direkt zur westlichen Grenze der Mark geritten, wohl wissend, welche Wege er nehmen und zu welcher Motte er reiten musste, um unbemerkt zu bleiben. Nun, zwei Tage später, hielt er das Wenige in den Händen, was noch in der Feste zurückgeblieben war. Es war nur allzu leicht, die materielle Verbindung zu dem Ort zu trennen, den er beinahe seine Heimat genannt hätte, doch die restlichen Bande waren schwerer und schmerzlicher zu durchschneiden.

Er hatte die zwei Tage des Wartens an der Motte damit verbracht, Briefe zu schreiben. Das Bündel reichte er nun seinem Vetter aus dem Sattel herab. Wulfgar nahm den kleinen Stapel und fächerte ihn auf, um einmal die Namen zu überfliegen. Die Brauen zogen sich zusammen, er sah wieder zum Vetter hinauf.

„Kein Brief für sie?“

Für einem Moment weichten die starren Züge des Ritters auf, der Blick verlor an Fokus, gewann an Wehmut, doch der Anflug von Trauer und Bedauern wich so schnell, wie er gekommen war. Er schüttelte einmal den Kopf.

„Keine Worte werden noch etwas daran ändern können, wie es war und wie es nun ist, Wulfgar“, sagte er, die Stimme fest. Er reichte dem Vetter die Hand zum Abschied.

„Lebe wohl, und danke für Alles.“

Wulfgar schüttelte den Kopf, widerwillig schmunzelnd. Er wusste aus Erfahrung, wie sinnlos es war, gegen den Sturkopf eines Farring anreden zu wollen.

„Wir werden uns wiedersehen, Desmond“, war daher alles, was er noch sagte, fast eine Drohung, hoffentlich ein Versprechen.

Der Ritter lachte auf. „Hier, oder an der Tafel unserer Ahnen.“

Ein letzter Blick erging nach Osten, wo die Feste Hohenwacht jenseits von Hohensporn und Forst am Berge lag, zu weit weg, um mit dem bloßen Auge erkennbar zu sein, dann gab er seinem Pferd die Sporen und ließ die Mark hinter sich.

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Und ein Push. Reiner Servicepush, damit der Thread nicht irgendwann automatisch geschlossen wird.

Hallo Leser/in!

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Trotz oder gerade wegen der aktuellen Inaktivität längst überfällige Überarbeitung.

Aber hey, schaut doch mal hier vorbei!

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Tock… Tock… Tock… Tock…

Belaeus Gehstock setzte mit der eintönigen Monotonie einer gut geölten Uhr auf den Marmorfliesen des Ganges auf. Trotz seines gebeugten Rückens und seines ehrwürdigen Alters ging er langsamer, als es nötig war. Langsam genug, dass das Tempo etwas entnervendes hatte, doch zur gleichen Zeit schnell genug, das man nicht in einen trödelnden Trab verfallen konnte. Fiona war sich sicher, das er das mit Absicht tat. Eine der kleinen Gemeinheiten, die man sich zur Erheiterung seiner alten Tage erlaubte. Sie konnte nicht leugnen, das es funktionierte. Doch den Triumph, es einzugestehen, wollte sie dem alten Mann nicht bieten.

Ein kühler Luftzug wehte durch den halbmondförmig angelegten Säulengang, dessen nach außen zeigende Seite den Gezeiten geöffneten wurde. Wie so vieles in der fliegenden Stadt der Magier, wurde auch die Natur ihrem Willen unterworfen. Unter normalen Umständen wäre die Luft eisig und dünn gewesen, kaum zum atmen geeignet. Der Wind hätte an ihren feinen, violetten Roben gezerrt, statt sanft die ein oder andere, goldene Haarsträhne in ihr Gesicht zu wehen. Belaeus, Archivar der Turmbibliothek, dessen Aussenhaut sie wie Läuse durchschritten, nahm keinen Anstoß daran. Warum sollte er auch, fehlte es ihm doch längst an jedwedem Haar, auf seinem vom Leberflecken gezeichneten Haupt.

„Es ist schon eine Weile her, seit jemand um Einsicht in diesen Teil der Archive bat, Magus Wynters. Nicht mehr viele suchen in unzuverlässigen Quellen nach dem Wissen der alten Elfen, nun, wo man sie einfach selbst fragen kann.“

Fiona kam nicht umhin, eine gewisse Bitterkeit in der Stimme des alten Mannes zu hören. Ein Teil von ihr konnte sie nachvollziehen. „Bücher vergessen nicht. Elfen bisweilen schon. Außerdem ist es einfacher, verstaubten Zeilen ihre Geheimnisse zu entlocken, als Jenen, die in uns nicht mehr als spielende Kinder sehen.“ Mit einem amüsierten Ausdruck hoben sich ihre Mundwinkel an. „Eigentlich solltet ihr es sein, der das geschriebene Wort verteidigt. Nicht ich.“

Mit einem abfälligen Brummen winkte Belaeus ab und entblößte dabei seine knöcherne Hand, über die sich pergamentgleiche Haut spannte. Tock… Tock… Tock… Tock… Der Archivar beschleunigte sein Tempo und zwang sie, ihre Schritte anzupassen. „Man sagt, ihr habt euch noch immer nicht gänzlich von der Provinzpolitik losgesagt. Was hält euch noch bei diesen…“ der Archivar fuchtelte auf der Suche nach dem rechten Wort herum, entschied sich letztlich jedoch für ein schnaubendes „…Leuten.“

In stiller Anerkennung erwies sie dem alten Mann ihren Respekt dafür, wider erwarten derart informiert zu sein. Sie entschied sich, es als Geste der Wertschätzung anzusehen. Immerhin begleitete er ihren magischen Werdegang schon, seit sie ein kleines Mädchen war. Doch noch ehe sie die Chance hatte antworten zu können, wechselte er bereits das Thema. „Das Wissen, das ihr sucht, ist nicht ungefährlich.“ mahnte er in einem Ton, der sie an die Lehrmeister ihrer Studienzeit erinnerte. „Wissen selbst ist nicht gefährlich. Nur die Art seiner Anwendung.“ entgegnete sie, nur um ein neuerliches Schnauben seines Missfallens zu ernten. „Die Selbstgefälligkeit der Jugend spricht aus euch. Ihr seid rücksichtslos.“ „Ich bevorzuge ambitioniert.“ erwiderte sie leichthin. Im ersten Moment konnte sie nicht sagen, ob Belaeus von einem Hustenanfall heimgesucht wurde, oder lediglich trocken auflachte. „Meiner Erfahrung nach gehen diese Eigenschaften Hand in Hand.“ „Die Erzmagierin bürgt für mein…“ Lästig, als wolle er eine Fliege verscheuchen, winkte der Archivar mit seiner knöcherigen Hand ab. „Ja, ja, ich weiß, ich weiß. Die Familie steht hinter ihren Welpen. So war es schon immer.“

Sie waren am Ende des Säulenganges angekommen. Schnaubend stützte Belaeus sich auf seinen Gehstock und knirschte, als er seinen gekrümmten Rücken streckte. Es klimperte eisern, als er einen Satz, für diese Stadt erschreckend unmagischer, Schlüssel hervorholte. „So. Da wären wir. Ihr seid vielleicht kein kleines Mädchen mehr, aber das heißt nicht, das ich euch nicht noch immer zu Bücherdienst verdonnern kann. Also macht mir keine Unordnung.“

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Ein Push gegen die Vergessenheit! Ausserdem Schleichwerbung für Krönungsfest auf Hohenwacht (04.-06. September)

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((Kein wirkliches Update, nur ein wenig Geschreibsel aus Langeweile.))

Echos der nahen Vergangenheit

„Was quält dich?“ hauchte Fiona mit leiser Stimme. Ihre Fingerspitzen kribbelten, als sie behutsam über die knisternde Außenhaut ihres Bindungszaubers glitten. Ein Farbenspiel aus Blau, Violett und Weiß tänzelte in verschwommenen Mustern vor ihren Augen, schnell und unbeständig, wie Wasser in einem strömenden Fluss. „Lass mich dir helfen. Ich möchte nur verstehen.“ Das tiefe Grollen und der Donnerknall strapazierter Energie waren ein starker Kontrast zu ihren sanft gesprochenen Worten. Das Elementar im Inneren wehrte sich. Muskeln aus dickem Stein spannten sich, stark genug um einen Menschen wie ein Zweig zu zerbrechen. Mit irrem Blick aus glühenden Augen riss und zerrte es an den unwirklichen Fesseln, die es banden. Urtümliche Schreie gepeinigten Zorns hallten gedämpft an ihr Ohr. Seufzend nahm Fiona ihre Hand von der Zauberbindung und trat fort von der Kreatur, die sie um mehr als das doppelte überragte.

„Arkanis? Notiere bitte.“ Es raschelte, als ihr kleiner, bläulicher Familiar seine Zettel sortierte und seine Schreibfeder in das kleine Tintenfässchen tunkte, das er mitgebracht hatte. Leuchtende Augen starrten erwartungsvoll zu ihr hoch, als seine so fremdartige und unmenschliche, zugleich jedoch kultivierte und überaus höfliche Stimme aus einem formlosen Gesicht erklang, das keinen Mund besaß, der hätte sprechen können. „Wir sind aufnahmebereit, verehrte Magistra. Wir sind nützlich.“

Fiona sog tief Luft ein und wandte sich der nahen Küste des Sunds von Tiragarde zu. Dunkles Wasser erstreckte sich vor ihr, hier und dort von einem Fischerboot oder einem größeren Schiff unterbrochen, die sich vor den bräunlich-grauen Steinflanken der weit entfernten Küste des gegenüberliegenden Ufers abzeichneten. „Auch nach dem vierten Versuch verweigert das Elementar jeden Kontaktversuch und zeigt aggressives Verhalten. Gesten der Respektserbietung erweisen sich als wirkungslos. Beteuerungen der Hilfsbereitschaft oder der Unterwürfigkeit zeigen keine Reaktion, ganz gleich ob sie in Kalimag, Terran oder einem anderen Dialekt ausgesprochen werden. Es hat nicht den Anschein, als könnte mich der Proband überhaupt verstehen. Die Hypothese scheint sich zu erhärten, das die Feindseligkeit nicht aus territorialem Verhalten oder einer Antipathie gegenüber humanoiden Wesen herrührt, sonder ihre Ursache in einer Form beherrschenden Wahns hat.“

Sie hörte Arkanis Schreibfeder kratzen, während ihr Blick den Flug einer Gruppe Möwen vor dem grauen Himmel verfolgte. „Die Verhaltensmuster decken sich nach wie vor mit denen früherer Beobachtungen aus den Tagen des Vierten Kriegs. Ich kann nicht einschätzen, ob der degenerative Effekt des Minerals permanenter Natur ist, oder eine Entfernung der Auswüchse aus dem Körper für eine partielle oder gar vollständige Rückkehr zu normalen Verhaltensweisen führen kann. Fürderhin ist unklar, ob eine Zerstörung der körperlichen Form und eine anschließende Neuformung des Probanden in seiner Heimatebene den Leidenseffekt durchbrechen kann. Ich hege die Hoffnung, dass tiefergehende Versuche zumindest indizienhafte Anhaltspunkte geben werden. “ Fiona beendete ihr Diktat und wandte sich wieder ihrem unwilligen Schützling zu. Es hatte zu toben aufgehört, doch sein von Wahn gemarterter Blick verharrte noch immer auf ihr. Die spitzen Stacheln bläulich-güldenen Azerits, die wie Fremdkörper aus seinem Rücken sprossen, hatten ihr hypnotisch funkelndes Licht verloren, das sie einst besessen hatten.

„Sie haben dich vergessen, nicht wahr?“ sagte sie, wohl wissend, keine Antwort zu erhalten. Sie sah sich um und musste freudlos auflachen. Die Erde des Küstenstreifens war noch immer aufgebrochen und zerklüftet, Felsgestein ragte in abgebrochenen Formen in den Himmel, als hätte die Erde selbst sich wie bei dem Ausbruch eines Vulkans aufgebäumt und war dann in einen Krater zusammengefallen. Risse durchzogen das Gestein und selbst den Boden wie ein feines Adernetz. „Vor ein paar Monaten noch wären tausende für diesen Ort gestorben. Vielleicht hatten sie das auch. Aber jetzt? Wer schert sich noch um eine Quelle, die nicht mehr sprudelt.“ Fiona konnte gut erkennen, wo das Azerit abgebaut worden war. Zerbrochen Felsen, wie sie nur unter Spitzhacken entstehen konnten. Ausgetrocknete Kraterteiche, die einstmals in dem goldenen Licht der Schöpfung glitzerten. Vorsichtig neigte sie sich hinab und lies ihre Hand durch den ausgebleichten Boden fahren, der noch immer vom blassen Goldton gezeichnet war. Selbst jetzt noch überkam sie ein Gefühl, das sie kaum in Worte fassen konnte. Es war, als würde sich ihr der Kosmos öffnen. Fiona verstand nicht, was genau sie fühlte, dachte oder sah. Sie wollte nach den Offenbarungen greifen, konnte es jedoch nicht. Es war wie der Blick auf eine wundervolle, eine elegante, eine mächtige Sprache, die sie weder sprechen noch verstehen konnte. Sie zog ihre Hand aus den Resten des Azeritstaubs und musste einen tiefen Atemzug nehmen, um die wundersamen Gedankenfragmente und Eindrücke sacken zu lassen.

„Glaubst du, den anderen geht es auch so wie dir?“ fragte sie das Elementar und schüttelte langsam den Kopf. „Noch immer rasend, noch immer gefangen in ihrem Wahn? Was hat das Azerit dich sehen lassen? Kannst du es noch immer sehen?“ Fiona suchte den Blick seiner goldenen Augen und zwang sich zu einem traurigen Lächeln… „Wird die Zeit dich heilen können? Gibt es dort draußen noch immer neue Quellen, noch immer mehr von solchen wie dir? Oder ist es vorbei? Bist du einer der letzten, die all das durchleben müssen?“ Wieder keine Antwort. Nur Schreie der Wut und das ächzten strapazierter Bindungszauber. „Wir finden einen Weg. Irgendwie finden wir ihn.“

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Die Tür knarrt beim aufdrücken. Der Staub in den Lichtstrahlen, die durch das Fenster gelangen, macht den ersten Eindruck nicht besser. Gewartet hat hier in dem Haus niemand, blieb es doch immerhin ungeplündert während ihrer Reisen. In dem Briefkasten lag auch kein Brief. Ob man es gänzlich vergessen hat inzwischen? Die Fenster werden geöffnet um die kalte Luft zu begrüßen und ein wenig Staub aus der Luft heraustragen zu lassen. Dann erst setzte man sich und ging die letzten der älteren Dokumente durch. Das letzte Schreiben ist offensichtlich schon eine Weile her.

Eilig schnappte sie sich ein leeres Pergament und holte aus dem Vorrat ein neues Tintenfässchen, war das alte doch längst eingetrocknet. So begann sie dann einen neuen Brief an das Geschlecht des Marktgrafen zu schreiben. Würden die alten Pläne verworfen werden, musste sie sich wieder einmal unter die feine Gesellschaft mischen. Ein kurzes Kopfschütteln folgte, war es doch ein Gedanke, mit dem sie sich abfinden musste.

((Kleines Püschchen))