[A/RP] Mondklingen (ehemals Orden der Dalanari)

Stand: 12.05.2019

Allgemeine Informationen zum Orden (IC)
Der Orden der Dalanari entstand während des Krieges der Ahnen und wurde von den Angehörigen einiger Wachregimenter gegründet und hat sich später dem Zirkel des Cenarius angeschlossen.

Im Auftrag des Zirkels beteiligte sich der Orden an zahlreichen Kriegen und Konflikten, um sowohl die Druiden zu schützen als auch die Bedrohung für die Natur und das Leben zu bekämpfen. Beispiele hierfür sind der Krieg gegen die Satyrn, der Krieg der Sandstürme, dem zweiten Krieg gegen die Brennende Legion (besser bekannt als der Dritte Krieg) sowie allen weiteren Konflikten einschließlich des Krieges gegen den Lichkönig in Nordend.

Der Orden der Dalanari besitzt ein Wappen. Hierbei handelt es sich um eine Mondgleve mit einer Bärentatze im Zentrum. Jeder Dalanari trägt es als eine Art Abzeichen an seiner Brust.

Der Wappenrock hingegen zeigt auf blauem Hintergrund den Baum Nordrassil. Dies kennzeichnet die Zugehörigkeit zum Zirkel des Cenarius.

Das Kommando des Ordens war seit den Anfängen immer in der Hand der Familie Sternenstaub, die zu den Mitbegründern des Ordens gehört.

Die jetzige Kommandantin, Avalora Sternenstaub, versucht, den Orden in neue Zeiten zu führen, ohne dabei die Traditionen ihres Volkes zu missachten.

In der Vergangenheit waren die Dalanari lediglich ein militärischer Orden innerhalb des Zirkels des Cenarius und nur ihm Rechenschaft schuldig.

Nach dem neuerlichen Angriff der Legion war jedoch klar, wie wichtig die Zusammenarbeit war. Aufgrund der Berichte entschieden der Zirkel des Cenarius sowie der Tempel in Darnassus, dass die Dalanari enger mit den Schildwachen verbunden werden sollten. Da die Schildwachen laut Verfügung des Tempels und des Zirkels dem Oberbefehl von Avalora Sternenstaub unterstehen, wurde die Mondpriesterin Arilean Mondnebel zur Vertreterin und Beraterin der Kommandantin.

Aufgrund dieser Veränderungen änderte Avalora Sternenstaub die Ränge innerhalb des Ordens, um sowohl dem Zirkel als auch der Schwesternschaft gerecht zu werden.

Das Hauptquartier des Ordens der Dalanari befindet sich in Feralas in der Mondfederfeste. Da die Dalanari und die dortigen Schildwachen von Anfang an eng zusammenarbeiteten, ändert sich nach der Verfügung seitens der Schwesternschaft und des Zirkels nichts.

Es gibt noch ein Außenpostenbüro mit weiteren in Planung. Der Hauptaußenposten befindet sich in Sturmwind (Büro) und im angrenzenden Dämmerwald im Zwielichthain (eigentlicher Außenposten).

Völker innerhalb des Ordens
Der Orden besteht überwiegend aus Nachtelfen. Jedoch sind auch Worgen gern gesehene Mitglieder.

OOC

Was stellen wir dar?

Wir sind ein militärischer Orden. So gibt es militärische Ränge, Befehle und dergleichen. Es gibt jedoch auch genügend Möglichkeiten, das Militärische außen vor zu lassen.

Was ist mit Zivilisten?
Charaktere, die nicht zwangsläufig Soldat sein wollen, sind ebenfalls willkommen. Jede Einheit benötigt zivile Angestellte, die zum Beispiel für das leibliche Wohl sorgen oder sich um die Rüstungen und Waffen kümmern. Möglichkeiten gibt es viele.

Was ist mit RP-Anfängern?
Anfänger sind herzlich willkommen. Egal ob Hilfe bei der Charaktergeschichte oder Nachfragen in Bezug auf Lore, wir bieten jede mögliche Unterstützung an.

Bilden wir auch Charaktere aus?
Das tun wir. Die Ausbildung erfolgt entweder nach einer Art Ausbildungsplan oder spontan, falls euer Charakter etwas Bestimmtes erlernen will.

Wo sind wir zu finden?
Zu finden sind wir auf Seiten der Allianz.

Der Orden hat seinen Hauptsitz in Feralas in der Mondfederfeste. Jedoch verfügt er über ein Außenpostenbüro in Sturmwind. Der eigentliche Außenposten befindet sich im Zwielichthain im Dämmerwald.

IC sind wir überwiegend in Sturmwind anzutreffen, um unseren Verbündeten dort beizustehen oder einfach nur, um die Kontakte zu pflegen. Das bedeutet aber nicht, dass wir die ganze Zeit in Sturmwind sein müssen.

Welches Rassen nehmen wir auf?
Nachtelfen
Worgen

Welche Klassen nehmen wir auf?
Krieger
Jäger
Schurken
Druide
Priester
Mönch
Magier

Welche Klassen nehmen wir NICHT auf?
Todesritter
Dämonenjäger
Hexenmeister

Wen könnt ihr ansprechen?
Ihr könnt jedes Gildenmitglied ansprechen, sollte ich (Avalora-DieNachtwache) nicht online sein.

Wie könnt ihr uns erreichen?
Hier habt ihr mehrere Möglichkeiten:

  1. Ihr schreibt oder spielt uns ingame an.

  2. Ihr schickt einen Ingame-Brief an Avalora-DieNachtwache oder Dalaneira-Forscherliga, sollte mal keiner von uns da sein.

  3. Ihr erstellt im Nachtliga-Forum einen neuen Beitrag unter “Orden der Dalanari - Bewerbungen”

https://www.nachtliga-forum.net/viewforum.php?f=147

Wollt ihr erst etwas mehr über den Orden erfahren oder solltet ihr vorab Fragen haben, dann könnt ihr auch einfach eine PN an Avalora-DieNachtwache schreiben.

  1. Ihr erstellt auf unserem externen Forum einen neuen Beitrag unter “Werdet ein Streiter des Ordens - Bewerbungen”
https://www.dalanari.de

Auch hier habt ihr nach Anmeldung die Möglichkeit, eine PN an Avalora zu schreiben.

  1. Ihr schreibt mich über meinen Battletag an:

Carilean#2479

Haben wir eine Wiki-Seite?
Ja, haben wir. Dort könnt ihr mehr über den Orden erfahren.

https://forscherliga.wikia.com/wiki/Orden_der_Dalanari
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Arilean Mondnebel erhob sich seufzend vom Rand des Mondbrunnens. Ihre Befürchtungen hatten sich bestätigt. Sie selbst hatte seit der Rückkehr von Avalora mehrfach versucht, mit dieser zu reden, vor allem, als sie im Lazarett lag. Doch schnell hatte sie feststellen müssen, dass Avalora nicht reden wollte. Sie wollte noch nicht einmal im Lazarett bleiben. Dieses Mal ließ sie sich auch nicht zur Vernunft bringen.

Shan’do Nachttänzer hatte der Mondpriesterin eine Nachricht zukommen lassen, in der auch er seine Besorgnis über den Zustand der Kommandantin mitteilte. Zugleich hatte er eine Bitte geäußert. Diese Bitte wollte Arilean nun der Person vortragen, die die Möglichkeiten dazu hatte.

Die Mondpriesterin atmete tief durch und strich ihre Robe glatt. Dann machte sie sich auf den Weg zu den Quartieren. Tatsächlich fand sie die gesuchte Person dort, Calithilien Sturmfeder.

Die zivile Beraterin für magische Angelegenheiten und Avaloras Tante mütterlicherseits saß nachdenklich über einem Buch, als Arilean auf sie zutrat.
„Schwester Sturmfeder, habt Ihr einen Moment für mich?“, fragte die Priesterin direkt.
Calithilien sah auf und erhob sich dann, um sich vor Arilean zu verneigen.
„Natürlich, Hoheschwester. Was kann ich für Euch tun?“
„Wir benötigen Eure Fähigkeiten als Magierin. Wir wissen in Bezug auf Avalora nicht mehr weiter.“
Calithilien nickte seufzend.
„Sie lässt noch immer niemanden wirklich an sich heran, nicht wahr?“
„Leider nein. Selbst ihren Säbler nicht, und der war, wie Ihr wisst, unsere Hoffnung. Allerdings ist Shan’do Nachttänzer auf eine andere Idee gekommen. Genau dafür brauchen wir Eure Fähigkeiten. Würdet Ihr einen Suchzauber wirken?“
„Wen oder was soll ich finden?“, fragte Calithilien nur.
„Die Familie der Kommandantin“, antwortete Arilean und zögerte einen Moment. „Und auch die Eure. Euren Vater und Euren Bruder.“
Calithilien erstarrte einen Moment, atmete dann tief durch und nickte schließlich.
„Wenn es meiner Nichte hilft, sie alle um sich zu haben, dann soll es so sein. Ich werde die entsprechenden Vorbereitungen treffen und dann den Zauber wirken. Allerdings kann es dauern, bis so ein Zauber ein Ergebnis liefert, wenn man das Suchgebiet nicht eingrenzen kann.“
„Leider wissen wir nicht, wo genau sich die einzelnen Personen aufhalten. Sobald Ihr jedoch Ergebnisse habt, setzt mich davon bitte in Kenntnis.“
„Natürlich, Hoheschwester“, sagte Calithilien und neigte ihr Haupt.
Arilean nickte zufrieden.
„Viel Erfolg, Schwester Sturmfeder“, sagte sie mit einem aufmunternden Lächeln und ließ die Magierin dann allein.

Calithilien atmete tief durch. In Bezug auf ihre eigene Familie tauchten unschöne Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit auf. Doch ihrer Nichte zuliebe schob sie sie beiseite und machte sich daran, alles für den umfangreichen Suchzauber vorzubereiten, den sie am nächsten Tag wirken wollte.

Schon früh war Calithilien nach einigen Stunden Schlaf auf den Beinen. Sie wollte so zeitig wie möglich mit dem Zauber anfangen. Als Hilfsmittel dienten ihr eine ausgebreitete Karte von Azeroth und ein an einer Halterung befestigtes Pendel, welches über der Karte schwebte. In Griffweite lagen ein Stück Pergament und ein Stift, um die jeweiligen Aufenthaltsorte zu notieren.

Calithilien setzte sich an den Tisch, schloss einen Moment lang die Augen und konzentrierte sich. Dann sprach sie die Zauberformel und fügte den Namen der Person ein, die sie finden wollte. Sie würde die Formel für jede Person neu sprechen müssen. Als sie den Zauber aktiviert hatte, öffnete sie die Augen wieder, sah auf das Pendel und die Karte und wartete.

Nur langsam setzte sich das Pendel in Bewegung. Erst schwang es im Kreis, als könnte es sich noch nicht entscheiden. Dann begann es, langsam auszuschlagen. Es zeigte in Richtung Kalimdor. Deshalb schob Calithilien die Karte so unter das Pendel, dass nur Kalimdor unter ihm lag.

Es verging einige Zeit, bis das Pendel den ersten Aufenthaltsort gefunden hatte, und Calithilien notierte Namen und Ort, ehe sie die Karte wieder komplett unter das Pendel schob und den nächsten Suchzauber wirkte.

Stunden vergingen, doch schließlich hatte Calithilien alle Personen gefunden, die gefunden werden sollten.

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Es vergingen einige Tage, doch dann kehrten die ausgesandten Späher zurück und erstatteten Arilean Mondnebel Bericht. Diese wiederum informierte Calithilien Sturmfeder und Elyedriel Herbstlaub. Die Späher waren erfolgreich gewesen und hatten die Nachrichten überbringen können. Sofort schickte Arilean einen Boten zur Mondlichtung, um dort Cyaerian Nachttänzer Bericht zu erstatten.

Die Zeit des Wartens nutzten Arilean, Calithilien und Elyedriel, um abwechselnd ein Auge auf die Kommandantin zu werfen und zu versuchen, die von Elyedriel mitgebrachten Geschenke und Nachrichten an diese zu übergeben. Jedes Mal wurden sie fortgeschickt, bis sie schließlich resignierten und die Geschenke und Nachrichten in das Quartier ihrer Kommandantin brachten. Sie beschränkten sich deshalb nur noch aufs Beobachten, da sie sich weiterhin Sorgen machten.

Auf der Mondlichtung wartete auch Cyaerian Nachttänzer, vor allem nachdem er den Bericht der Mondpriesterin erhalten hatte.

Schon einige Tage später hatte zumindest das Warten auf der Mondlichtung ein Ende. Nach und nach trafen die Empfänger der Nachrichten ein: Garin Sternenstaub, Araes Sternenstaub, Selenya Sternenstaub sowie Thoraen Dämmerklinge und Aydryn Dämmerklinge.

Cyaerian bestellte sie alle zu sich an einen abgeschiedenen Ort außerhalb von Nachthafen.
„Also, warum sollten wir hierher kommen?“, fragte Thoraen direkt. „Die Nachricht war ja sehr vage gehalten.“
Cyaerian sah erst ihn, dann Aydryn und schließlich Garin, Araes und Selenya an.
„Es geht um Avalora“, begann Cyaerian ernst und berichtete ihnen dann in allen Einzelheiten, was seit der Trennung der Familie geschehen war. Vor allem konzentrierte er seinen Bericht auf die Geschehnisse des Kriegs der Dornen und allem, was sich danach zugetragen hatte.
Die fünf Kaldorei hörten ihm mit besorgten und zugleich ernsten Mienen zu.
Schließlich endete Cyaerian und sah die fünf nacheinander an. Eine unangenehme Stille herrschte gerade vor, die geradezu erdrückend war.
Garin wechselte einen Blick mit den anderen, ehe er das Schweigen brach.
„Ich fasse zusammen: Meine Enkelin hat im Krieg der Dornen die Hälfte ihrer Leute verloren und war an der Evakuierung Teldrassils beteiligt. Seitdem war sie traumatisiert. Richtig?“
Cyaerian nickte als Bestätigung.
„Daraufhin hat sie in Sturmwind um Unterstützung ersucht, um in Dunkelküste bei der Rückeroberung zu helfen. Diese Unterstützung wurde ihr von mehreren Seiten gewährt und man brach schließlich auf. Im Verlauf dieser Mission traf sie einige Fehlentscheidungen und verhielt sich nicht so, wie man es von ihr erwarten würde. Gegen Ende der Mission traf sie eine fatale Fehlentscheidung, die sie beinahe das Leben gekostet hätte, während der Rest die Rückreise antreten konnte?“, fuhr Garin fort.
Erneut nickte Cyaerian.
Garin atmete tief durch.
„Wo ist sie jetzt?“
„In Feralas“, antwortete der Erzdruide knapp.
„Hat jemand ein Auge auf sie?“, fragte nun Selenya.
„Schwester Mondnebel in erster Linie, aber auch alle anderen vor Ort. Doch niemand findet Zugang zu ihr. Sie schickt wohl alle fort, die einen Versuch wagen, sich ihr zu nähern. Selbst ihren Säbler hat sie fortgeschickt. Niemand findet Zugang zu ihr. Sie ist verschlossener denn je und zieht sich mehr und mehr zurück.“
Garin rieb sich über die Nasenwurzel.
„Ich sehe, die Lage ist sehr ernst. Das erklärt, warum wir hierher kommen sollten“, sagte er und sah dann Selenya, Araes, Thoraen und Aydryn einen Moment lang an. Sie alle nickten ihm zu.
Garin wandte sich an Cyaerian.
„Shan’do, wir werden sofort nach Feralas aufbrechen.“
Cyaerian nickte.
„Das habe ich vermutet. Nur eines noch: Seid Ihr bereit, den Dienst wieder aufzunehmen und Eure alten Positionen zu besetzen?“
Erneut wechselte Garin einen Blick mit seinen Kindern, ehe er Cyaerian wieder ansah.
„Wir sind bereit. Allerdings habe ich dazu eine Anmerkung.“
„Nur zu“, meinte Cyaerian.
„Uns ist durch Euren Bericht bewusst, dass Avalora sehr viele und teils auch schwerwiegende Fehler begangen hat. Uns ist auch bewusst, dass sie dafür die Konsequenzen wird tragen müssen. Dennoch bitte ich als ihr Großvater darum, ihr zumindest in Feldeinsätzen das Kommando zu lassen. Meine Kinder werden alle Hände voll mit den Soldaten zu tun haben, die ihnen unterstehen werden. Ich selbst werde nicht mehr zu allen Einsätzen ausziehen können. Die Zeiten sind für mich vorbei. Ich werde mich nicht weigern, sollte es erforderlich sein. Doch die Einheit in ihrer jetzigen Form ist allein Avaloras Verdienst, und das sollte berücksichtigt werden. Würdet Ihr sie vollständig des Kommandos entheben, wie es nach solchen Fehlentscheidungen sein müsste, dann wird alles umsonst gewesen sein. Selbst unsere Anwesenheit würde dann nichts bringen. Wir würden Avalora verlieren, und zwar endgültig“, sagte Garin und seine Kinder Selenya und Araes nickten.
Cyaerian sah erst die drei nachdenklich an und dann Thoraen und Aydryn. Auch deren Blicken waren ernst, als sie zu Garins Worten nickten.
„Auch wenn wir zu Avalora nie das Verhältnis hatten wie Garin, Selenya und Araes, so können wir das nach unserem Kenntnisstand nur bestätigen“, meinte Thoraen.
Cyaerian dachte einige Momente darüber nach und nickte dann ganz langsam.
„Nun gut. Nichtsdestotrotz werdet Ihr wieder in die Dienste des Zirkels aufgenommen und in Eure ursprünglichen Ränge und Positionen erhoben. Wie Ihr das innerhalb der Einheit regelt, Garin, überlässt der Zirkel Euch“, sagte er schließlich. „Was die Bestrafung von Avalora angeht: Wir haben beschlossen, dass sie nicht des Kommandos enthoben wird. Ihre Fehler geschahen, weil ihr inneres Gleichgewicht so sehr aus den Fugen geraten ist, dass es ihr Urteilsvermögen und ihre Entscheidungen beeinflusst hat. Allerdings haben wir auch beschlossen, dass sie eine Weile so eine Art Hausarrest erhalten soll. Sie kann sich innerhalb des Kontinentes Kalimdor frei bewegen, jedoch ist es ihr untersagt, in die Östlichen Königreiche zu reisen. Die Leitung des Außenpostens haben wir erst einmal Elyedriel Herbstlaub sowie Sírdhemiel Wildpfeil als Stellvertreterin übertragen.“
Garin atmete tief durch und nickte dann.
„Danke, Shan’do. Was Avaloras Zustand betrifft: Ich denke, niemanden hätte das kalt gelassen, was sie durchlebt hat. Avalora war schon immer sehr herzlastig. Dass sie sich zurückzieht, ist unsere Schuld. Wir hätten für sie da sein müssen.“
„Niemand gibt Euch die Schuld“, widersprach Cyaerian. „Geschehen ist geschehen. Jedoch habe ich die Hoffnung, dass sich jetzt alles ändern wird. Was mich auf etwas anderes bringt.“
Er sah zu Thoraen und Aydryn.
„Ihr wisst, wer noch vor Ort ist?“, fragte er.
„Calithilien“, antwortete Thoraen mit einem leichten Nicken. „Wir wussten es schon länger.“
„Mein Vater und ich sind wohl endlich vernünftig geworden, denn eine Versöhnung mit meiner Schwester ist wohl längst überfällig“, ergänzte Aydryn.
Cyaerian nickte.
„Ich bin froh, das zu hören. Es ist Calithilien zu verdanken, dass wir Euch gefunden haben. Allerdings frage ich Euch: Wie sieht Eure Zukunft aus? Einst wart auch Ihr im Dienste des Zirkels.“
„Wir würden wieder in seine Dienste treten und uns der Einheit anschließen, sofern Garin nichts dagegen hat“, erwiderte Thoraen und sah von Cyaerian zu Garin.
„Ich habe nichts dagegen, und ich bin sicher, auch Avalora hätte nichts dagegen“, sagte dieser.
„Dann wäre das auch geklärt. Sehr gut“, sagte Cyaerian zufrieden. „Es gibt jedoch noch etwas, was Ihr alle wissen solltet: Avalora hat ihre druidische Ausbildung abgebrochen. Doch nach allem, was ich über ihr Tun an der Dunkelküste hörte, wäre das fatal.“
Alle sahen ihn fragend an.
„Ich erkläre es Euch: Mit der Hilfe einer Lichtwirkerin hat sie eine große Gruppe Furbolgs von ihrem rasenden Zorn befreit und das Blut aus dem Schlachtfeld gezogen. Dort, wo Avalora den Boden berührte, wuchs eine blutrote Blume, umgeben von einem Flecken Gras. Die Natur ist nach Berichten anderer Druiden dort stärker und wird besser heilen. Später hat sie einer anderen Lichtwirkerin geholfen, den Fluch eines Schattenjägers von einer anderen Person zu nehmen, in einer Felshöhle.“
Garin, Selenya, Araes, Thoraen und Aydryn sahen Cyaerian ungläubig und mit jeweils hochgezogener Augenbraue an.
Cyaerian schmunzelte kurz.
„Wir haben hier alle so geschaut wie Ihr gerade, als wir davon hörten. Doch Ihr versteht nun sicher, warum Avalora die Ausbildung unbedingt fortsetzen sollte.“
Die fünf nickten.
„Ich werde dafür sorgen, dass sie es sich anders überlegt“, sagte Garin entschlossen.
„Danke. Aber Ihr solltet aufbrechen“, meinte Cyaerian.
Garin sah mit einem vielsagenden Blick zu Araes und Selenya und die beiden nickten verstehend.
„Wir bereiten alles vor“, sagte Selenya und winkte die anderen mit sich.

Cyaerian und Garin sahen den anderen hinterher. Erst als sie in einiger Entfernung war, sah Cyaerian Garin erwartungsvoll an.
„Was kann ich für dich tun, alter Freund?“, fragte er und wechselte zur vertraulichen Anrede, denn er ahnte irgendwie, dass es eher ein privates Gespräch werden würde.
„Ich wollte mich bei dir bedanken, alter Freund“, antwortete Garin.
Cyaerian sah Garin verwirrt an.
„Wofür?“, fragte er.
„Dafür, dass du dich meiner Enkelin angenommen hast und für sie wie ein Vater bist.“
„Woher weißt du das?“, fragte Cyaerian erstaunt.
„Ich habe meine Quellen“, antwortete Garin.
„Verstehe“, meinte Cyaerian schmunzelnd. „Ich werde es auch weiterhin sein, sofern sie es will und sofern es für dich auch in Ordnung ist.“
„Das ist es. Es wird Zeiten geben, in denen ich nicht zu ihr durchdringen werde. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich jetzt zu ihr durchdringen werde. Du weißt, wie stur sie sein kann.“
„Garin, das liegt bei euch in der Familie“, meinte Cyaerian trocken und mit einem vielsagenden Blick.
Garin nickte ganz langsam.
„Ja, das ist wahr“, meinte er. „Ich werde nichts unversucht lassen.“
„Halte mich auf dem Laufenden.“
„Das werde ich. Ich werde dann jetzt auch aufbrechen. Auf dann, alter Freund.“
„Auf dann, Garin. Sichere Reise und viel Erfolg.“
Garin neigte sein Haupt und schloss zu den anderen auf. Nur wenig später brachen sie nach Feralas auf.

Die Reise nach Feralas hatte eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Doch schließlich hatten sie ihr Ziel, die Mondfederfeste, erreicht. Viele der Wachen hatten ihnen erstaunt und zugleich hoffnungsvoll hinterher gesehen, als sie direkt auf den Baum, der das Büro des Kommandanten beherbergte, zusteuerten und darin verschwanden.

Wie erhofft, trafen sie oben die Mondpriesterin Arilean Mondnebel an, die sich mit Elyedriel Herbstlaub in einer Besprechung befand. Garin, Araes, Selenya, Thoraen und Aydryn ließen sich von den beiden auf den aktuellen Stand bringen.
„Nur noch einmal zur Wiederholung: Sie hat sich komplett von allem und jedem zurückgezogen und euch beiden die Führung des Ordens übertragen?“, hakte Garin schließlich mit ernster Miene nach.
Arilean und Elyedriel nickten.
Garin atmete tief durch.
„In einem Punkt kann ich euch beide vielleicht schon einmal beruhigen. Wir wurden in unsere alten Ränge und Positionen erhoben seitens des Zirkels. Somit obliegt die Führung des Ordens wieder mir, Araes und Selenya werden zusammen mit euch meine Stellvertreter sein.“
Elyedriel hob eine Augenbraue.
„Was ist mit Avalora? Wird der Zirkel sie bestrafen?“, fragte sie.
„Sie wird zumindest nicht des Kommandos enthoben. Allerdings wird sie für eine Weile unter Hausarrest gestellt. Sie wird sich innerhalb Kalimdors frei bewegen können. Allerdings darf sie nicht in die Östlichen Königreiche reisen. Deshalb hat der Zirkel entschieden, dass du, Elyedriel, zusammen mit Sírdhemiel Wildpfeil als deiner Stellvertreterin den Außenposten leiten wirst.“
Elyedriel nickte verstehend.
„Dann werde ich Aufseherin Wildpfeil davon nach meiner Rückkehr in den Dämmerwald davon berichten.“
Garin nickte dankbar.
„Arilean, dich möchte ich bitten, dich zusammen mit Araes und Selenya um die Brüder und Schwestern des Ordens zu kümmern“, sagte er schließlich und sah die drei an. „Hört euch an, was sie zu sagen haben, was sie belastet, was sie sich wünschen, was sie sich erhoffen. Versucht, sie zu beruhigen und ihnen neue Hoffnung zu schenken.“
Die drei nickten.
Garin sah zu Thoraen und Aydryn.
„Ihr beide klärt am besten erst einmal eure familiäre Situation mit Calithilien. Danach schließt ihr euch Araes und Selenya an.“
„Sie befindet sich momentan im Hauptgebäude der Feste“, sagte Arilean mit einem aufmunternden Lächeln gen Thoraen und Aydryn.
Die beiden nickten.
„Ich werde Avalora aufsuchen“, sagte Garin und sah Arilean und Elyedriel an. „Wo befindet sie sich momentan?“
„Sie sitzt an einem einsamen Punkt an der Küste. Du kannst sie nicht verfehlen. Thalanil sitzt in der Nähe“, antwortete Elyedriel. „Aber sei vorsichtig. Sie ist noch verletzt, da sie sich auch weigert, sich behandeln zu lassen.“
Garin nickte ernst und dankbar zugleich.
„Bevor wir uns alle auf unsere Aufgaben stürzen, solltet ihr die Rüstkammer aufsuchen“, meinte Arilean. „Ihr seid nun alle wieder Teil des Ordens, und das sollen die Brüder und Schwestern hier auch sehen.“
„Guter Einwand. Also erst zur Rüstkammer und dann an die Arbeit“, sagte Garin und verließ auch schon das Büro.
Die anderen folgten ihm.
Gemeinsam machten sie sich erst auf den Weg zur Rüstkammer. Schnell fanden sich die entsprechenden Rüstungen für die fünf. Arilean händigte jedem von ihnen den Wappenrock aus, während Elyedriel zuletzt die Abzeichen an diesem anbrachte.
Arilean warf einen abschließenden kritischen Blick auf die fünf und korrigierte hier und da noch kurz den Sitz des Wappenrocks und des Abzeichens. Erst dann nickte sie zufrieden.
„Dann ab an unsere Aufgaben“, sagte Garin, nachdem er das Nicken der Mondpriesterin gesehen hatte, und machte sich direkt auf den Weg.
Die anderen folgten ihm nach und nach, um ihren Aufgaben nachzugehen.

Garin kannte die einsamen Punkte an der Küste auswendig. Es war nicht das erste Mal, dass sich seine Enkelin an einen dieser Punkte zurückzog. Dieses Mal musste er nur nach ihrem schneeweißen Säbler Thalanil Ausschau halten, um sie zu finden.
Tatsächlich musste er nicht lange suchen. Bereits an der zweiten Stelle entdeckte er den Säbler, der mit hängenden Ohren im Gras hockte und in Richtung Küste starrte. Hin und wieder kam ein leiser klagender Laut von ihm.
Garin näherte sich langsam und vorsichtig, um dem Säbler Gelegenheit zu geben, seine Witterung aufzunehmen, was dieser nur einige Augenblicke später tat und den Kopf zu Garin drehte. Die Ohren des Säblers zuckten, und er gab erneut einen leisen, klagenden Laut von sich.
Garin trat neben ihn und legte ihm behutsam die Hand auf den Kopf.
„Ich werde mich um sie kümmern“, sagte er ganz leise zu Thalanil und kraulte ihn sanft hinter den Ohren.
Der Säbler drehte den Kopf in die Richtung, in die er schon die ganze Zeit vorher gestarrt hatte. Garin folgte seinem Blick und entdeckte seine Enkelin, die in zusammengesunkener Haltung auf einem Stein saß und vor sich hin starrte. Die Kämpferin, die sie immer gewesen war und zu der er sie erzogen hatte, war verschwunden. Die Person, die dort saß, hatte nichts mehr mit der zu tun, die er so gut kannte. Gerade das steigerte seine Sorge um seine Enkelin noch mehr. Er atmete tief durch, kraulte Thalanil noch einmal kurz beruhigend hinter den Ohren und ging dann langsam auf seine Enkelin zu.

Es war kein gutes Zeichen, dass sie ihn nicht bemerkte. Normalerweise waren ihre Sinne sehr gut. Garin verengte die Augen und blieb schließlich nur wenige Schritte von ihr entfernt stehen.
„Kommandantin Sternenstaub“, sagte er mit verstellter Stimme.
Ein genervter Seufzer kam von Avalora.
„Geht weg!“, erwiderte sie mit einem kalten, abweisenden Tonfall.
Garin hob eine Augenbraue und schüttelte den Kopf. Dann trat er näher und blieb dicht hinter ihr stehen.
„Ich werde nicht weggehen, mein Kind“, entgegnete er sanft aber bestimmt.
Er konnte sehen, wie sich ihre Körperhaltung versteifte, doch sie sah ihn nicht an. Er trat noch näher und ließ sich neben ihr nieder.
„Warum ziehst du dich so sehr zurück, Avalora?“, fragte er sanft.
Sie sah nur kurz zu ihm auf, doch das reichte, um ihm das Herz zu brechen. Pure Verzweiflung und Schuldgefühle schrien ihn förmlich aus ihrem Blick an.
Er rückte näher an sie heran, legte den Arm um sie und zog sie an sich, so wie damals, als sie noch ein Kind gewesen war. Aufgrund der Warnung von Elyedriel tat er das jedoch sehr vorsichtig.
„Ich habe keine Kraft mehr… Ich bin keine gute Kommandantin…“, antwortete Avalora sehr leise, und schließlich brach es aus ihr heraus. Sie erzählte ihrem Großvater alles, was sich zugetragen hatte.
Garin hörte ihr schweigend zu, während er sie weiter im Arm hielt.
„Du hast das getan, was du für richtig hieltest. Du hast Entscheidungen treffen müssen, ohne teilweise die Möglichkeit zu haben, sie zu überdenken. Deine Leute sind deinen Befehlen gefolgt, weil sie dir vertrauen. Diejenigen, die gefallen sind, taten es in Ausübung ihrer Pflicht und weil sie von der Richtigkeit deiner Befehle überzeugt waren“, versuchte Garin, sie zu beruhigen. „Es ist traurig und tragisch zugleich, und es schmerzt. Ich kann verstehen, dass du dir Vorwürfe machst, mein Kind. Aber du musst unterscheiden lernen zwischen berechtigten und unberechtigten Schuldgefühlen. So wie ich das verstehe, machst du dir Vorwürfe für etwas, was außerhalb deines Einflussbereiches lag. Du musst damit aufhören, mein Kind, oder du gehst daran zugrunde.“
Garin betrachtete Avalora einen Moment lang, doch sie schwieg und zeigte keinerlei Regung. Innerlich seufzte er.
„Deine Schuldgefühle bezüglich deines Fehlverhaltens hingegen sind berechtigt“, fuhr er fort. „Doch geschehen ist geschehen. Du kannst daran jetzt nichts mehr ändern. Du kannst jedoch daraus lernen und diese Fehler beim nächsten Mal vermeiden. Deshalb ist es wichtig, dass du wieder anfängst, nach vorne zu schauen. Du wirst gebraucht von deinem Gefährten, deinem Säbler, deinen Freunden, deiner Familie und von deinen Leuten. Sie alle machen sich Sorgen um dich.“
Avalora schwieg weiterhin und starrte auf einen Punkt in der Ferne.
„Weißt du, warum ich hier bin, mein Kind?“, fragte Garin weiter.
Avalora schüttelte den Kopf.
„Deine Leute wussten nicht mehr weiter, weil du niemanden an dich herangelassen hast. Deshalb ließ man uns suchen“, erklärte Garin.
„Uns?“, fragte Avalora leise.
„Selenya, Araes, Thoraen, Aydryn und mich. Shan’do Nachttänzer und Arilean haben uns durch Calithilien und ihre Magie suchen lassen.“
Avalora atmete tief durch. Es war offensichtlich, dass sie alles andere als begeistert war.
„So wie ich das sehe, war es auch gut so. Wir sind hier und werden dich von nun an unterstützen.“
Ruckartig sah Avalora ihren Großvater an.
„Aber…“, versuchte sie zu widersprechen, doch Garin schnitt ihr das Wort ab.
„Kein Aber, mein Kind. Es ist auch der Wunsch und Befehl des Zirkels. Wir haben allesamt den Dienst wieder aufgenommen und sind in unsere alten Ränge erhoben worden.“
Garin spürte, wie sich Avaloras Körperhaltung anspannte. Er konnte sich vorstellen, was sie gerade dachte.
„Ich bin wieder Kommandant und habe den Oberbefehl. Der Zirkel sprach sich jedoch dagegen aus, dich zu degradieren. Das hat mir Shan’do Nachttänzer versichert. Deshalb lautet meine Entscheidung, dass du bei Einsätzen Kommandantin bleibst. Ich werde nämlich nicht mehr zu jedem Einsatz mitkommen. Die Zeiten sind für mich vorbei. Doch vielleicht ist es auch für dich eine Erleichterung, wenn es jemanden gibt, der den Oberbefehl hat und du nicht mehr alle Entscheidungen allein treffen musst."
Seine Worte zeigten Wirkung, denn Avalora entspannte sich wieder etwas.
„Selenya und Araes erhalten auch ihre alten Positionen wieder. Dabei sollen sie von denen unterstützt werden, die du dafür eingesetzt hast. Allerdings wird es doch eine Änderung geben“, sagte Garin und sah seine Enkelin ernst an. „Du wirst nicht mehr für die Bogenschützen und die Tiere verantwortlich sein.“
Avalora setzte zu einen Einspruch an, doch Garin hob die freie Hand, um sie zum Schweigen zu bringen.
„Betrachte es nicht als Strafe, Avalora. Du wirst keine Zeit für den Aufgabenbereich haben“, sagte Garin.
Avalora sah ihn verwirrt an.
„Ich werde dich noch einmal unter meine Fittiche nehmen und dich zudem als meine rechte Hand benötigen“, erklärte er. „Außerdem ist da noch deine Ausbildung im Druidentum.“
„Ich habe sie abgebrochen. Durch meine Taten bin ich nicht länger würdig, den Weg des Druidentums zu beschreiten“, sagte sie leise.
„Du hast eine große Gabe, mein Kind. Eine, die lange in dir geschlummert hat. Denk an das, was du als Adeptin in Dunkelküste gewirkt hast: Die Beruhigung einer Gruppe rasender Furbolgs, die Reinigung des Bodens vom Blut mit Entstehen einer einzelnen blutroten Knospe auf einem Grasfleck, die Reinigung eines Kameraden von einem Fluch in einer Felshöhle, Unterstützung eines anderen Druiden beim Fesseln eines Titanenabbilds. Auch wenn du Unterstützung hattest oder du die Unterstützung warst, so sollte deine Gabe nicht ungeschult bleiben. Niemand zwingt dich, sie hinterher auch einsetzen zu müssen.“
Avalora schwieg. Garin ließ sich davon jedoch nicht beirren.
„Ich möchte, dass du in den Hyjal reist und die einzelnen Schreine dort besuchst. Vor allem den von Aessina. An jedem dieser Schreine wirst du ein Gebet sprechen und auf Antwort warten. Sobald du diese hast, wirst du zur Mondlichtung reisen und mit Shan’do Nachttänzer sprechen.“
„Ist das ein Wunsch oder ein Befehl?“, fragte Avalora leise.
„Beides, mein Kind. Es ist mein Wunsch als dein Großvater und mein Befehl als dein Vorgesetzter.“
„Wann soll ich aufbrechen?“
„Sobald du deine Verletzungen anständig hast behandeln lassen und sie auskuriert sind“, antwortete Garin.
Avalora verzog das Gesicht.
„Ja, ich weiß davon. Schluss damit. Wir werden jetzt beide ins Lazarett gehen und du wirst dich dort richtig behandeln lassen. Sollten die Heiler dir Bettruhe verordnen, wirst du dich daran halten. Verstanden?“
„Ja, ich habe verstanden“, erwiderte Avalora.
„Gut“, sagte Garin, nahm seinen Arm herunter und erhob sich. „Dann komm.“
Er half ihr beim Aufstehen und führte sie zum Lazarett. Thalanil folgte den beiden ein Stück, und er wirkte nicht mehr wie ein Häuflein Elend.

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Avalora ließ sich von ihrem Großvater ins Lazarett zu Elyedriel führen. Diese hob erstaunt eine Augenbraue und sah beide nacheinander an.

„Avalora ist bereit, ihre Verletzungen behandeln zu lassen und sie auszukurieren“, erklärte Garin mit einem vielsagenden Blick gen Elyedriel.

Die Oberste Heilerin nickte verstehend und sah Garin mit einem dankbaren Blick an, als Avalora an ihr vorbei zur Liege ging.

Die Behandlung selbst dauerte eine Weile. Garin wich nicht von Avaloras Seite, wollte er doch selbst wissen, welche Verletzungen sie genau davon getragen hatte. Elyedriel tat ihm den Gefallen und berichtete ihm von den Wunden, die sie fand.

Garin hob dabei immer wieder eine Augenbraue und schüttelte insgeheim den Kopf. Irgendjemand musste Avalora gefunden und sie erstbehandelt haben, sonst wäre sie nicht mehr am Leben. Im Stillen dankte er der Mondgöttin für diese Person.

„Avalora, du benötigst dringend Bettruhe, damit die Verletzungen besser heilen“, sagte Elyedriel schließlich mit ernstem Unterton.

„In Ordnung“, meinte diese leise.

Garin zuckte mit einem Ohr. Er hatte trotz seiner Ansprache am Ufer mit Widerstand seiner Enkeltochter gerechnet. Doch sie schien zur Vernunft gekommen zu sein, zumindest in diesem Punkt. Er legte ihr erleichtert die Hand kurz auf die Schulter.

„Wenn etwas ist, ich bin im Büro. Ich komme aber später wieder, mein Kind.“

Avalora nickte nur, und damit gab sich Garin zufrieden. Er nickte noch Elyedriel zu und verließ dann das Lazarett.

Während der nächsten Tage, in denen sich Avalora an die strenge Bettruhe hielt, verschaffte sich Garin einen Überblick über die Geschehnisse seit seinem Weggang. Die Berichte und Aufzeichnungen stapelten sich auf dem Tisch, und er ging sie alle in chronologischer Reihenfolge durch. Gleichzeitig verschaffte er sich einen Eindruck über den Zustand des Ordens. Dazu führte er zusammen mit Arilean, Araes, Selenya, Thoraen und Aydryn Gespräche mit den Ordensmitgliedern.

Garin wusste danach, welche Anstrengungen seine Enkeltochter unternommen und welche Veränderungen sie bewirkt hatte. Er war beeindruckt, und er wollte mit Avalora zu gegebener Zeit darüber reden, um sich ihre Ideen und Vorstellungen anzuhören. Doch seine Enkeltochter musste erst wieder zu sich finden, zu dem inneren Gleichgewicht, welches ihr fehlte.

Wäre die Auflage mit dem Hausarrest nicht gewesen, hätte er Avalora auch zu den anderen Schreinen in den Grizzlyhügeln und in Val’sharah geschickt. Es gab noch einen anderen Grund. Er wusste nicht, inwieweit Avalora die Erlebnisse in Nordend und auf den Verheerten Inseln bereits verarbeitet hatte. Diese Reisen würden also erst einmal warten müssen. Es stand jedoch schon fest, dass sie sie nicht alleine antreten würde.

Garin dachte daran, wie Avalora die Auflage des Zirkels, Kalimdor vorerst nicht zu verlassen, aufgenommen hatte. Sie war weder verwundert noch schockiert gewesen noch hatte sie dagegen widersprochen. Stattdessen hatte sie es einfach mit einem Nicken zur Kenntnis genommen. Das kam ihm seltsam vor. Schließlich war Avalora immer diejenige gewesen, die sich gerne im Außenposten aufgehalten hatte. Noch schob er es auf ihren seelischen Zustand. Erst nach der Reise in den Hyjal und zur Mondlichtung würde er sehen, wie es sich wirklich verhielt.

Avalora selbst erhielt nach weiteren drei Tagen von den Heilern die Erlaubnis, das Krankenlager zu verlassen und ihre Reisevorbereitungen zu treffen. Sie wollte mit leichtem Gepäck reisen, so dass sie nur das Nötigste zusammenpackte.

Zwei Tage vor ihrer Abreise suchte Avalora ihren Großvater im Büro des Kommandanten auf. Dieser war erstaunt, sie zu sehen und musterte sie prüfend.

„Avalora, ich dachte, du bist mit den Vorbereitungen für deine Reise beschäftigt?“, fragte er.

„Die sind abgeschlossen. Ich werde nicht viel mitnehmen. Ich will Myrin nicht unnötig anstrengen“, antwortete sie und warf einen Blick auf den Schreibtisch. „Ich sehe, du verschaffst dir immer noch einen Überblick?“

Garin nickte.

„Ja, ich bin immer noch dabei. Ich bin jedoch über deine Anstrengungen und Veränderungen informiert und muss sagen, ich bin beeindruckt.

Avalora zuckte leicht mit den Ohren.

„Deshalb bin ich hier, Großvater. Ich wollte mit dir darüber reden.“

Garin sah seine Enkeltochter mit hochgezogener Augenbraue an.

„Was für ein Zufall“, sagte er schmunzelnd. „Ich wollte mit dir auch darüber reden, allerdings erst nach deiner Reise.“

„Ich weiß nicht, wann ich zurückkehre und… in welchem Zustand, Großvater. Deshalb war es mir wichtig, vorher mit dir darüber zu reden.“

Garin nickte verstehend.

„Zuerst möchte ich dir erklären, warum ich diese ganzen Veränderungen angestrebt habe. Aufgrund der Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit wurde entschieden, dass Zirkel und Schwesternschaft noch enger zusammenarbeiten. Ich meine, wir haben das hier in der Mondfederfeste ja schon von Anfang gemacht. Ich selbst sehe mich allerdings wieder mehr dem Zirkel zugehörig. Sollte es nötig sein, dann wird sich Arilean um die Schildwachen kümmern. Dennoch war ich der Meinung, dass die Ränge dementsprechend angepasst werden sollten, wenn wir zusammen mit Schildwachen in einer Einheit und unter einem Wappen kämpfen“, erklärte Avalora.

„Ein guter Gedanke“, stimmte Garin zu.

„Da ist allerdings noch etwas, Großvater.“

Garin sah Avalora fragend an.

„Und was?“

„Um unsere Einheit in neue Zeiten zu führen, möchte ich einen neuen Namen vorschlagen. Oder erinnerst du dich noch daran, warum der Orden damals genau diesen Namen erhielt?“

Garin schüttelte den Kopf.

„Nein, daran erinnere ich mich tatsächlich nicht mehr“, gab er zu.

„Siehst du.“

„Welcher Name schwebt dir denn vor, mein Kind?“, fragte Garin.

„Mondklingen.“

Garin sah Avalora nachdenklich an und nickte schließlich.

„Ich werde darüber nachdenken und mit den anderen Offizieren sprechen“, meinte er. „Welche Veränderungen schweben dir noch vor?“

„Keine weiteren, Großvater. Nur eben die Ränge, wie bereits geschehen, und der Name. Das Wappen bleibt gleich, ebenso die Rüstungen und Abzeichen. Ich will mich nicht vollständig von unserer Geschichte oder unseren Traditionen entfernen.“

Garin musterte seine Enkeltochter einen Moment lang.

„Also nur für mich zum Verstehen: Du hast die Ränge geändert, um sie an die Zusammenarbeit mit den Schildwachen anzupassen, sofern diese unter unserem Wappen kämpfen. Du möchtest den Namen der Einheit ändern, um diese in neue Zeiten zu führen, ohne jedoch von unserer Geschichte und Traditionen abzuweichen. Richtig?“

Avalora nickte.

„Richtig.“

„Das Wappen bleibt gleich, ebenso die Abzeichen und die Rüstungen?“, hakte Garin nach.

Avalora nickte erneut.

„So ist es. Unser Wappen ist bekannt und unsere Abzeichen auch. Gleiches gilt irgendwie auch für unsere Rüstungen“, antwortete sie.

Garin überlegte einen Moment und nickte schließlich.

„Wie gesagt, ich werde es mit den anderen Offizieren besprechen“, meinte er. „Du hingegen, mein Kind, wirst dich erst einmal vollständig auf deine Reise konzentrieren. Das hat für dich jetzt oberste Priorität.“

Avalora zuckte leicht mit den Ohren und nickte dann.

„Wie lange soll die Reise dauern?“, fragte sie vorsichtig.

„Solange wie es nötig ist. Du bist für die Zeit vom Dienst befreit“, antwortete Garin, erhob sich und trat auf Avalora zu. „Die Reise zu den Schreinen wird dir helfen, dessen bin ich mir sicher.“

Er sah sie mit einem väterlichen Blick an und küsste sie dann auf die Stirn.

Avalora nickte nur und löste sich von ihrem Großvater.

„Und nun geh zu deinen tierischen Gefährten. Verbring Zeit mit ihnen, verabschiede dich von denen, die hier in der Feste bleiben“, sagte Garin und scheuchte seine Enkeltochter in Richtung Tür.

Sie sah ihn mit hochgezogener Augenbraue über die Schulter an, verließ dann aber doch das Büro, um zu ihren tierischen Kampfgefährten zu gehen.

Zwei Tage später brach Avalora nach Einbruch der Dämmerung auf dem Rücken ihres Hippogryphen Myrin in Richtung Hyjal auf. Lediglich ihre Familie und ihr Säbler Thalanil hatten sie verabschiedet. Es tat Avalora leid, dass sie ihren Säbler zurücklassen musste, aber die Reise war lang und beschwerlich. Das wollte sie Thalanil nicht antun. Sie wusste jedoch, dass Selenya Thalanil während ihrer Abwesenheit beschäftigen würde.

Der Flug dauerte einige Tage, und Avalora ließ Myrin entscheiden, wann und wo er eine Pause einlegen wollte.

Schließlich sah Avalora von weitem die ersten Ausläufer des Hyjals. Die Krone der Himmel, Nordrassil, stach sofort ins Auge. Mit dem Blick auf den Weltenbaum kamen auch die Erinnerungen wieder an ihre Zeit dort vor so vielen Jahren. Nicht alle waren schön. Deshalb schüttelte Avalora kurz den Kopf, um die Erinnerungen auf diese Art zu vertreiben. Sie musste sich auf die vor ihr liegende Aufgabe konzentrieren, denn diese war schwer genug.

Sie hatte sich überlegt, den Stützpunkt der Wächter des Hyjals in Nordrassil als Ausgangspunkt zu nutzen. Deshalb würde er ihr erster Anlaufpunkt sein. Vielleicht konnten die Wächter des Hyjal, vor allem die hier anwesenden Druiden ihr einen Rat geben, mit welchem Schrein sie anfangen sollte. Sie wusste nur, dass der Hain von Aessina den Schluss bilden würde, da Aessina ihre Schutzpatronin war. Es blieben davor jedoch Malorne, Goldrinn und Aviana.

Avalora ließ Myrin in der Nähe des Weltenbaumes landen und legte den letzten Rest des Weges zu Fuß zurück. Sie wusste, dass Myrin in der Nähe bleiben würde, falls sie ihn brauchte.

Sie atmete tief durch, als sie sich dem Hauptquartier der Wächter des Hyjal näherte. Die dort befindlichen Wachen musterten Avalora erstaunt, erkannten sie sie doch wieder. Das beruhte auf Gegenseitigkeit. Silressian Windeiche und Cethras Regenklinge hatten schon hier gedient, als Avalora am Hyjal stationiert gewesen war.
„Na, sieh einer an, Avalora Sternenstaub“, sagte Silressian mit einem Schmunzeln. „Was führt dich dieses Mal hierher? Bist du versetzt worden?“
Avalora schüttelte den Kopf.
„Nein, Bruder. Nennen wir es eine Art Pilgerreise. Mein Ziel sind die Schreine, um Weisheit und… inneres Gleichgewicht zu erlangen“, antwortete sie.
Sowohl Silressian als auch Cethras musterten Avalora nach diesen Worten besorgt und prüfend zugleich. Dann nickten sie.
„Ah. Also ist an dieser Nachricht doch etwas Wahres dran“, sagte Cethras. „Am besten sprichst du mit Shan’do Winterschnee darüber. Er erwartet dich drinnen.“
Avalora sah die beiden Kaldorei wegen der Nachricht verwirrt an, doch dann nickte sie und ging nach drinnen.

Sie musste nicht lange suchen, bis sie den Druiden Branriel Winterschnee gefunden hatte.
„Shan’do Winterschnee?“, fragte sie vorsichtig.
Der Druide drehte sich um und musterte Avalora prüfend von oben bis unten.
„Ah, Avalora Sternenstaub, da seid Ihr ja endlich“, begrüßte er sie.
Avalora hob eine Augenbraue, und Shan’do Winterschnee schmunzelte leicht.
„Ich wurde über Euer Kommen schon vor einigen Tagen informiert, von Eurem Großvater“, sagte er.
Avalora nickte nur. Irgendwie hatte sie mit so etwas gerechnet.
„Also, Ihr wollt und sollt zu den Schreinen, um dort eine Antwort zu erhalten und auf diesem Wege Euer inneres Gleichgewicht wiederzuerlangen?“, fragte Branriel.
„So ist es. Ich habe nur keine Ahnung, bei welchem Schrein ich anfangen soll.“
„Ich verstehe. Nun, ich gehe davon aus, dass der Hain von Aessina an letzter Stelle steht, weil Ihr ihr Zeichen tragt. Mein Vorschlag wäre, dass Ihr beim Schrein von Goldrinn anfangt, dann den Schrein von Aviana aufsucht und als drittes das Heiligtum von Malorne, bevor Ihr dann zum Hain von Aessina geht.“
Avalora nickte. Das klang nach einer logischen Reihenfolge.
„Danke, Shan’do“, sagte sie.
„Keine Ursache“, erwiderte er. „Am besten ruht Ihr Euch heute noch von der Reise aus. Wir haben ein Quartier für Euch vorbereiten lassen.“
„Erneut meinen Dank, Shan’do“, sagte Avalora und neigte ihr Haupt.
Branriel neigte sein Haupt als Antwort und entließ Avalora damit.

Am nächsten Tag machte sich Avalora auf den Weg zum Schrein von Goldrinn. Myrin hatte sie hinfliegen wollen, doch sie musste dorthin zu Fuß gehen. Das war Teil des Weges, den sie beschreiten musste.

Schließlich erreichte sie den Schrein und grüßte die dort befindlichen Verteidiger mit einem Nicken. Es war ungewohnt für sie, nur in den rituellen Gewändern den Schrein aufzusuchen, doch auch das gehörte dazu. Zudem war sie vom Dienst befreit.

Sie näherte sich langsam dem Schrein in Gestalt einer großen Wolfsstatue. Sie fühlte sich klein daneben, nicht nur von der körperlichen Größe her, sondern auch bezüglich der seelischen Größe. Sie war früher zusammen mit anderen Kameraden vor anstehenden Schlachten hierher gekommen, um Goldrinns Beistand zu erbitten. Zudem hatten sie die Hoffnung, sich den gleichen Heldenmut anzueignen, den auch Goldrinn gezeigt hatte.

Sie kniete sich vor den Schrein und sah hinauf zur Statue. Sie erinnerte sich daran, was ihre Lehrmeister ihr über Goldrinn erzählt hatten und was sie seitdem an die Anwärter weitergab:

<Seit dem Augenblick, in dem die wilden Kreaturen Azeroths sich zum ersten Mal regten, war Goldrinn da. Er verkörpert den Geist des Jägers, den animalischen Instinkt, der erwacht, wenn wilde Wesen Nahrung riechen oder Gefahr für ihre Kinder sehen. Er erscheint als ein großer weißer Wolf, grimmig und verschlagen. Bei allen Völkern kennt man ihn. Vor zehntausend Jahren, als die Dämonen das erste Mal in Azeroth einfielen, bildete Goldrinn mit den anderen Wildgöttern eine bis zum Äußersten entschlossene Verteidigung. In diesen dunkelsten aller Tage wurde Goldrinns unbedingter Durchhaltewille zur Legende. Während andere beim Anblick der dämonischen Horden erzitterten, trieb ihre riesige Zahl den Wolf nur zu größeren Heldentaten an. Mit gebleckten Zähnen sprang er in ihre Reihen, bespritzt mit ihren Sekreten, und seine gewaltigen Klauen zerrissen sie dutzendweise.>

Avalora seufzte leise und holte die heiligen Kräuter hervor. Sie gab ein wenig davon in die kleine, ebenfalls mitgebrachte Schale, und entzündete sie dann. Dabei sprach sie die uralten Worte der Anrufung und brachte ihr Opfer dar: Eine blutrote Blüte eingeschlossen in einer Samenkapsel, die sie behutsam in die Opferschale legte. Der Rauch der Kräuter versetzte Avalora schließlich nach und nach in eine Art Trance.

Sie öffnete die Augen, obwohl sie sich nicht daran erinnerte, sie geschlossen zu haben. Die Farben waren verblasst und die Konturen der Umgebung unscharf. Sie machte sich darüber keine Sorgen, und auch Angst verspürte sie keine. Sie kannte diesen Zustand schon.

Aus einiger Entfernung drang ein Wolfsheulen an ihre Ohren. Sie wandte den Kopf in die Richtung und verspürte sofort ein Ziehen an ihr. Sie musste dorthin, das wusste sie.

Sie erhob sich langsam. Trotzdem schwankte sie einen Moment, weil ihr schwindlig wurde. Nun wurde sie doch unsicher.

Erneut drang das Heulen an ihr Ohr und das Ziehen wurde stärker. Deshalb setzte sich Avalora langsam in Bewegung.

Das Heulen begleitete ihre Schritte und wurde immer fordernder, je weiter sie sich von ihrem Ausgangspunkt entfernte.

Ihre Schritte wurden zu der Höhle unweit des Schreins geleitet. Mit jedem Schritt wurde das Ziehen stärker und das Wolfsheulen lauter. Doch als Avalora die Höhle erreichte, verstummte das Heulen plötzlich und wurde von einer absoluten Stille abgelöst.

Irritiert und verunsichert sah Avalora sich um. Jemand hatte sie zu dieser Höhle geführt. Doch hier war niemand.

Sie sah sich erneut um und richtete dann ihren Blick auf die Höhle. Doch dort war nichts außer einer undurchdringlichen Finsternis.

Langsam trat sie näher an die Höhle heran und wäre im nächsten Moment fast erschrocken zurückgeschreckt. Zwei leuchtend blaue Augen starrten sie an, nur um direkt wieder zu verschwinden.

Vielleicht hatte sie sich diese Augen nur eingebildet, redete sie sich ein. Sie atmete tief durch und trat dann noch näher an die Höhle heran, so dass sie direkt im Eingang stand. Doch noch immer konnten ihre Augen die Finsternis nicht durchdringen.

Erneut erschienen diese leuchtend blauen Augen und starrten sie an. Avaloras Herz machte einen Satz, doch sie wich nicht zurück. Sie erwiderte den Blick und hatte das Gefühl, als würde jemand ihr bis tief in die Seele schauen.

„Ich kenne dich“, dröhnte plötzlich eine Stimme aus der Höhle. „Du bist Avalora Sternenstaub, eine Kriegerin der Natur.“

Bevor Avalora darauf etwas erwidern konnte, trat ein großer weißer Wolf aus der Finsternis. Seine Umrisse waren klar, ebenso wie die Farbe seines Fells. Avalora fiel auf ein Knie und senkte ihr Haupt.

„Die bin ich“, sagte sie.

„Was führt dich zu mir, tapfere Kriegerin?“, fragte Goldrinn.

„Ich benötige deinen Rat und deine Führung“, antwortete Avalora und sah auf.

„Ich spüre ein großes Ungleichgewicht in dir, mein Kind. Du bist hin- und hergerissen“, sagte Goldrinn und schnupperte an Avalora, die trotz der Größe der Schnauze nicht zurückwich. „Ich wittere da noch etwas.“

Avalora nickte und erzählte Goldrinn dann von ihren Schuldgefühlen, von ihren Fehlentscheidungen als Kommandantin und dem Verlust vieler guter Leute unter ihrem Kommando.

„Tritt näher, mein Kind“, wies Goldrinn sie an, als sie geendet hatte.

Avalora erhob sich und trat näher an den Wildgott heran. Dieser senkte seinen Kopf und berührte Avalora vorsichtig am Kopf. Es war ähnlich eines Anstupsens. Doch Goldrinns massives Haupt blieb dicht an Avaloras dran.

„Du warst dein Leben lang Kriegerin. Du kennst das Gefühl, tapfer dein Rudel zu leiten, und du hast gesehen, dass bei allem Heldenmut auch Verluste geschehen. Du bist trotz allem nicht abgestumpft. Deine Instinkte sind immer noch scharf.“

Goldrinn legte eine Pranke auf Avaloras Schulter, und die Kaldorei wankte ein wenig aufgrund der Größe und des Gewichts.

„Du bist tapfer, mein Kind. Du hast immer verbissen gekämpft und niemals aufgegeben. Mehr als einmal hast du gezeigt, dass du dein Leben für dein Rudel und auch Rudelfremde geben würdest. “

Er nahm seine Pranke wieder runter.

„Dein Kampf ist noch nicht zuende. Noch gibt es zu viele Feinde, die gejagt und geschlagen werden müssen.“

Avalora wollte etwas erwidern, doch sie hielt inne, als sich Goldrinns Schnauze ihrem Kopf näherte. Sie versuchte tapfer zu bleiben, was nicht so einfach war. Sie erinnerte sich an die wichtigste Regel: Sie hob ihren Kopf in den Nacken und zeigte ihm ihre Kehle als Zeichen der Unterwerfung.

Doch Goldrinns Schnauze berührte lediglich ihre Stirn. Ihr wurde schwarz vor Augen und sie sackte zusammen.

Nur einen Augenblick später erwachte sie und versuchte sich, zu orientieren. Sie befand sich in der Höhle, zu der sie hingezogen worden war, und sie war nicht alleine dort. Sechs Augenpaare starrten sie an und nur kurz darauf schoben sich die Besitzer dieser Augenpaare in das spärliche Licht, das durch den Höhleneingang einfiel. Ein halbes Dutzend Wölfe scharrten sich um sie und beschnupperten sie. Avalora schluckte, doch es passierte nichts. Es schien, als würden die Wölfe ihre Gegenwart dulden.

Langsam erhob sich Avalora. Sie spürte, dass ihr von diesen Wölfen keine Gefahr drohte. Sie neigte ihr Haupt in die Richtung des Alpha-Wolfes des Rudels, drehte sich dann um und verließ langsam die Höhle. Die Wölfe folgten ihr bis zum Eingang. Dort blieben sie und sahen ihr nach.

Avalora lenkte ihre Schritte zurück zu der Statue. Dort angekommen, sammelte sie ihre Ritualutensilien ein, während sie über die Begegnung mit Goldrinn nachdachte.

Die Gedanken hielten auch noch an, als sie sich auf den Rückweg zu ihrem Quartier machte. Sie bemerkte nicht, dass die Verteidiger von Goldrinn ihr mit einem wissenden Blick hinterher sahen.

Nachdem sich Avalora einige Tage Ruhe nach dem anstrengenden Ritual gegönnt und über das Erlebte am Schrein von Goldrinn nachgedacht hatte, bereitete sie sich auf den Besuch beim nächsten Schrein vor.

Erneut trug sie die rituellen Gewänder ihres Volkes, als sie sich zu Fuß auf den Weg zum Schrein machte. Es war ein langer, anstrengender Fußmarsch, lag der Schrein doch an einem der höchsten Punkte.

Um sich abzulenken, rief sie sich die Worte ihres Lehrmeisters bezüglich Aviana ins Gedächtnis:
<Aviana ist die Herrin der Vögel. Alle geflügelten Geschöpfe Azeroths schulden ihr Treue, vor allem die die Druiden der Kralle. Ihrer Gnade verdanken die Druiden dieser Schule es, ihre Gestalt zu ändern und sich in die Lüfte zu erheben. Aviana ist wunderschön und grausam zugleich, so wie ihre Kinder, die Raubvögel. Ihr Heim war der Mutterbaum G’Hanir. Uns hingegen erscheint sie als große geflügelte Göttin. Während des Kriegs der Ahnen rief Aviana ihre Kinder zum Himmel empor und bekämpfte die Dämonen an vorderster Front. Niemand entging ihrem Zorn. Ihren wütenden Krallen fielen Hunderte zum Opfer. Doch schließlich wurde sie von Verdammniswachen umzingelt, und ihre Stachellanzen rissen die Flanken Avianas auf. Man sagt, dass selbst ihr Blut noch die Dämonen bekämpfte, während sie vom Himmel fiel. Es soll ihre Haut verbrannt und sie getötet haben. An jenem Tag starb Aviana auf dem Schlachtfeld, doch die sterblichen Völker und die Überlebenden der Urahnen triumphierten am Ende. Die ersten Druiden fanden ihren Leichnam auf dem mit Toten übersäten Schlachtfeld und trugen ihn auf den höchsten Berg des Hyjals. Sie wurde in einem Kreis heiliger Steine beigesetzt. Aus einem eingepflanzten Samenkorn G’Hanirs wuchs der Weltenbaum. Das ist alles, was von jenem heiligen Reich blieb, welches sonst mit ihr untergegangen wäre.>

Andere Erinnerungen tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Es waren traurige Erinnerungen an gefallene Freunde, die Avianas Weg gefolgt und Druiden der Kralle gewesen waren. Avalora seufzte leise und schwermütig, als sie an ihre engsten Freunde darunter dachte.

Sie blieb einen Moment stehen und sah sich um. Sehnsüchtig ging ihr Blick den Weg zurück, den sie gekommen war. Einen Augenblick lang war sie versucht, einfach umzudrehen und den Besuch am Schrein von Aviana abzubrechen. Doch sie schüttelte den Kopf und richtete ihren Blick nach vorne. Dann setzte sie sich wieder in Bewegung.

Schließlich erreichte sie den Schrein von Aviana nach einiger Zeit. Sie nickte den dortigen Verteidigern grüßend zu und begab sich direkt zum Ritualort.

Sie kniete sich hin und holte alles aus ihrer Tasche hervor, was sie für das eigentliche Ritual benötigte. Die heiligen Kräuter füllte sie in eine kleine Schale und entzündete sie. Erneut sprach sie die uralten Worte der Anrufung, und legte dann ihre Opfergabe, eine Feder von Myrin, in die Opferschale. Auch dieses Mal versetzte der Rauch der verbrennenden Kräuter Avalora nach und nach in eine Art Trance.

Sie öffnete die Augen und sah sich um. An den Anblick der verblassten Farben hatte sie sich mittlerweile gewöhnt. Langsam erhob sie sich und lauschte. Doch dieses Mal drang kein Geräusch an ihre Ohren, das sie leiten würde. Verwirrt sah sie sich um. Ihr Blick fiel auf eine einzelne Feder, die auf der Erde lag. Verwundert ging Avalora zu der Stelle und bückte sich, um die Feder aufzuheben. Doch bevor sie sie greifen konnte, wurde diese durch einen nicht spürbaren Wind aufgehoben und einige Schritte weiter getragen.

Avalora runzelte die Stirn, doch irgendetwas sagte ihr, dass sie der Feder folgen sollte. Das tat sie dann auch. Kaum näherte sie sich der Feder, wurde diese wieder einige Schritte fortgeweht. So ging es immer weiter, bis Avalora schließlich das Ziel erreichte, ein großes Nest umgeben von dichten Büschen. Ein großes Ei lag dort drinnen, eingerahmt von Federn verschiedener Vögel.

Langsam näherte sich Avalora dem Nest und dem Ei. Letzteres begann in einem sanften Licht zu leuchten, je näher die Kaldorei kam. Erst als sie das Nest und das Ei fast erreicht hatte, wurde das Licht greller, so dass sie stehen bleiben und wegsehen musste, um nicht geblendet zu werden.

„Tritt näher, Freundin meiner Kinder“, sagte eine Stimme.
Avalora wandte ihren Blick wieder zum Nest. Das Ei war verschwunden. Stattdessen schwebte dort nun die geflügelte Gestalt der Herrin der Lüfte.
Ehrfürchtig trat Avalora noch näher, wie ihr geheißen wurde.
„Was führt dich zu mir?“, fragte Aviana und legte den Kopf schief.
„Ich benötige deinen Rat und deine Führung“, antwortete Avalora.
Erneut legte Aviana den Kopf schief, dieses Mal auf die andere Seite, und betrachtete Avalora lange.
„Ich höre.“
Avalora erzählte auch Aviana von ihren Schuldgefühlen, von ihren Fehlentscheidungen als Kommandantin und dem Verlust vieler guter Leute unter ihrem Kommando.
Die Herrin der Lüfte sah Avalora forschend an.
„Freundin meiner Kinder, so wie ich das sehe, bist du hoch geflogen und tief gefallen. Deine Flügel mögen gebrochen sein, doch sie werden heilen. Wenn sie geheilt sind, dann lerne, sie wieder zu nutzen und zu fliegen.“
Aviana führte eine ihrer Klauen zu der gegenüberliegenden Schwinge und zog eine Feder heraus. Sie war weiß, schillerte jedoch perlmuttfarben.
„Diese Feder soll dich daran erinnern, dass du wieder fliegen lernst“, sagte sie und reichte Avalora die Feder.
Zögerlich nahm die Kaldorei sie entgegen.
„Noch eins, Freundin meiner Kinder“, fuhr Aviana fort. „Wenn du wieder fliegen gelernt hast, dann such mich erneut auf. Dann bringe ich dir bei, wie ein wirkliches Geschöpf der Lüfte zu fliegen.“
Avalora sah Aviana an und wollte noch etwas erwidern. Doch noch während sie den Mund öffnete, berührte Aviana sie mit einem ihrer Flügel, und Avalora sackte zu Boden.

Sie erwachte einige Meter von dem Ritualkreis entfernt. Einzig die schillernde Feder war noch da, und die Worte Avianas hallten in ihrem Kopf nach. Seufzend erhob sich Avalora und kehrte zum Ritualkreis zurück. Dort packte sie ihre Sachen zusammen und kehrte dann nachdenklicher als zuvor zu ihrem Quartier zurück.