Da bald der erste große Patch von BfA kommt, halte ich es jetzt für sinnvoll mein Feedback zum ersten Teil des Addons zu verfassen und mehrere Vorschläge zur Verbesserung (aus meiner Sicht) zur Diskussion zu stellen. Da es schon sehr viele Feedback-Threads gab, stehen vor allem die Verbesserungsvorschläge im Vordergrund.
Allgemeines/Übergang Legion zu BfA:
Mit Legion endete ein nach meinem Empfinden sehr inhaltsstarkes Addon, nach einem eher inhaltsschwachen WoD, wo viele Inhalte gestrichen wurden. Legion glänzte dadurch nocheinmal stärker. Es kamen viele neue Systeme: Weltquests, legendäre Gegenstände, Artefaktwaffen, Ordenshallen, Klassenquests- und Mounts, viele verschiedene Questreihen für verschiedene Artefaktwaffen und sogar eigens dafür zugeschnittene Herausforderungen wie den Magierturm.
BfA hatte also von Anfang an das “Problem” sich mit dem vielleicht bisher inhaltsstärksten Addon zu messen. Ich werde später noch einmal darauf zurückkommen.
Als Übergang rammte Sargeras mit letzter Kraft seine verdorbene Klinge in Azeroth, wodurch diese tödlich verletzt wurde und ihr Blut an die Oberfläche strömt: Azerit. Dieses hat extrem machtvolle Eigenschaften, da es von Azeroth selbst stammt und schon bald entfacht ein Krieg zwischen Horde & Allianz um das Azerit.
Als Pre-Event gab es einige Quests in Silithus und später Weltquests in Dunkelküste sowie die Schlachten um Teldrassil und Undercity. Aus meiner Sicht ein vom Gameplay her gelungenes Pre-Event, welches vor allem im Warmode Spaß machte wegen des Open PvP.
Für reine PvE-Spieler war das Event allerdings schnell erledigt und das Legion-Prevent (Dämoneninvasionen in Azeroth) bot hier deutlich mehr. Technisch gesehen hatte ich keine Probleme beim Übergang: Stabile Server, keine Lags, keine gravierenden Fehler. Der Start wird daher von mir als solide Empfunden.
Geschichte:
Schon seit Cataclysm lagert Blizzard immer mehr sehr wichtige Geschichtselemente komplett in die Bücher aus, wozu sich im Spiel aber nichts findet. Diese Politik erachte ich als verfehlt. So wissen viele Spieler überhaupt nichts davon, dass Sylvanas eine diplomatische Friedensveranstaltung “gesprengt” hat und am Ende sogar ihre eigenen Verlassenen hat umbringen lassen. Extrem relevant für die Geschichte, wenn es darum geht, wer den Krieg begonnen hat.
Während die vorhandene Geschichte wieder toll und hochwertig präsentiert wird und vom Grundkonzept nicht schlecht ist (hochwertige Cinematics und davon viele, vertonte NPCs, ansprechend gestaltete Quests), so klaffen doch immer größere Logiklöcher und Ungereimtheiten in der Geschichte auf. Es macht sich ein Gefühl der Beliebigkeit breit, sodass einfach kurzerhand Geschichtselemente erfunden und zurechtgebogen werden, damit sie mal eben passen. Die Geschichte soll hier aber nicht so im Mittelpunkt stehen, deswegen belasse ich es hierbei mal.
Atmosphäre/Grafik/Musik einschließlich Quests & Zonen:
Wie immer hohes Blizzard-Niveau. Erste Sahne, muss man nicht mehr viel zu sagen. Alles hochwertig und toll. Explizit ausgenommen sei hier der Uldir-Raid im Hinblick auf die Geschichte aus Allianz-Sicht.
Auch die Kriegskampagne war eher enttäuschend und nicht vertont.
Features:
In BfA haben wir als Features die Inselexpeditionen sowie die Kriegsfronten und zu guter Letzt das Azerit-Gear bekommen. Einige Elemente, die in Legion als Features kamen, wurden übernommen: Artefaktmacht (nun in Form einer Halskette), Weltquests sowie Mythisch±Dungeons.
Die Inselexpeditionen sind ähnlich wie in Mists of Pandaria 3-Spieler-Szenarien. Diese mochte ich auch schon in MoP und ich finde die Expeditionen auch in BfA grundsätzlich nicht schlecht. Eine nette Spielerei für Nebenbei.
Dennoch wurde viel Potential bei dem Feature verschenkt:
- Unklare Beutesysteme, überdominanter Zufallsfaktor
- Aufgezwungene Hetzjagden, da es nur darum geht schneller Azerit zu sammeln
- Immer gleiches Konzept, die MoP Szenarien boten da mehr Abwechslung
- PvP-Inseln, die schon sehr an 3vs3 Arenen erinnern werden mit im Meta-Erfolg für Inseln aufgenommen, was sehr unangenehm für Leute ist, die sich für Erfolge interessieren aber primär PvE spielen
- Fehlende Langzeitmotivation
Im kommenden Patch kommt nun ein Dublonenhändler, der meiner Meinung nach schon von Anfang an hätte vorhanden sein sollen. Und dieser Händler sollte auch alle Belohnungen verkaufen. Auch dies ist nicht der Fall im neuen Patch.
Viele Spieler wünschen sich ein langfristiges und klares Ziel und klar sichtbare Fortschritte auf ihrem Weg dorthin. Der Zufallsfaktor bei der Beute ist zu signifikant und fühlt sich demotivierend, sowie am Ende auch frustrierend an.
Auch warum Blizzard jede Woche nur drei Inseln zur Verfügung stellt, entbehrt für mich jeglicher vernünftigen Begründung.
Als Fazit zu Inselexpeditionen kann ich daher festhalten: Ein prinzipiell gutes Feature, welches weit hinter seinem möglichen Potential zurückgeblieben ist bisher, was durch wenige, geringfügige Anpassungen behoben werden könnte.
Kriegsfronten:
Kriegsfronten sind im Grunde PvE-Schlachtfelder, wobei man selbst Gebäude baut, Truppen ausbildet und an Ereignissen teilnimmt. Endlich findet der Konflikt zwischen Horde & Allianz auch einmal sichtbar in der normalen Welt statt und nicht nur in Kul Tiras und Zandalar. Nebenbei bekommt das Arathihochland eine optische Aufhübschung.
Auch dies ist wie ein Szenario aufgebaut, was mit dem Erstürmen der feindlichen Basis und das Töten des Kommandanten endet. Auch hier kann ich festhalten, dass die Kriegsfronten prinzipiell ganz nett sind und Spaß machen.
Nur leider ist das Feature aus meiner Sicht kein großer Wurf. Es ist eine nette Sache, die aber in kurzer Zeit durchgespielt ist. Auch hier stellt sich eine ganz ähnliche Problematik, wie bei Inselexpeditionen:
- Fehlende Langzeitmotivation
- Beliebigkeit der Entscheidungen innerhalb der Warfronts
- Fehlende Spannung
- Klar definierter Ablaufzyklus ohne Überraschungen und ohne Einfluss der eigentlichen Fraktionen
Was zurückbleibt, ist ein optisch sehr ansehnliches, aber schnell durchgespieltes Spielelement, welches letztlich einfach regelmäßig für die Beute mitgenommen wird, darüber hinaus aber keine wirkliche Motivation zum Spielen bietet.
Auch geschichtstechnisch scheint die Kriegsfront bisher völlig irrelevant zu sein. Auch hier bleibt also als Fazit zu sagen: Eine tolle Grundidee, aber viel verschenktes Potential und wieder die fehlende Langzeitmotivation.
Azerit-Gear:
Während wir in Legion verschiedene Artefaktwaffen hatten und dafür Artefaktmacht sammelten, haben wir in BfA nur noch eine Halskette ohne eigenen Talentbaum. Stattdessen gibt es Azeritausrüstung mit verschiedenen freischaltbaren Boni je nach Stufe der Halskette.
Dieses Feature ist aus meiner Sicht ein kompletter Fehlschlag geworden und ich kann eigentlich nichts Positives darüber schreiben. Warum ist dem so?
- Während in Legion jeder seine Artefaktwaffe automatisch hatte, muss man in BfA die Azerit-Rüstungsteile erst einmal sammeln. Und das bedeutet oft: Auf Glück hoffen.
Allein psychologisch ist dies bereits ein massiver Einschnitt. Hatte ich in Legion direkt meine Artefaktwaffe vor Augen mit dem Talentbaum und allen Boni, die ich irgendwann einmal freischalten kann, so muss ich in BfA überhaupt ersteinmal darauf hoffen, einen Azerit-Gegenstand mit passenden Fähigkeiten zu bekommen.
Gleichzeitig gibt es dafür keine gezielte Möglichkeit. Es ist nahezu 100 % auf Glück basierend. Das heißt für den Spieler: Er kann nichts Gezieltes tun, um elementare Fähigkeiten für seinen Charakter freizuschalten und sich zu verbessern. Hier verspricht ein Händler im Patch wenigstens dringend benötigte Nachbesserung.
- Aufholmechaniken: Mit diesen hat Blizzard aus meiner Sicht in BfA übertrieben. Es ist völlig unerheblich, ob ich großartig Artefaktmacht sammle. Es bringt mir wenig bis keinen Vorteil, da in sehr kurzer Zeit das Spiel das Versäumte automatisch für mich aufholt. Wie auch beim Rufsystem scheint das Spiel ganz genau zu entscheiden, wie weit der schnellste Spieler sein darf und wie weit der langsamste Spieler zurückhängen darf. Als Spieler selbst habe ich darauf nur marginalen Einfluss. Dies fühlt sich unbefriedigend an.
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- Fehlende Charakterprogression an sich: Die Azeritteile bringen verschiedene Fähigkeiten mit, wobei es letztlich dennoch immer einige wenige Fähigkeiten gibt, die gezielt gesucht und gebraucht werden. Es werden drei Klicks gemacht und damit muss man sich nicht mehr mit der Rüstung beschäftigen.
Aus meiner Sicht wurde hier ein massiver Rückschritt getätigt und ich fragte mich vor allem: Warum? Was war so verkehrt an den Artefaktwaffen? Wieso hat man nicht auf diesem System aufgebaut und es in die neue Halskette integriert?
Weil es unbedingt noch eines neuen Features brauchte? Ich kann es mir ganz offen und ehrlich nicht erklären, warum die Aufgabe des Systems Artefaktwaffen nötig war, da es eigentlich sehr gute Kritiken bekam und die Hauptkritik sich lediglich darauf bezog, dass es mehr Individualität beim Skillen hätte gäben müssen.
PvP:
Ich spiele nur ungewertetes PvP und habe daher auch nur dazu etwas zu sagen. Beim PvP macht sich bei mir nur noch ein fragender Gesichtsausdruck breit. Ich frage mich: Warum?
Dabei rede ich zunächst vom Belohnungssystem. Warum war es notwendig, Ehrenpunkte zu entfernen und stattdessen “Ehrenabzeichen” einzuführen, die wiederum völlig zufällig aus Kisten zu erhalten sind, die es an sich wiederum nur zufällig gibt.
Wieso war es schlecht, sich gezielt Ausrüstung kaufen zu können? Wieso musste man das ändern, wer hat das gefordert und was hat Blizzard dazu bewogen, es für eine gute Idee zu halten? Wer hat sich jemals an den Markenhändlern gestört? Dies gilt sinngemäß übrigens auch für PvE-Händler.
Da bleibt mir wirklich nur das absolut vernichtende Fazit: Sechs, setzen! PvP fühlt sich so unbefriedigend an, wie noch nie. Es ist nicht möglich, gezielt auf Ausrüstung hinzuarbeiten.
Eroberungspunkte gibt es nur für Siege, während die Win-Rate bei der deutschen Allianz bei 40 % liegt. Was ich für Eroberungspunkte bekomme, wird einfach von Blizzard diktiert. Beim normalen Gear ist es zufällig, meine Jägerin bekam, keine Übertreibung, 7 (in Worten: Sieben) mal hintereinander (!) einen Bogen.
Das Ehrensystem fühlt sich langweilig und demotivierend an. Der Balken kriecht nach oben, selbst wenn man sehr viel PvP spielt. Auch hier kann ich mir die Belohnungen nicht selbst aussuchen.
Das PvP-System bekommt von mir ein derart vernichtendes Urteil, dass eigentlich nur noch ein kompletter Neuaufbau etwas retten kann.
Rufsystem:
Auch hier leider wieder ein deutlicher Qualitätsabfall im Vergleich zu Legion. Aber auch in Legion war das Rufsystem nicht das Gelbe vom Ei. In BfA ist es eine Katastrophe. Wir bekommen einige, zumeist willkürlich wirkende Fraktionen, bei denen über exakt eine Methode Ruf gesammelt werden “darf”:
- Weltquests
Ja, es gibt einen Missionstisch und der gibt einige Marken. Abgesehen davon war es das aber. Und selbst dort gibt es Verschlechterungen, denn anders als in Legion gibt es nun nicht einmal mehr Ruf-Marken, die ich an Zweitcharaktere senden kann.
Wenn ich ehrfürchtig bin, dann war es das: Die Rufmissionen bringen mir dann buchstäblich garnichts. Ebenso wie Weltquests mit Ruf als Belohnung. Der Paragon-Ruf wurde einfach nicht übernommen. Warum? Mir völlig unerklärlich, warum man es nicht sofort tut.
Auch hier haben wir wieder den Kritikpunkt der fehlenden Entfaltungsmöglichkeit. Ich muss zwingend Weltquests machen. Wie viele spawnen, welche spawnen, wie oft sie spawnen oder was ich für Abgesandtenquests mit was für Belohnungen ich bekomme: Auf nichts davon habe ich einen Einfluss.
Das Ruffarmen verkommt zur nervigen Angelegenheit, die spätestens gegen Ende nur noch langweilig ist. Die Addons MoP und BC hatten hier deutlich stärkere Rufsysteme. Vor allem braucht es wieder verschiedene Alternativen.
Der Spieler sollte selbst entscheiden dürfen wie, wann, wo und wie lange er Ruf farmt. Gebt uns wieder Wappenröcke oder Ruf in Dungeons (ohne Wappenrock). Oder bindet die Berufe mal stärker ein. Oder wie wäre es mal wieder mit Mobs grinden in der offenen Welt? Wenigstens als Option?
Warum lasst ihr dem Spieler in so vielen Bereichen immer weniger Entscheidungsspielraum?
Berufe:
Ähnlich vernichtend sieht das Urteil bei den Berufen aus. Nach wie vor relevant sind: Alchemie, Verzauberung & Kräuterkunde, hier und da bedarf es mal eines Steinchens vom Juwelier.
Um Platz zu sparen verweise ich an dieser Stelle auf meinen Feedback zu den Berufen Thread.
Abschließend noch einmal eine Liste an konkreten Verbesserungswünschen, die ich für das Spiel habe:
- Wiedereinführung von Ehre- und Eroberungspunkten
- Händler mit Ausrüstung für Ehre- und Eroberungspunkte
- Ehrenabzeichen wieder entfernen, ebenso wie die Lootkisten
- Komplette Überarbeitung des Azeritsystems: Talentbaumsystem aus Legion in die Halskette einbauen, wo man dann individuell Fähigkeiten skillen kann, gerne auch schon beim Leveln
- Blutzellen handelbar machen, Expulsum accountweit machen
- Sämtliche Berufe-Epics handelbar machen
- Schneider, Ingi, Schmied, Lederverarbeitung, Inschriftenkunde deutlich aufwerten durch sinnvolle Items
- Die Berufsaufteilung nach Addons wieder abschaffen
- PvP-Insel klar von PvE-Inseln abtrennen, also auch in der Erfolgsübersicht und im Metaerfolg
- Einführung von Dublonenhändlern für Inselexpeditionen mit allen Belohnungen
- Alternative Modi für Inselexpeditionen, in der es nicht um Geschwindigkeit geht
- Langzeitmotivation der Kriegsfronten steigern durch mehr Spielereinfluss
Generell wird als allgemeinen Punkt, den ich festhalten kann klar: Dem Spieler fehlt Langzeitmotivation und Individualisierung. Zu viel ist von Blizzard strikt vorgegeben oder hinter RNG verbaut. Der Spieler kann sich kaum entfalten, wird von Blizzard exakt in Bahnen gezwängt, in die dieser aber vielleicht garnicht hineinwill.
Neben diesen Vorschlägen wünsche ich mir für ein besseres WoW daher vor allem auch einen massiv deutlicheren Fokus auf Individualisierungsmöglichkeiten für den eigenen Charakter und Charakterfortschritt:
Das fängt an bei mehr optischen Anpassungen schon bei der Charaktererstellung und geht weiter über bestimmte Dinge, die ich z.B. für meine Klasse freischalten kann, wie z.B. einen Köcher auf dem Rücken oder als Troll ganz speziell aussehnde Druidenzauber dem Volk entsprechend.
Es braucht mehr Abhebungsmöglichkeiten für den eigenen Charakter, das ist auch in einem kosmetischen Rahmen möglich, aber auch, indem man auf das Artefaktwaffensystem aus Legion aufbaut und dem Spieler aber Freiräume lässt beim Skillen.
Dies war mein erstes und sehr ausführliches Feedback zu BfA. Ich werde auch nach dem nächsten Patch-Ende wieder eines schreiben.
Ich habe nach wie vor sehr viel Spaß am Spiel, sehe aber, das dieses Spiel an vielen Stellen extrem schwächelt und frage mich, was da los ist bei Blizzard nach einem so starken Legion.
Wenn ihr meine Vorschläge gut findet, sendet sie bitte auch im Spiel ein über:
“ESC => Hilfe => Vorschlag senden”
Wenn ihr sie nicht gut findet, könnt ihr hier ja darlegene, warum ihr das so seht. Das gesamte Feedback ist meine subjektive Empfindung und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder “ultimative Wahrheit”. Es ist nur meine Sicht der Dinge.
Wer bis hierhin gelesen hat bekommt jetzt noch einen digitalen Keks.