Es war einmal in Sanktuario... Erzählungen

OMG! Sorry, dass ich jetzt nen Video teile, aber das passt gerade so schön :rofl:

Der Ring der Macht? (Eine Zauberin Story)

Die Zauberin Celestine hatte auf ihren Wegen schon so manches Abenteuer erlebt. Die folgende Überlieferung aus ihren Tagebüchern berichtet von ihren Begegnungen mit einer höchst skurrilen Kreatur, die sich über mehrere Wochen und Monate hinaus zogen.

Bei ihrer ersten Begegnung war sie in einer Höhle unterwegs, die von Ansässigen der „Niedergang des Raureifs“ genannt wurde. Um das Vertrauen der Barbaren in einer nahegelegenen Siedlung zu erlangen, musste sie dort die Knochen von Khazra Ziegenmenschen sammeln, was bei diesen wilden Kreaturen zu einem schwierigen Unterfangen werden konnte. Nicht aber für eine geübte Zauberin!

Während ihrer Erkundung dieser eisigen Höhle hörte sie auf einmal merkwürdige Geräusche. Es war ein leises Klimpern, wie von Metall. Entfernt erinnerte es auch an das Geräusch eines Münzbeutels, der bei einem Händler auf die Theke geworfen wurde. Neben diesen Geräuschen hörte sie auch unverständliches Gemurmel, sowie einige Wortfetzen.

„Mein Schatz! … Du gehörst mir! … Niemand wird dich mir je nehmen!“ sagte eine krächzende kleine Stimme.

Celestine wurde neugierig und die Worte erinnerten sie an eine uralte Erzählung über eine Kreatur, die im Besitz eines Ringes unvergleichlicher Macht sein soll. So folgte sie den Geräuschen mit den Gedanken:

‚Könnte das dieser legendäre Mullog sein?‘

Hinter einer Biegung erblickte sie dann die Kreatur. Sie war klein, fast wie ein Kind. Sie stand über eine Schatztruhe gebeugt da und schien diese gerade aufbrechen zu wollen. Neben der Kreatur stand ein Sack, der für eine solch kleine Kreatur schon fast zu enorm wirkte.

Celestine beobachtete die Kreatur bei ihren Bemühungen. Immer wieder blickte die Kreatur sich um, so dass Celestine das Gesicht erkennen konnte. Die Augen waren viel zu klein für ein Gesicht dieser Größe. Auch lagen sie viel zu eng beieinander. Das Maul war ungewöhnlich breit und wenn die Kreatur murmelte, konnte Celestine dutzende kleiner und messerscharfer Zähne erblicken.

Auch wenn die Kreatur ansonsten nicht wirklich gefährlich wirkte, lies Celestine alle Vorsicht walten. Langsam näherte sie sich im Schatten der Stalagmiten, bis sie nur noch wenige Meter von der Kreatur entfernt war.

„Was machst du denn da?“ fragte Celestine.

Die Kreatur erschrak, aber sie reagierte blitzschnell. mit ungeahnten Kräften schwang sie diesen enormen Sack auf den gekrümmten Rücken und stürmte los. In ihrer Eile übersah die Kreatur einen Stalagmiten, prallte dagegen und fiel zu Boden. Celestine konnte erkennen, dass sie sich eine böse aussehende Platzwunde an der Stirn zugeogen hatte. Die Kreatur schien die Wunde garnicht zu bemerken, denn sie sprang blitzschnell wieder auf, schnappte sich den Sack und stürmte erneut los. Einige Goldmünzen fielen dabei zu Boden und hinterließen eine Spur, wie aus Brotkrumen.

Celestine war zu verblüfft, um sofort darauf zu reagieren. Einen Moment starrte sie in die Richtung, in die die Kreatur geflitzt war. Dann entschloss sie sich dem Wesen zu folgen. Die herumliegenden Goldmünzen wanderten durch ihren Sammelzauber direkt in ihren Geldbeutel. Einige Meter weiter lag plötzlich eine funkelnde Halskette vor ihr auf dem vereisten Boden. Celestine hob sie auf.

‚Die ist ja hübsch!‘ dachte sich sich bei näherer Betrachtung, ‚Würde ich die verlieren, ich wäre sicher traurig. Mal sehen, vielleicht finde ich die Kreatur und kann sie zurückgeben.‘

So folgte Celestine der Spur aus Goldmünzen um eine Biegung, nur um erneut verdutzt dazustehen. Ganz sicher hatte sie gesehen, wie die Kreatur um diese Biegung gelaufen war, aber jetzt stand sie vor einer leeren Sackgasse! Sie hätte doch bemerkt, wenn die Kreatur dort wieder herausgekommen wäre?

Sie prüfte alle Wände in der Sackgasse, ob es dort versteckte Türen gibt. sie bestanden aber alle nur aus solidem Fels uns Eis. Die Kreatur war verschwunden.

Celestine hatte keine andere Wahl, als die Suche nach der Kreatur aufzugeben. Die Kette wanderte in ihren Rucksack, aber sie brachte es die nächsten Wochen nicht übers Herz sie zu verkaufen.


Die nächste Begegnung fand einige Tage später in einer verfallenen und von Vampiren bewohnten Kaserne bei Kor Dragan statt. Celestine hatte den Auftrag bekommen die Nester dieser blutsaugenden Biester zu finden und zu Asche zu verwandeln. Ihre Mission lief ohne große Zwischenfälle, bis sie einmal mehr ein leises Klimpern hinter einer der vielen Türen vernahm. Als sie sich der Tür näherte, konnte sie auch wieder ein leses Murmeln und verschiedene Wortfetzen hören.

„So wertvoll … So einzigartig … Mein Schatz!“

Was das möglich? Konnte es sich um die selbe Kreatur handeln? Nein, das war doch unmöglich!

Vorsichtig schob Celestine die Tür einen Spalt auf und spähte hindurch. Tatsächlich erspähte sie eine Kratur, die der aus dem „Niedergang des Raureifs“ verblüffend ähnlich sah. Sie hockte neben diesem riesigen Sack auf dem Boden und war augenscheinlich damit beschäftigt herausgefallene Münzen und Schmuckstücke wieder einzusammeln.

Als die Kreatur ihr Gesicht in Richtig der Tür drehte, hinter der Celestine sie ausspäte, verschlug es Celestine den Atem. Sie hatte eine fast verheilte Platrzwunde direkt auf der Stirn udn genau an der Stelle, wie die Kreatur aus dieser eisigen Höhle von vor ein paar Tagen. Die Kreatur sah der Anderen nicht nur ungewöhnlich ähnlich, es waren ein und dieselbe Kreatur!

Celestine erinnerte sich daran, dass sie noch diese hübsche Halskette im Gepäck hatte. Das war die Möglichkeit sie der Kreatur zurückzugeben, eventuell etwas mehr über sie zu erfahren und vielleicht sogar eine gewisse Freundschaft herzustellen. Celestine öffnete also die Tür vollständig und trat in den Raum mit der Kreatur.

„Hab keine Angst“ sagte Celsetine so ruhig sie nur konnte, „Ich möchte nur reden und …“

Den Satz konnte sie nicht beenden, denn die Kreatur reagierte blitzschnell. Der riesige Sack landete auf dem gekrümmten Rücken, die Kreatur stürmte los, stieß eine Tür am anderen Ende des Raumes auf und verschwand auf der anderen Seite.

Dieses Mal war Celestine aber vorbereitet. Sobald die Kreatur losstürmte, setzet auch sie sich in Bewegung. Nur wenige Sekunden nach der Kreatur erreichte sie die Tür, rannte hindurch und folgte dem schmalen Gang auf der anderen Seite.

Kaum hatte sie die Tür am Ende des Ganges durchschritten, fand sie sich in einer Horde an Vampirrittern und Ghulen wieder. Die Bestien waren von ihrem Erscheinen genauso überrascht, wie Celestine über deren doch recht unerwarteten Anblick.

Es vergingen einige Sekunden, bis sich die ersten Vampirte, die Celestine’s Blut witterten, auf die Zauberin stürzten. Kurz darauf stürmten auch die Ghule los. Das Chaos brach aus und Celestine konnte erst einmal nur mit einer Feuerwand den gröbsten Ansturm bremsen. Einige Feuer - und Teleportationszauber später hatte sie dieses letzte Nest der Vampire aber ausgemerzt und spürte, dass ihre eigentliche Mission beendet war.

Aber was war mit der Kreatur? Celestine ging in den Gang zurück, wo noch einige Münzen von deren Flucht zu finden waren. Die Spur führte sie in den Raum, wo sie gerade die Horden der Vampire eingeäschert hatte. Hier gab es aber keine weiter Spur oder ein sonstiges Anzeichen der Kreatur.

Was das möglich? Die Vampire schienen auch keine weitere Kreatur bemerkt zu haben, denn sonst wären sie bei Celestine’s Betreten des Raumes nicht so ruhig gewesen.

Celestine holte sich die Belohnung für den Auftrag mit den Vampiren ab. Dieses Thema war damit für sie abgehakt. Das Mysterium über diese Kreatur mit dem riesigen Sack lies sie aber nicht mehr los.


Mehrere Wochen waren seit der Begegnunf bei Kor Dragan vergangen. Celestine hatte diese merkwürdige Kreatur schon fast wieder vergessen. Sie hatte den Auftrag bekommen gestohlene Güter in Uldur’s Höhle in Kehjistan zurückzuholen. Es war eine Höhle voller wilder Tiere und Banditen. Celestine hasste Banditen, da diese in ihren Augen keine Ehre besaßen.

Nachdem sie in der Höhle einige Barrikaden durchbrochen und einige Banditen, sowie Wildtiere schockgefrostet hatte, erreichte sie eine kleine Kammer, aus der sie klimpernde Geräusche vernahm.

Vorsichtig näherte sie sich der Kammer und spähte hinein. Überrascht stellte sie fest, dass dort eine kleine Kreatur mit einem riesigen Sack an den Waffenständern der Banditen am Werkeln war. Hier und dort nahm die Kreatur einen besonders schönen Säbel oder einen wunderschön verzierten Bogen und lies die Waffen in ihrem Sack verschwinden.

Erstaunt stellte Celestine fest, dass die Kreatur eine deutlich sichtbare Narbe auf der Stirn hatte. Das konnte doch kein Zufall mehr sein? Es war dieselbe Kreatur, der sie schon 2 Mal zuvor begegnet war! Jetzt war ihr Ehrgeiz geweckt. Sie MUSSTE herausbekommen, wie die Kreatur immer so spurlos verschwinden konnte! Fest entschlossen betrat sie die Kammer.

„Hey du! Lauf nicht gleich wieder weg!“ sagte Celestine mit fester Stimme. „Ich möchte doch nur…“

Wieder konnte sie ihren Satz nicht zuende bringen, da hatte die Kreatur schon ihren Sack geschultert und stürmte auf Celestine zu. Nur mit einem beherzten Satz zur Seite konnte Celestine den harten Aufprall verhindern, der sie mit Sicherheit von den Füßen gerissen hätte.

Dieses Mal war Celestine aber besser auf eine Verfolgung vorbereitet. Sie eilte der Kreatur hinterher, wobei verlorengegangene Münzen ihren eigenen Münzbeutel füllten.

Die Kreatur bog in einen Gang ab, den Celestine zuvor von Banditen und Skorpionen gesäubert hatte. Da sie die Umgebung kannte, entschied sie der Kreatur mittels eines Teleportationszaubers den Weg abzuschneiden. Nur wenige Augenblicke später hatte sie ihren Zielort vor der Kreatur erreicht.

Die Kreatur starrte Celestine einen winzigen Augenblick lang verblüfft an. Im nächsten Augeblick sah Celestine aber ein riesiges Bastardschwert auf sich zufliegen und sie hörte das hämische Lachen der Kreatur. Sie konnte nicht mehr so schnell reagieren und dann wurde alles schwarz.

Als Celestine einige Zeit später wieder erwachte, hatte sie höllische Kopfschmerzen, eine riesige Beule am Kopf und musste zu ihrem Verdruss feststellen, dass ihr Münzbeutel und all ihre Schmuckstücke verschwunden waren. Hatten Banditen ihren bewusstlosen Körper gefunden und ausgeraubt? Oder war es die Kreatur, die sich einfach an ihr bereichert hatte, bevor sie abermals irgendwo verschwunden war?

Sie entschied, dass wenn sie der Kreatur nochmal begegnen würde, sie viel mehr Vorsicht und gegebenen Falls auch mehr Gewalt würde spielen lassen. Dass sie Gewalt brauchen würde, sollte sich später als wahr herausstellen.


Es waren einige Wochen nach der unangenehmen Begegnung in Uldur’s Höhle vergangen. Celestine wollte sich ein paar Tage frei nehmen, weshalb sie sich in ihr Refuguim in den zersplitterten Gipfeln zurückziehen wollte. Als sie dort ankam, stellte sie fest, dass in ihrem Briefkasten eine Nachricht steckte. Sehr merkwürdig! In all den Jahren, die sie jetzt hier lebte, war dies die zweite Nachricht, die sie bekommen hatte. Die Erste stammte von ihrem damaligen Mentor, der ihr auf diesem Weg noch einige Ratschläge und Hinweise auf zu erlernende Zauber hatte zukommen lassen.

Celestine zog die Nachricht aus dem Briefkasten und rollte sie auf. Falten des Erstaunens bildeten sich auf ihrer Stirn, als sie die folgenden Worte las.

„Zu oft haben unsere Wege sich jetzt gekreuzt. Zu oft wolltest du meinen Schatz stehlen. Mein Schatz gehört nur mir! Das muss endlich aufhören! Triff mich, wenn du den Mut dazu hast!“

Ganz offensichtlich stammte die Nachricht von der Kreatur, der sie jetzt schon einige Male begegnet war. Celestine erinnerte sich noch gut an die Kopfschmerzen und die riesige Beule am Kopf, die sie bei der letzten Begegnung davon getragen hatte. Langsam keimte der Zorn in ihr.

Wie konnte dieses Wesen die Tatsachen nur so verdrehen? Celestine wollte ihr doch nie etwas Böses. Sie wollte der Kreatur sogar die hübsche Halskette zurückgeben, die sie verloren hatte. Jetzt auch noch selbst als Diebin hingestellt zu werden, obwohl es wohl die Kreatur war, die ihr Schmuckstücke und Gold gestohlen hatte, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Sie studierte die Wegbeschreibung, die in der Nachricht vorhanden war und die in eine abgelegene Ecke von Hawezar führte. Dann suchte sie sich ihre beste Ausrüstung zusammen und bereitete ihre wirksamsten Zauber für die Begegnung vor.

Es vergingen einige Tage, bis Celestine den in der nachricht angegeben Ort erreicht hatte. Er war wirklich sehr abgelegen und selbst die Ertrunkenen, die in dieser Gegend vermehrt anzutreffen waren, schienen diesen Ort zu meiden.

Von der Kreatur gab es keine Spur. Nur der Wind fegte leise pfeifend über diesen einsamen Landstrich. Celestine entschied etwas zu meditieren, während sie auf das Eintreffen der Kreatur wartete. Die Zeit verging und nichts tat sich.

Nach einigen Stunden wurde Celestien dann doch etwas ungeduldig. Sie begann auf und ab zu wandern, wobei sie ihre geistigen Fühler hinter jeden Stein udn jeden Busch in dem Gebiet ausstreckte, um eventuell versteckte Feinde aufspüren zu können. Dort war aber nichts.

„Ich bin hier!“ brüllte Celestine nach einiger Zeit. „Ich habe die Nachricht bekommen und ich habe den Mut! Wo bist du, du feige kleine Kreatur? Willst du dich nicht endlich zeigen?“

Wie auf ein Stichwort begann die Luft im Zentrum des Gebietes an zu knistern udn zu flackern. Goldene Funken begannen sich zu bilden, die erst völlig willkürlich umherflogen, dann aber langsam einen Kreis zu bilden begannen. Schnell bekam dieser Kreis mehr Substanz und im Zentrum begann sich das Abbild einer völlig anderen Welt abzuzeichnen.

Als der Kreis genug Substanz gebildet hatte, gab es einen zischenden Laut und die kleine Kreatur mit der Narbe auf der Stirn trat heraus. Die kleinen und listigen Augen funkelten Celestine mit Abscheu an.

‚So konntest du also immer verschwinden.‘ dachte Celestine, ‚Diese Magie schwingt auf einer ganz anderen Ebene und deshalb konnte ich sie nicht spüren.‘

Die kleine Kreatur war aber nicht das Einzige, was aus dem Portal heraus kam. Kurz darauf trat eine riesige Bestie aus dem Portal, die Celestine an eine grotesk verformte Version von der kleinen Kreatur erinnerte. Sie hatte eine schwere Kette aus Gold in der Hand, an deren Ende sie eine gewaltige und vergoldete Schatztruhe hinter sich her zog.

„Odorf, das ist sie! Odorf, das ist sie!“ kreischte die kleine Kreatur, „Das ist die Furie, die mich seit Monaten verfolgt und ständig die Beutezüge sabotiert!“

„Ist dem so?“ knurrte die riesige Kreatur und begann Celestine zu mustern, „Listig schaut dieses Wesen ja aus, aber gefährlich nun nicht gerade.“

„Glaub mir, Odorf! Sie ist gefährlich!“ zischte die kleine Kreatur „Du hast doch gesehen, wie sie mich zugerichtet hat. Mutter’s wertvolle Kette hat sie mir auch geklaut!“

„Das stimmt doch garnicht!“ mischte Celestine sich ein, „Ich wollte dir die Kette immer zurückgeben, weil du sie verloren hast. Außerdem hast du mich niedergeschlagen und ausgeraubt!“

„Genug!“ knurrte der riesige Odorf, „Wer meinen kleinen Bruder belästigt, bekommt es mit mir zu tun!“

Celestine war überrascht mit welcher Leichtigkeit dieser Odorf die Kette samt der riesigen Schatzkiste in die Luft riss und anfing sie wie einen Flegel zu schwingen. Die Geschwindigkeit des Schwungs war beachtlich, wodurch Clementine mehrere Male ihre Teleportation nutzen musste, um einem sicheren Treffer zu entgehen.

Das Wesen benutzte seine eigene Art der Teleportation, indem es immer wieder Portale öffnete, in ihnen verschwand und nur wenige Augenblicke später an anderer Stelle wieder aus einem weiteren Portal auftauchte.

Einige Zeit war Celestine regelrecht in die Defensive gezwungen. Die Geschwindigkeit und die brachiale Gewalt von diesem Odorf waren eindeutig übermenschlicher Natur. Langsam gewöhnte sie sich aber an dessen Aktionen und begann eigene Konterzauber zu wirken.

So gelang es Celestine die Bewegungen ihres Gegners so weit zu verlangsamen, dass sie ihre Angriffszauber wirken konnte. Erst waren es einige Hydren, die sie herbeirief und dann vergessen konnte, da diese eigenständig agierten.

Mächtige Feuerbälle heizten die Luft auf. Eisige Splitter durchschnitten die flackernde Luft und prallten auf den Gegner. Eisige Landminen wurden an Stellen platziert, wo ihr Gegner sich hinbewegen würde. Feurige Drachen stürzten sich auf die gewaltige Bestie.

Der Kampf schien ewig anzuhalten. Dieser Odorf schien so einiges wegstecken zu können. Schließlich gelang es Celestine aber diese wilde Kreatur niederzuringen. Mit einem lauten Gebrüll, das die Erde erzittern lies, bäumte Odorf sich auf, nur um anschließend auf seine riesige Schatzkiste zu fallen und sie zu zertrümmern. Gold, Edelsteine, Schmuckstücke und Waffen flogen durch die Gegend.

Ein Ring flog dicht an Celestine’s Gesicht vorbei. In ihrem Augenwinkel erkannte sie ihn. Es war einer der Ringe, der ihr in Uldur’s Höhle gestohlen wurde. Also hatte die kleine Kreatur sie tatsächlich begraubt! Da war ja noch etwas!

„Und jetzt zu dir, du hinterlistiges kleines Biest!“ sagte Celestine und wandte sich der kleinen Kreatur zu.

Der kleine Kerl stand mit weit aufgerissenen Augen und heruntergeklapptem Kiefer da. Ungläubig starrte er auf seinen großen Bruder, der dort reglos auf der zertrümmerten Schatzkiste lag. Nur langsam schien er sich wieder zu fangen, dann formte sich sein Mund zu einem schmalen Lächeln und schließlich brach die Kreatur in lautstarkes Gelächter aus.

„Er ist tot! Odorf ist tot!“ schrie die Kreatur und begann wie wild umherzuhüpfen. „Ich glaub es nicht! Er ist wirklich tot!“

„Warum freust du dich denn jetzt so darüber?“ wollte Celestine wissen.

„Odorf war ein echter Tyrann!“ begann die kleine Kreatur zu erzählen. „Ja, er war mein großer Bruder, aber er hat mir immer alle meine Schätze weggenommen. Er hat mich sogar immer dazu gezwungen neue Schätze für ihn aufzutreiben.“

Mit vor Freude strahlendem Gesicht trat die kleine Kreatur auf Celestine zu. Dann kramte sie in einer Tasche und holte einen besonders schönen Ring hervor.

„Ich danke dir so sehr!“ sagte der kleine Kerl und hielt Celestine den Ring hin, „Dieser Ring sollte Belohnung genug sein. Er beherbergt unvorstellbare Macht, die ich aber nicht kontrollieren kann. Vielleicht gelingt das ja einer so mächtigen Furie, wie dir? Mein Name ist übrigens Mullog. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder!“

Und damit verschwand der kleine Kerl blitzschnell in einem Portal, das sich augenblicklich hinter ihm wieder schloss. Völlig verdutzt schaute Celestine dem kleinen Kerl hinterher, dann auf den Ring in ihrer Hand und auf die Schätze, die sich aus Odorf’s riesiger Kiste im ganzen Gebiet verteilt hatten. Ganz umsonst war dieses Abenteuer also nicht gewesen und sie hatte ein Erlebnis, das sie mit Sicherheit nie vergessen würde.

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ich habe gestern abend viel spaß mit deiner geschichte gehabt! wirklich sehr schön geschrieben.

aber nach dieser story kann ich doch nie wieder einen goblin „jagen“ ohne schlechtes gewissen^^

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Na das freut mich zu lesen. :innocent:

Stell dir bei den Gobbos einfach vor, sie hätten Mutti’s wertvolle Kette geklaut und du willst sie zurückholen :rofl:

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Die Suche nach der Zukunft - Teil 1

Das Knistern des Feuers klang unnatürlich laut in dieser finsteren Nacht. Ab und zu erhoben sich Funken, welche kurz darauf im pechschwarzen Nachthimmel einfach verschwanden. Nur widerwillig schien der Schnee sich von der Feuerstelle entfernen zu wollen und genauso wenig wollte die Nacht dem Schein des Feuers weichen.

Auf einem Fels neben dem Feuer hockte ein Mann, den man bei dem schwachen Licht auch fast für einen Bären halten könnte. Er trug einfache Lederkleidung kombiniert mit Fellen, um der Kälte zu trotzen. Neben ihm ruhte an den Fels gelehnt jedoch eine schwere Rüstung aus hart glänzendem Metall, die viele Spuren von Kämpfen aufwiesen. Offenbar war er in das Schärfen einer gewaltigen Streitaxt vertieft, doch der Schein war trügerisch.

All seine Sinne waren geschärft. Er lauschte in die Dunkelheit, spürte jede Veränderung des Luftzuges und der Temperaturen um sich herum und seine dunklen Augen tasteten unauffällig die Umgebung ab, soweit er nur sehen konnte.

Einen Moment hielt er inne und lauschte intensiver. Hatte dort etwas in dem Schnee geknirscht? Er konzentrierte sich jetzt mehr auf die Richtung, aus der er glaubte das Geräusch gehört zu haben. Nach einem Moment begann er wieder seine Axt zu schleifen.

Plötzlich knirschte es wieder und diesmal etwas näher am Lager des Mannes. Er konnte es viel deutlicher hören und war sich jetzt sicher, dass er es sich nicht nur eingebildet hatte. Jede Faser in seinem muskulösen Körper begann sich zu spannen, aber er versuchte sich nichts anmerken zu lassen.

Als es ein drittes Mal knirschte und wieder viel Näher an seinem Lager, sprang der Mann mit einer schnellen Bewegung auf und hielt seine Axt für einen Angriff bereit.

„Wer ist da?“ brüllte er mit harter Stimme in die Nacht, „Komm heraus, zeige und erkläre dich! Ansonsten wird es wirklich unschön!“

„Zum Schutze bestimmt, doch betrogen sie waren!“ rief eine männliche Stimme aus der Nacht zurück.

Sofort lies der Mann seine Streitaxt sinken und entspannte sich. Kurz darauf trat ein gealterter, aber kaum weniger muskulöser Mann aus der Dunkelheit in den Schein des Feuers. Er hatte langes, ergrautes Haar. Sein Gesicht war von Falten bedeckt und eine Augenklappe zeigte ein ihm fehlendes Auge an. Auch war er schwer gerüstet und ein mächtiger Bihänder war auf dessen Rücken geschnallt.

„Beltrak, du alter Schweinehund!“ rief der Mann dem Grauhaarigen entgegen. „Du hast dir ja wirklich Zeit gelassen!“

„Wenn sich einer Zeit gelassen hat, dann du, Tolos.“ grinste Beltrak zurück „So langsam, wie du reagiert hast, hätte ich dich schon 3 Mal überfallen können.“

„Alter Angeber!“ lachte Tolos, während er auf Beltrak zueilte, um ihn in die Arme zu schließen. „Lass dich ansehen! Wie lange ist es jetzt her? 10 Jahre?“

„15, seit du dich auf die Suche gemacht hast.“ erwiderte Beltrak. „Du hast dich seit deiner Ausbildung kaum verändert.“

„Du aber schon. Wann bist du so grau geworden?“ lachte Tolos und machte dann eine einladende Handbewegung, „Komm, setz dich mit ans Feuer. Die Wärme wird deinen Knochen sicher gut tun.“

Gerne kam Beltrak der Einladung seines Freundes und ehemaligen Schülers nach. Mit einem leisen Seufzen lies er sich auf einem Baumstamm nieder, während Tolos wieder auf seinem Fels Platz nahm.

„Möchtest du etwas essen?“ fragte Tolos. „Das Kaninchen sollte fast durch sein.“

„Hast du vergessen, dass ich allergisch auf Kaninchen bin?“ entgegnete Beltrak stirnrunzelnd. „Lieber wäre mir ein Stück von dem Bären, der weiter unten im Tal erschlagen herumliegt.“

„Glaub mir, von dem Bären willst du nicht essen.“ lachte Tolos „Hast du nicht seine linke Flanke gesehen? Er war von dämonischer Fäulnis befallen. Es hatte ihn rasend und absolut unberechenbar gemacht. Trotzdem war er ein überraschend guter Gegner.“

„Ich dachte mir schon fast, dass du ihn erschlagen hast.“ meinte Beltrak lächelnd. „Die Schnittwunden und der zertrümmerte Schädel haben mich sofort an dich erinnert.“

„Natürlich habe ich nicht vergessen, dass du auf Kaninchen allergisch bist.“ sagte Tolos, während er in seinen Lederbeutel griff und ein großes Stück geräucherten und gepökelten Schinkens herauszog. „Darum habe ich den hier dabei. Hier, lass es dir schmecken.“

Dankend nahm Beltrak den Schinken entgegen und nahm sofort einen großen Bissen. Inzwischen holte Tolos eine große Flasche mit schwarzem Ale heraus.

„Ischt dasch Ale nasch Arreat Art?“ nuschelte Beltrak mit vollem Mund, worauf er ein Nicken erntete. „Scher gut. Esch gibt kein bescheresch Ale!“

„Deine Nachricht hat sich dringend gelesen.“ fuhr Tolos nun mit ernsterer Stimme fort, „Auch wenn du nicht geschrieben hast, worum es geht, bin ich hier her geeilt. Wie kann ich meinem alten Freund und Lehrmeister helfen?“

„Nischt Lehrmeischter!“ nuschelte Beltrak, bevor er den Bissen herunter schluckte, „Aus dieser Zeit sind wir beide heraus. Und du kannst nicht nur mir helfen, sondern dir selbst und unserem gesamten Volk!“

„Jetzt hast du meine volle Aufmerksamkeit.“ entgegnete Tolos und beugte sich nach vorn.

„Ich habe etwas gefunden.“ sagte Beltrak leise und beugte sich ebenfalls nach vorn, „Eine Spur auf etwas, das wir seit Generationen für verloren hielten. Das Ziel, zu dessen Suche du dich verschrieben hast. Es könnte sich auch nur um ein Teil oder eine Sackgasse handeln.“

„Du meinst …“ begann Tolos, brachte dann aber kein weiteres Wort mehr über die Lippen.

Beltrak nickte.

„Meine Quelle ist sehr zuverlässig. Ich arbeite seit Jahren mit ihm zusammen.“ erklärte Beltrak und fügte hinzu, „Er hätte mir nicht davon berichtet, wenn er die Informationen nicht mehrfach geprüft hätte.“

„Jetzt spann mich nicht auf die Folter!“ drängte Tolos, "Was hat er herausgefunden?

„Eine alte Mine in Kehjistan“ antwortete Beltrak, „Er fand Schriftstücke, die es beschrieben hatten und darauf hin hatte er alte, noch lebende Minenarbeiter befragt. So senil die Leute auch sein mögen, viele Beschreibungen dieser Leute hatten sich gedeckt. Sie beschrieben den Kopf einer Statue, die selbst abgetrennt noch Ehrfurcht erzeugte und dem eine fast spürbare Macht innewohnen soll.“

„Könnte der Kopf einem von ihnen gehören?“ wollte Tolos wissen, „Warst du dort?“

„Es könnte sein.“ erwiderte Beltrak nickend, „Den Beschreibungen nach sogar sehr wahrscheinlich. Sollte es wirklich der Fall sein, dann könnten auch mehr Teile der Explosion von damals widerstanden haben.“

„Stell es dir vor, Beltrak!“ forderte Tolos „Wir finden nicht nur einen Kopf, sondern auch den Rest. Wir könnten die uralten Wächter wieder herrichten und unser Volk endlich wieder einen. Stelle dir vor, was es für kommende Generationen bedeuten würde!“

„Du hast Recht.“ nickte Beltrak, „Jetzt verstehe ich langsam auch, warum du seit damals so von dieser Suche besessen bist. Genau deshalb habe ich diese Mine nicht selbst aufgesucht. Ich möchte, dass du, mein ehemaliger Schüler und Freund, das Ziel deiner Suche aus eigener Kraft erreichst.“

Damit griff Beltrak in seine Tasche und zog ein Pergament heraus. Auffordernd nickend hielt er es Tolos hin.

„Das ist eine Karte, auf der die Mine eingezeichnet ist.“ erklärte Beltrak, „Doch ich muss dich warnen. Meine Quelle berichtet von Dämonen in der Mine und anderen Gefahren. Wenn du tatsächlich nach dem Kopf suchen willst, solltest du dich auf alles vorbereiten.“

„Ich danke dir, mein Freund!“ sagte Tolos, der die Karte an sich nahm, „Ich werde deinen Rat berücksichtigen. Jetzt lass uns aber erst einmal diese Neuigkeiten feiern! Ich fühle, dass die Zukunft der Barbaren unter einem aufsteigenden Stern und dem wohlwollenden Blick von Bul Kathos steht!“

Den Rest der Nacht verbrachten die Freunde mit dem Austausch alter gemeinsamer Erinnerungen und den Geschichten ihrer Erlebnisse aus der getrennten Zeit. Beltrak konnte Tolos regelrecht ansehen, wie sehr dieser nach dem Aufbruch zu dieser Mine gierte. Seinem alten Freund zuliebe versuchte Tolos seinen Drang allerdings zu unterdrücken.

Am nächsten Morgen machte Beltrak es seinem noch schlafenden Freund leicht. Ohne ein Wort des Abschieds packte er seine Sachen und verließ das Lager in den verschneiten Bergen seinen eigenen Abenteuern entgegen. Nur ein zurückgelassenes Bündel hervorragend geschmiedeter Wurfäxte zeugte noch von Beltrak’s Anwesenheit, als Tolos wenig später erwachte.


To be continued …

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Die Suche nach der Zukunft - Teil 2

Die Karte, die Tolos von seinem alten Freund und Lehrmeister erhalten hatte, erwies sich nicht als besonders hilfreich. Genau genommen war sie nur ein kleiner Ausschnitt vom riesigen Kehjistan. Tolos brauchte einige Tage um überhaupt erst einmal in Kehjistan anzukommen und anschließend begann eine wochenlange Suche nach der richtigen Region.

Innerlich richtete Tolos einige nicht ganz so ernst gemeinte Flüche an Beltrak. Mehr jedoch verfluchte er seine eigenen mangelnden Kenntnisse über Kehjistan. Hätte er einstmals in Kartographie besser aufgepasst, wäre seine Suche sicher leichter gewesen.

Nach wochenlanger erfolgloser Suche kehrte Tolos in einem Gasthaus des kleinen Nestes Tarsarak ein. Die trockene Wüste um diese kleine Ortschaft herum hatte seine an Kälte gewohnte Kehle ausgedörrt und jetzt musste er sie mit etwas frischem Ale benetzen. Leider war das in Kehjistan übliche Gebräu alles Andere, als sein Geschmack.

Während Tolos so in dem Gasthaus saß und versuchte etwas Gutes an dem kehjistanischen Gebräu zu finden, beobachtete er die Einheimischen und die Reisenden, die einander im Gasthaus die Hand gaben. Die meisten Leute trugen ähnliche Kleidung und nur wenige schienen sich aus anderen Teilen der Welt hier her zu verirren.

Einigen Gesprächsfetzen von den Nebentischen entnahm Tolos, dass es sich meist um Geschäftsverhandlungen zwischen Karawanenführern und ansässigen Händlern handelte. Nicht wirklich interessante Dinge für einen Krieger, wie ihn.

Als er gerade sein Horn leerte, bemerkte Tolos einen Mann an der Bar, der ihn scheinbar schon lange eingehend beobachtete. Die Kleidung des Mannes war an die Kehjistaner angepasst, passte aber trotzdem nicht recht ins Bild. Auch die Haut des Mannes war heller, als er es von den meisten Kehjistanern bisher gesehen hatte. Irgendwie ihm dieser Mann verdächtig vor.

Als der Mann bemerkte, dass Tolos ihn betrachtete, verbreiterte sich dessen Mund zu einem breiten Grinsen und erschreckend weiße Zähne blitzten Tolos an. Als der Mann sich zu allem Überfluss auch noch erhob und direkt auf Tolos zukam, spannte Tolos sich instinktiv an und seine Hand wanderte an seinen Gürtel, wo er die neuen Wurfäxte befestigt hatte, die Beltrak ihm hinterlassen hatte.

„Friede, mein Freund!“ sagte der Mann seine Arme ausbreitend, während er noch näher kam, „Ich habe sicher nicht vor dich mit einem miesen Geschäft über den Tisch zu ziehen.“

„Dann verschwinde lieber.“ knurrte Tolos „Ich habe keine Lust auf Gesellschaft.“

„Ich bin sicher, ich kann deine Meinung ändern.“ lächelte der Mann und bevor er sich uneingeladen setzte, rief er dem Gasthausbesitzer noch zu, „Das nächste Getränk für meinen Freund hier geht auf mich. Ich nehme das Selbe!“

Tolos starrte den Mann wegen dieser Dreistigkeit verblüfft an und dachte sich: ‚Wie kann ein Mensch nur die ganze Zeit ununterbrochen so grinsen?‘

„Jetzt schau nicht so mürrisch drein.“ begann der Mann wieder zu erzählen und seufzte, bevor er Tolos wieder angrinste, „Es scheint, ihr Barbaren habt diesen mürrischen Blick patentieren lassen.“

„Gibt es keinen Anderen, den du belästigen kannst?“ wollte Tolos wissen, dem der ständige Anblick dieser über-weißen Zähne auf die Nerven ging.

Der Mann beugte sich über den Tisch und zu Tolos. Bevor er wieder etwas sagte, schaute er sich im Gasthaus um, ob auch niemand dem Gespräch der Beiden Beachtung schenkte. Dann sprach er mit kaum hörbarer Stimme.

„Zum Schutze bestimmt, doch betrogen sie waren!“

„Was zum …“ begann Tolos zu sagen und starrte den Mann völlig verblüfft an.

„Wir haben einen gemeinsamen Bekannten.“ begann der Mann zu erklären. „Oder sagen wir, er ist ein langjähriger Geschäftspartner von mir. Der gute Beltrak hat dich wirklich gut beschrieben.“

„Du kennst Beltrak?“ fragte Tolos ungläubig.

Der Mann grinste noch breiter.

„Wirklich kennen wäre etwas übertrieben.“ meinte der Mann „Wenn man aber geschäftlich immer wieder mit den selben Leuten zu tun hat, entsteht eine gewisse Vertrautheit. Einauge hat mir schon bei vielen Dingen geholfen, genau wie ich ihm.“

„Also gut.“ meinte Tolos, der sich etwas entspannte und sogar seine Hände jetzt wieder auf den Tisch legte. „Du hast meine Aufmerksamkeit. Wer bist du und was Willst du?“

Bevor der Mann antwortete, wartete er einen Moment ab, weil der Gasthausbesitzer gerade mit zwei frisch gefüllten Hörnern ankam. Eines reichte er an Tolos, der wegen des Gebräus die Nase rümpfte. Das andere Horn reichte er an Tolos Gegenüber, welcher einen begierigen Schluck daraus nahm. Erst als der Gasthausbesitzer sich wieder entfernt hatte, antwortete der Mann.

„Mein Name ist Sheital und ich bin nur neugierig.“ antwortete der Mann wieder breit grinsend „Beltrak hat dich sehr gut beschrieben und ich vermute, du bist wegen der Karte hier in Kehjistan, die ich für ihn vor Monaten besorgt habe. Ist das so?“

„Sheital,“ wiederholte Tolos murmelnd „Den Namen habe ich noch nie gehört. Selbst Beltrak hat ihn nie erwähnt.“

Sheital grinste noch breiter, was Tolos kaum für möglich gehalten hatte.

„Es wäre schlecht für mein Geschäft, wenn mein Name in aller Munde wäre.“ entgegnete er, „Mein Geschäft sind Informationen über Orte, an die normale Leute üblicher Weise nicht kommen sollen. Auch handle ich mit Informationen über Leute und deren tägliche Angewohnheiten.“

„Du bist ein Spion!“ sagte Tolos etwas lauter, als er es vorgehabt hatte.

„Schh!“ Nicht so laut!" zischte Sheital und blickte sich eilig im Gasthaus um.

Niemand schien auf die Bemerkung von Tolos zu reagieren, weshalb Sheital sich wieder sichtlich entspannte. Bevor er aber wieder das Wort ergriff, nahm er einen weiteren kräftigen Schluck aus dem Horn.

„Also liege ich richtig mit meiner Vermutung über die Karte?“ fragte Sheital nach „Ich habe nie verstanden, warum sie unserem gemeinsamen Freund so wichtig war. Diese Mine ist kein Ort, wo man freiwillig hin möchte.“

„Was kannst du mir über die Mine sagen?“ wollte Tolos wissen, „Kannst du mir genau sagen, wo ich sie finde?“

„Ich könnte dir sagen, wo du sie findest, doch was hätte ich davon?“ grinste Sheital, „Wie gesagt, ich handle mit Informationen.“

Knurrend griff Tolos an seinen Gürtel und löste einen kleinen Beutel. Mit einem missmutigen Blick warf der den Beutel vor Sheital auf den Tisch, wodurch der Inhalt metallisch klimperte. Sofort öffnete Sheital den Beutel und holte ein paar Goldmünzen, sowie einen prächtigen Edelstein heraus.

„Das sollte für den Anfang genug sein!“ grinste Sheital und lies den Beutel unter seiner Robe verschwinden. „Ich merke, du lernst genauso schnell, wie unser Freund Beltrak.“

„Jetzt komm endlich auf den Punkt!“ knurrte Tolos zurück. „Ich suche schon seit Wochen und habe wirklich keine Lust auf irgendwelche Spielchen!“

„Ist ja gut! Ist ja gut!“ grinste Sheital und hob abwehrend die Arme „Ich mache dir ein Angebot. Ich werde dir nicht sagen, wo du diese Mine findest, ich werde dich persönlich dort hin führen. Es kann nicht schaden, wenn so ein grimmiger Kerl eine Frohnatur als Begleitung hat.“

„Du willst mich dort hin führen?“ fragte Tolos verdutzt, „Nimm es mir nicht übel, aber du siehst nicht so aus, als würdest du in einer gefährlichen Situation von wirklichem Nutzen sein. Warum also würdest du mich dort hin führen wollen?“

„Informationen, mein Freund.“ grinste Sheital und Tolos hasste diese weißen Zähne immer mehr „Ich würde sehr gerne erfahren, warum die Karte so wichtig für dich und Beltrak ist. Die meisten anderen Barbaren, die ich kenne, haben … sagen wir andere Interessen. Was also könnte in dieser Mine so wertvolles für einen Barbaren sein? Ein alter Kopf? Alte Köpfe von alten Statuen gibt es überall zu finden.“

„Es ist … eine Barbaren-Angelegenheit.“ antwortete Tolos vorsichtig.

„Ich sage dir etwas.“ begann Sheital zu erzählen, „Ich führe dich zu der Mine und wenn wir dort etwas finden, das auch für mein Geschäft von Nutzen ist, bekommst du sogar dein Gold und die Edelsteine zurück. Ich bin ein Mann von Ehre und das ist ein Zeichen meines guten Willens. Was sagst du?“

„Wenn ich zustimme, habe ich den Rest des Abends Ruhe vor dir?“ fragte Tolos.

„Versprochen!“ grinste Sheital.

„Also gut!“ meinte Tolos und atmete noch einmal tief durch, bevor er fortfuhr, „Ich will gleich Morgen Früh aufbrechen. Und noch eine Warnung! Wenn du mein Vorhaben in irgendeiner Weise störst, lernst du meine Faust von Nahem kennen!“

„Ganz wie der alte Beltrak!“ lachte Sheital, „Am Anfang war er genauso, wie du. Ich verspreche dir nicht im Weg zu stehen. Dann treffen wir uns in den Morgenstunden am Stadttor.“

Tolos nickte nur als Antwort. Er war sichtlich erleichtert, als Sheital sich vom Tisch erhob und sich umdrehte, um das Gasthaus zu verlassen. Auch hatte Tolos das Gefühl nach der wochenlangen Suche endlich Fortschritte zu machen. Mit Beltrak würde er aber noch ein Wörtchen zu wechseln haben, weil dieser einem Fremden eine zu gute Beschreibung gegeben hatte.


To be continued …

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ich hab ein gerücht gehört es gäbe noch dritten teil?

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Es wird noch mehr Teile geben Guts. Danke dir! :+1:


Die Suche nach der Zukunft - Teil 3

Tolos hatte irgendwie gehofft, es wäre anders, aber er fand am Stadttor tatsächlich den breit grinsenden Sheital vor. Wo er am gestrigen Abend dessen weiße Zähne einfach nur als unnatürlich empfand, kamen sie ihm jetzt extrem störend vor. Irgendwie hatte Sheital sie so glatt poliert, dass sich das Sonnenlicht an ihnen spiegelte und dessen Mund wie ein strahlendes Maul erscheinen lies.

Sheital hatte sein eigenes Kamel dabei, das neben Tolos Pferd einfach nur träge wirkte. Tolos bezweifelte, dass man auf einem solchen Tier eine schnelle Reise durch die Wüste bewerkstelligen könnte. Das Tier schien seine zweifelnden Gedanken zu spüren, denn es sah in seine Richtung und spie plötzlich vor Tolos auf den Boden. Am Liebsten hätte Tolos dem Kamel mit einem Fausthieb geantwortet, aber er unterdrückte diesen Drang.

Wider Erwarten hatte Sheital noch einige Sachen dabei, welche die Reise durch die Wüste erleichtern sollten. Darunter waren einige Trinkbeutel mit Wasser, ein weißer Turban für Tolos und eine weiße Robe. Am Seltsamsten war es aber, als Sheital ihm einen kleinen, rundgeschliffenen Stein hinhielt. Fragend blickte Tolos von dem Stein in seiner Hand auf Sheital und wieder zurück.

„Der ist für deinen Mund.“ beantwortete Sheital die ungestellte Frage.

„Für meinen Mund?“ fragte Tolos ungläubig. „Warum sollte ich mir einen Stein in den Mund schieben?“

„Der Stein hilft dir deinen Mund und Rachen feucht zu halten.“ erklärte Sheital, „Wasser kann in der Wüste wegen Durst schnell zur Neige gehen und das kann den sicheren Tod bedeuten. Durch den Stein wirst du nicht soviel Durst haben und unsere Wasservorräte reichen länger.“

„Das klingt wirklich seltsam“ murmelte Tolos.

„Du kannst mir vertrauen.“ entgegnete Sheital, Die Einheimischen machen es auch nicht anders und es ist eine seit Generationen anerkannte Vorgehensweise."

„Und was soll dieses weiße Ding hier?“ fragte Tolos auf den Turban deutend.

„Das ist ein Turban. Er erfüllt gleich zwei Funktionen.“ erklärte Sheital mit erhobenem Zeigefinger, „Zum Einen schützt er deinen Kopf und dein Gehirn vor den Strahlen der Sonne. Das ist wichtig, damit du nicht auf die Trugbilder der Wüste hereinfällst. Zum Zweiten bis du als Barbar eine sehr auffällige Gestalt. Der Turban und die Robe lassen dich unauffälliger erscheinen, wodurch du kein so interessantes Ziel für Wegelagerer abgibst.“

Ich muss zugeben, das ergibt tatsächlich Sinn." sagte Tolos und versuchte unbeholfen sich den Turban auf den Kopf zu setzen. „Gegen etwas körperliche Ertüchtigung hätte ich aber nichts. Man muss ja im Training bleiben.“

Sheital lachte über Tolos Bemerkung, ging zu ihm und half den Turban korrekt aufzusetzen. Anschließend half er auch beim Anziehen der Robe, die für einen Barbaren von Tolos Körperbau aber viel zu klein erschien. Überall spannte sich der Stoff und drohte zu reißen. Tolos überlegte, ob er vorher vielleicht seine Rüstung hätte ablegen sollen, entschied aber, dass ihm der Schutz einer Rüstung wichtiger war.

Bevor sie sich jetzt auf ihre Reittiere schwangen, ergriff Sheital wieder das Wort.

„Ich habe eine Bitte …“ begann er, „bitte mach keine Alleingänge. Wenn wir uns in der Wüste verlieren, kann es für immer sein. Überlasse mir die Führung und ich verspreche dir, dass du sicher bei der Mine ankommst.“

„Also gut.“ antwortete Tolos, „Aber je schneller wir dort ankommen, desto besser.“

Sheital grinste nur auf die angefügte Anmerkung von Tolos und kletterte auf sein Kamel, das extra dafür auf die Knie gegangen war. Tolos beobachtete das schwankende Erheben des Tieres und fragte sich erneut, wie ein solch schlaksiges Wesen für eine Reise in der Wüste geeignet sein soll. Schließlich kletterte auch er auf sein Pferd und die Zwei begannen ihre Reise.

In der ersten Stunde in der Wüste hatte Tolos das Gefühl, dass es viel langsamer voran ging, als er es sich gewünscht hätte. Immer wieder wies Sheital ihn zum Warten an, während er mit seinem Kamel zum nächsten Dünenkamm voraus ritt, um von dort das Dünental dahinter auszuspähen. Mal winkte Sheital zu Tolos, er solle ihm folgen, andere Male deutete er in eine alternative Richtung. Tolos erkannte immer mehr die Qualitäten eines Spions in Sheital und begann sie wirklich zu schätzen, als er in einem umgangenen Dünental einige riesige Skorpione erblickte, die mit Sicherheit eine Verzögerung ihrer Reise bedeutet hätten.

Mit der Zeit erkannte Tolos auch die Vorzüge eines Kamels in der Wüste. Während die Hufe seines Pferdes immer wieder in dem weichen Wüstensand einsanken, waren die breiten Füße des Kamels wie ein Kissen, wodurch es mit behäbiger Leichtigkeit und auch beachtlicher Geschwindigkeit über den Wüstensand gleiten konnte.

Als die gnadenlos herab scheinende Sonne sich langsam dem Zenit näherte, stellte Tolos fest, dass Sheital sogar mit dem Stein im Mund Recht hatte. Seit sie aufgebrochen waren, hatte er nicht einmal das Bedürfnis nach einem Trinkbeutel zu greifen, um eine trockene Kehle zu benässen.

Selbst der Turban schien seinen Zweck zu erfüllen. In seinen ersten Wochen in Kehjistan hatte Tolos immer wieder das Gefühl die Sonne würde seinen Kopf zum Kochen bringen. Mit dem weißten Turban wirkte die Reise jetzt wirklich viel angenehmer, weil das Weiß die Strahlen der Sonne abzuschirmen schien.

Einmal stutzte Tolos, weil er glaubte in der Ferne eine grüne Oase mit einem glitzernden See zu sehen. Während er dann aber die Flanke einer Düne hinab ritt, veränderte sich dieses Bild auf magische Weise. Plötzlich schienen die Palmen und der See einige Meter über dem Boden zu schweben, was eigentlich völlig unmöglich war. Das musste eines dieser Trugbilder der Wüste sein, die Sheital am Morgen noch erwähnt hatte. Als Tolos einen kräftigen Schluck aus seinem Trinkbeutel genommen hatte, begann die Oase langsam zu verschwimmen und verschwand schließlich.

Gegen Mittag war in der Ferne noch die Silhouette von hohen Bergen zu sehen. Erst dachte Tolos noch, dass auch die Berge ein Trugbild der Wüste wären. Je weiter er und Sheital aber voran kamen, desto deutlicher wurde der Anblick der Berge. Als die Sonne sich schließlich wieder dem Horizont näherte, hatten die Zwei den Fuß der Berge erreicht.

„Hier ist die Mine?“ fragte Tolos.

„Nicht hier.“ erwiderte Sheital „Sie ist aber nicht weit weg. Ganz in der Nähe ist ein guter Lagerplatz, wo wir die Nacht verbringen werden.“

„Ich will aber lieber schnell zur Mine.“ murrte Tolos.

„Das glaube ich dir.“ nickte Sheital „Aber du musst mir glauben, dass der Ritt durch die Wüste deinem Körper mehr zugesetzt hat, als du es jetzt merkst. Wir wissen nicht, was uns bei der Mine erwartet, und du möchtest dich sicher nicht geschwächt in einen Kampf stürzen?“

„Du hast Recht.“ entgegnete Tolos knurrend und ärgerte sich innerlich über die gute Menschenkenntnis von Sheital.

„Jetzt sei mal nicht so mürrisch.“ grinste Sheital „Ich bin auf deiner Seite, falls du es noch nicht gemerkt haben solltest. Komm! Ein guter Lagerplatz ist nicht weit und ein Lager lässt sich bei Tageslicht leichter errichten.“

Wieder übernahm Sheital die Führung. Langsam schlängelten sie sich durch ein Meer aus scharfkantigen Felsen, die mit der Zeit immer höher wurden. Schließlich erreichten sie eine kleine Senke, die von allen Seiten durch hohe Felsen eingerahmt waren.

„Ja, das ist ein guter Platz.“ bemerkte Sheital nickend, lies sein Kamel in die Knie gehen und stieg ab. „Wenn wir hier ein Feuer machen, kann es kaum von unerwünschten Beobachtern entdeckt werden. Hilf mir mal mit dem Zelt.“

Während Sheital die Seile von einem Bündel auf dem Rücken seines Kamels zu lösen begann, stieg Tolos von seinem Pferd ab. Dann half er Sheital das Bündel, das sich überraschend schwer anfühlte, vom Kamel herunter zu hieven. Einmal mehr war Tolos von den Qualitäten eines Kamels überrascht.

Sobald das Bündel auf dem Boden lag, begann Sheital weitere Seile zu lösen, faltete das Bündel auf und enthüllte mehrere Stangen. Mit Tolos Hilfe begann Sheital jetzt die Stangen miteinander zu verbinden und aufzustellen, bis am Ende eine Art Gerüst entstanden war. Schließlich nahmen die Zwei das Leinentuch, mit dem die Stangen gebündelt waren, und spannten es über das Gerüst.

„Wozu brauchen wir eigentlich ein Zelt?“ wollte Tolos wissen.

„In dieser Gegend gibt es viele Sandwespen.“ erklärte Sheital, „Das sind wirklich lästige kleine Biester, die von Licht und den Gerüchen von Schweiß und Blut angelockt werden. Sie sind äußerst giftig und du kannst mir glauben, dass ein Stich von ihnen selbst einen so kräftigen Barbaren, wie du es bist, ohne Behandlung schnell töten würde. Das Zelt wird uns schützen, während wir schlafen.“

„Du kennst dieses Land wirklich sehr gut.“ bemerkte Tolos „Aber du stammst nicht von hier. Deine Haut ist viel heller, als die der Einheimischen.“

„Du hast Recht, ich bin hier nicht heimisch.“ grinste Sheital „Ursprünglich komme ich aus Scosglen, wo das Klima weit angenehmer ist. Das Land kenne ich durch meinen Beruf. Viele Aufträge hatten mich hier her geführt.“

Sheital begann etwas trockenes Holz aus der Umgebung zu sammeln, das er vor dem Zelt anhäufte. Unter Tolos aufmerksamen Blicken nahm er zwei Feuersteine und entfachte ein kleines Feuer. Während das Feuer langsam wuchs, entfernte Sheital hier und da ein Stück Holz, damit es nicht zu groß werden würde.

„Darf ich dich etwas fragen?“ begann Tolos und ließ sich neben dem Feuer nieder.

„Natürlich. Wir sind doch schon Freunde.“ entgegnete Sheital und grinste wieder.

„Du bist also ein Spion.“ bemerkte Tolos und fuhr nach einem tiefen Atemzug fort, „Ich meine, du handelst mit Informationen, wie du es selbst sagst. Mich würde interessieren, ob du im Rahmen deiner Tätigkeit schon Leute getötet hast?“

„Nein, das habe ich nicht.“ antwortete Sheital, holte zwei Stücken Fleisch aus einer Tasche, spießte sie auf und steckte die Stöcke so in den Sand, damit das Fleisch über den Flammen hing. „Ich kümmere mich nur um die Beschaffung von Informationen über Orte und Leute. Dabei achte ich sehr darauf nicht entdeckt zu werden. Was meine Auftraggeber mit den Informationen machen, ist mir egal. Die Hauptsache ist, dass sie gut dafür zahlen.“

„Du hast also noch nie gekämpft?“ hakte Tolos nach.

„Das habe ich nie behauptet.“ lachte Sheital „Natürlich habe ich schon gekämpft. Es gibt überall Banditen, die sich auch gut auf Tarnung verstehen und da muss man sich verteidigen können. Ich ziehe es aber vor einem Kampf aus dem Weg zu gehen.“

„Gut!“ bemerkte Tolos darauf. „Jetzt weiß ich, dass wenn es zu einem Kampf kommt, ich nicht zusätzlich auf dich aufpassen muss.“

„Oh! Ein Barbar in Sorge um mein Wohlbefinden!“ lachte Sheital erneut. „Dein Volk ist immer wieder für Überraschungen gut.“

Tolos runzelte knurrend die Stirn.

„Schon gut.“ meinte Sheital und hob beschwichtigend die Arme. „Ich wollte nur das Eis weiter brechen. Natürlich bist du nicht der einzige Barbar mit Sorge um seine Gefährten. Selbst Beltrak hat diese Angewohnheit und das habe ich während unserer Zusammenarbeit zu schätzen gelernt. Ich hoffe die Zusammenarbeit mit dir wird sich als genauso fruchtbar erweisen, wie die mit Beltrak.“

„Wir werden sehen.“ antwortete Tolos nur.

Sheital schien zu merken, dass Tolos nicht auf weitere Gespräche erpicht war. Schweigend wartete er ab, bis das Fleisch durch geröstet war, nahm sich dann einen Spieß und stand auf.

„Ich gehe die Gegend etwas erkunden.“ sagte er. „Wenn du müde bist, kannst du dich ruhig schon ins Zelt legen. Morgen erreichen wir die Mine und vielleicht findest du dort, was du suchst.“

Mit diesen Worten drehte Sheital sich herum und stapfte in die Dunkelheit hinaus.

Tolos aß seinen Anteil an dem Fleisch, wobei seine Gedanken sich nur noch um die Mine und den angeblich dort versteckten Kopf drehten. Noch lange nach der Mahlzeit kreisten seine Gedanken darum, bis die Müdigkeit ihn tatsächlich zu überwältigen drohte. Er krabbelte in das Zelt und schon kurze Zeit, nachdem er sich hingelegt hatte, hatte der Schlaf ihn auch schon geholt.


To be continued …

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hier schon mal ein platzhalter für den vierten teil, ich bin gespannt

Die Suche nach der Zukunft - Teil 4

Am nächsten Morgen musste das Frühstück ausfallen, weil Tolos zu sehr darauf drängte die Mine zu erreichen. Sheital hatte vorgeschlagen das Kamel und das Pferd zurückzulassen, da diese in dem felsigen Gelände wohl eher störend sein würden. Tolos gefiel der Gedanke nicht wirklich, aber nach dem gestrigen Tag hatte er die Erfahrungen von Sheital mehr zu schätzen gelernt.

So machten sich die Zwei zu Fuß auf den Weg zur Mine. Und wieder erwies sich der Vorschlag von Sheital als richtige Entscheidung. Der Weg führte die ungleichen Gefährten durch immer engere Passagen zwischen immer höheren Felsen. Immer wieder taten sich tiefe Felsspalten vor ihnen auf, deren Boden Tolos nicht einmal sehen konnte. Oftmals wurden die Pfade auch zu eng oder zu niedrig für ein Reittier. Selbst der hochgewachsene Tolos musste an einigen Stellen weit nach vorn gebeugt laufen.

„Gibt es keinen anderen Weg?“ fragte Tolos nach einiger Zeit.

„Geben schon.“ antwortete Sheital etwas gepresst, „Wenn du die Mine aber ungesehen erreichen willst, ist das der beste Weg.“

Nach einiger Zeit, die Zwei hatten auch schon einige Höhenmeter hinter sich gebracht, wurde das Gelände etwas wegsamer. Erst jetzt konnte Tolos erkennen, wie weit über der eigentlichen Wüste sie sich jetzt befanden. Die Bergkette auf der anderen Seite schien trotzdem wie eine riesige Mauer, die sich bis in den Himmel zu erstrecken schien.

Plötzlich hob Sheital die Hand und stoppte. Tolos wäre fast in ihn hinein gelaufen.

„Was ist los? Warum halten wir an?“ fragte Tolos.

„Riechst du das nicht?“ fragte Sheital „Ein Feuer!“

„Und warum sollte uns das stören?“ wollte Tolos wissen.

„Weil man hier draußen nie weiß, wer oder was bei einem Feuer vorzufinden ist.“ sagte Sheital leise „Du möchtest doch nicht blindlings in eine Horde von Dämonen laufen?“

„Also gut. Was schlägst du vor?“ fragte Tolos.

„Du wartest hier und ich gehe nachsehen, was dort ist.“ antwortete Sheital

„Wir könnten doch zusammen nachsehen.“ meinte Tolos.

„Nimm es mir nicht übel, aber deine Rüstung und die Waffen klappern zu sehr.“ winkte Sheital ab, „Man würde wissen, dass wir da sind, noch bevor wir sehen, wer oder was dort ist.“

Tolos wollte etwas darauf erwidern, aber da war Sheital auch schon losgelaufen. Grummelnd blickte Tolos ihm nach und begann sich zu fragen, warum er sich überhaupt so leicht von Sheital beeinflussen lies. Kaum eine Minute später war Sheital auch schon hinter einem Felskamm verschwunden.

Erst blieb Tolos einfach nur stehen und wartete. Schnell wurde er aber ungeduldig und begann auf und ab zu wandern. Zwei Mal musste er sich regelrecht davon abhalten Sheital hinterher zu eilen, was ihn mit Sicherheit verraten hätte. Nach fast einer Stunde wurde seine Ungeduld so hoch, dass er einfach irgendwas tun musste. Da fiel ihm ein Stein ins Auge, der wie eingeladen dort vor ihm lag. Gerade als er mit dem Fuß ausholte, um den Stein wegzukicken, legte sich eine Hand auf seine Schulter.

„Ich würde das lassen! Das Echo wäre meilenweit zu hören!“ sagte Sheital hinter ihm.

„Sheital!“ raunte Tolos, „Bei Bul Kathos, was hast du so lange gemacht?“

„Was Spione eben so tun. Ich habe spioniert.“ grinste Sheital ihn an.

Tolos runzelte die Stirn. War das ein Versuch einen Scherz zu machen?

„Gut, was hast du herausgefunden?“ fragte er.

„ich bin bis zur Mine vorgedrungen.“ berichtete Sheital, „Dort haben aber Banditen ihr Lager aufgeschlagen und es sind nicht wenige. Ich habe mindestens 20 gezählt, aber da könnten noch mehr sein.“

„Banditen!“ Tolos spie auf den Boden, „Ich hasse Banditen. Ehrloses Pack!“

„Wir könnten bis zum Abend warten und dann an ihnen vorbei schleichen.“ meinte Sheital „Allerdings weiß ich nicht, was in der Mine ist. Da könnten noch mehr Banditen sein, oder gar schlimmeres.“

„Nein, ich werde nicht warten.“ entgegnete Tolos, „Ich brauche mal wieder einen guten Kampf und es würde der Welt auch gut tun, wenn es ein paar Banditen weniger gäbe.“

„Das ist doch verrückt!“ sagte Sheital mit erschrockenem Blick, „Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe? Es sind mindestens 20 Banditen, vielleicht auch mehr. Ja, ihr Barbaren sollt unvergleichliche Kämpfer sein, aber das hört sich einfach unmöglich an!“

„Vielleicht sollte ich dir mal ein Schauspiel barbarischer Kampfkunst geben.“ sagte Tolos und diesmal war er es, der Sheital breit angrinste.

Sheital seufzte und schüttelte den Kopf. Dann nickte er aber.

„Also gut. Im Kämpfen bist du der Experte.“ sagte er schließlich, „Am Besten nähern wir uns unauffällig so weit es nur geht und du verschaffst dir selbst nochmal einen Überblick. Dann überlasse ich dir gerne den Schauplatz.“

Bevor die Zwei loszogen, legte Tolos noch ein paar Rüstungsteile ab, die tatsächlich besonders laut klapperten. Dann lies er sich von Sheital durch die felsige Landschaft und auf einen Felsvorsprung über dem Eingangsbereich der Mine führen. Von hier aus hatten sie tatsächlich einen recht guten Überblick auf das unter ihnen liegende Gebiet, ohne selbst leicht entdeckt werden zu können.

Dort unten sah Tolos eine Vielzahl an Banditen, die scheinbar ungeordnet ihren Aufgaben nachgingen, oder sich zu kleinen Grüppchen zusammengefunden hatten, um zu plauschen. Es gab hohe Felsen, hinter denen immer wieder Banditen verschwanden und auftauchten. Es war also unmöglich ganz genau zu sagen, wie viele Banditen dort unten wirklich waren.

Der Eingang zur Mine selbst lag ebenfalls im Blickbereich. Es hatte den Anschein, als hätten die Banditen den Eingang verbarrikadiert. Es war aber unklar, ob sie etwas in der Mine halten wollten, oder ungewollte Besucher außerhalb.

„Dann wird es Zeit für eine kleine Demonstration.“ grinste Tolos und machte ein paar Schritte zurück.

„Was hast du …“ begann Sheital zu fragen, aber da stürmte Tolos auch schon los.

Noch im Lauf holte Tolos seine Streitaxt vom Rücken und als er den Rand des Vorsprunges erreicht hatte, sprang er einfach in die Tiefe. Sheital eilte zum Rand und blickte ihm hinterher.

7 Meter tiefer prallte Tolos in eine kleine Gruppe von 6 Banditen, die durch die Wucht des Aufpralls fortgeschleudert wurden und mit einem lauten Krachen an die Felswände prallten. Als wäre nichts gewesen, stürmte Tolos sofort in die nächste Gruppe an Banditen. Sie waren von dem plötzlichen Überfall so überrascht, dass sie nicht einmal reagierten, während Tolos mit seiner Axt wirbelnd durch die Gruppe mähte.

Hinter einigen Felsen kamen ein paar Banditen mit Armbrüsten hervor, die Tolos sahen und auf ihn anlegten. Tolos hatte damit aber gerechnet und jetzt kam das Geschenk von Beltrak zum Einsatz. Surrend zischte eine Wurfaxt nach der Anderen durch die Luft, prallte auf ihr Ziel und schleuderte es einige Meter über den Boden.

Mehr Banditen stürmten auf Tolos zu, die er mit einem mächtigen Aufzustampfen auf den Boden ins Straucheln brachte. Sofort war Tolos über seinen Gegnern und streckte sie mit Axt- und Fausthieben nieder.

In einer Drehung sah Tolos, dass Sheital von dem Vorsprung herunter geklettert war. Sheital hatten ein Krummschwert in der Hand und holte damit gerade zum Wurf aus. Das Schwert segelte durch die Luft und direkt auf Tolos zu. Einen Moment lang dachte Tolos, dass Sheital die Seiten gewechselt hatte, aber als das Schwert ihn nur knapp verfehlte und hinter ihm jemand mit einem lauten Keuchen zusammenbrach, zerstreute sich der Gedanke auch wieder.

Tolos hatte kaum Zeit weiter nachzudenken. Mit Gebrüll stürmten weitere Banditen auf ihn ein, aber der Kampfschrei von Tolos selbst brachte deren Ansturm ins Straucheln. Schnell nutzte Tolos die vorübergehende Unsicherheit aus und ging selbst zum Angriff über. Kaum eine Minute später lagen alle Angreifer vor ihm im Staub.

Er wandte sich wieder Sheital zu und sah, wie sein Begleiter von gleich vier Banditen bedrängt wurde. Jetzt war es aber Sheital, der ein Schauspiel lieferte. Nur mit einem kleinen Dolch bewaffnet erwehrte er sich dieser Banditen. Er bewegte sich, wie ein Blatt im Wind, womit er den Hieben und Stößen der Banditen entging. In schneller Folge setzte sein Dolch kleine, aber auf Dauer erhebliche Stich- und Schnittwunden, bis die Banditen schließlich einer nach dem Anderen zusammenbrachen.

Mit einem Mal war es still in der Senke vor dem Eingang der Mine. Nur das schwere Schnaufen von Sheital und Tolos war neben dem leise pfeifenden Wind noch zu hören. Als Tolos sich umblickte, stellte er fest, dass er und Sheital sich bei der Anzahl der Banditen arg verschätzt hatten. Nur mit einem flüchtigen Blick zählte er mindestens 40 Körper, die in der ganzen Senke verteilt im Wüstenstaub lagen.

„Das hätte leicht ins Auge gehen können.“ murmelte Tolos.

„Ich habe doch nicht auf dich gezielt.“ meinte Sheital, der dessen Bemerkung missverstanden hatte. „Ein einfaches Danke würde mir reichen.“

Tolos schaute Sheital einen Moment lang verwirrt an, dann erinnerte er sich aber an den hinter ihm niedergestreckten Gegner und nickte.

„Danke für die Unterstützung.“ sagte er und fügte hinzu, „Du bist ein überraschend guter Kämpfer. Ich bin wirklich beeindruckt, wie du mit den Banditen fertig geworden bist.“

„Gegenüber deinen Künsten ist das doch gar nichts.“ schleimte Sheital grinsend. "Ich habe Beltrak kämpfen gesehen, aber du hast hier noch eine Schippe drauf gelegt.

„Genug davon.“ sagte Tolos und blickte zum Eingang der Mine, „Nur noch die Barrikade einreißen und wir erfahren, was da drinnen ist.“

„Wenn ich einen Vorschlag machen darf…“ mischte Sheital sich ein.

„Deine Vorschläge haben sich bisher irgendwie immer als nützlich erwiesen.“ entgegnete Tolos. „Also raus damit!“

„Danke für dein Vertrauen.“ grinste Sheital wieder. „Ich schlage vor, du sammelst erst einmal unsere Waffen hier ein und machst ein wenig Ordnung. Ich gehe derweil unsere zurückgelassene Ausrüstung und Reittiere holen. Die Tiere können uns beim Einreißen der Barrikade helfen. Was auch immer in der Mine ist, wird mit Sicherheit nicht weglaufen. Später sind wir Beide dann auch von dem Kampf eben erholt und besser vorbereitet auf das, was da kommen mag.“

„Gut. Inzwischen kann ich auch mal nachsehen, was die Banditen alles an Beute hier horten. Vielleicht ist etwas von Nutzen dabei und auch etwas, das sich später verkaufen lässt.“

Damit machte Sheital sich auch schon auf den Weg, um die zurückgelassenen Sachen zu holen. Tolos durchstöberte das Lager der Banditen, wobei sein Blick immer wieder auf den verbarrikadierten Eingang der Mine fiel. Das Ziel war so nahe, aber würde sich der gesuchte Kopf tatsächlich in dieser Mine befinden? Bald schon würde er es herausfinden.


To be continued …

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Die Suche nach der Zukunft -Teil 5

Bis zur Rückkehr von Sheital samt Reittieren und zurückgelassener Ausrüstung konnte Tolos sich im Schatten eines Felsens sogar noch ein Nickerchen gönnen. Zuvor hatte er die im Kampf eingesetzten Wurfäxte und das Krummschwert von Sheital eingesammelt. Er hatte die Kisten der Banditen auf brauchbare Beutestücke untersucht und sich sogar Zeit genommen die leblosen Körper in einer Felsnische aufzuhäufen.

Sheital musste Stunden unterwegs gewesen sein, denn die Sonne näherte sich schon wieder dem Horizont, als er endlich in der Senke vor der Mine eintraf. Tolos war inzwischen auch wieder wach, hatte die Waffen gereinigt und war gerade dabei sie wieder zu schärfen.

„Das hat ja ewig gedauert.“ knurrte er Sheital entgegen. „Auf dem Weg noch in einer Schänke eingekehrt?“

„Natürlich nicht!“ erwiderte Sheital „Hältst du mich wirklich für einen Trunkenbold? Mit den Tieren konnte ich nicht den gleichen Weg nehmen, wie wir. Ich musste immer wieder Umwege machen.“

„Am Verständnis unseres Humors müssen wir wohl noch etwas arbeiten.“ meinte Tolos, nahm das Schwert von Sheital und warf es ihm entgegen, „Gereinigt und geschärft.“

„Danke!“ rief Sheital im Fangen und schwang sein Schwert dann testweise durch die Luft. „Das ist gute Arbeit. Hast du mal überlegt Schmied zu werden?“

„Und die Ausrüstung mit bloßen Händen schmieden?“ fragte Tolos.

Sheital begann zu lachen.

„Unsere Beziehung wird selbst beim Humor besser.“ meinte er und sah sich um „Wo sind denn die ganzen Banditen?“

„Da hinten.“ antwortete Tolos und deutete mit dem Daumen über seine Schulter. „Die machen jetzt Gruppen-kuscheln in einer Felsnische. Wie sieht dein Plan jetzt aus? Willst du vorschlagen die Nacht hier zu verbringen und erst Morgen in die Mine zu gehen?“

„Das wäre keine so gute Idee.“ sagte Sheital kopfschüttelnd. „Die toten Banditen werden Aasfresser und andere Raubtiere anlocken. Hier wären wir nicht sicher. Ich schlage vor, wir reißen die Barrikade ein, verstecken dann unsere Tiere in einer anderen Felsnische und sichern diese ab, damit keine Raubtiere an sie heran kommen.“

„Ich hatte gehofft, du würdest das sagen!“ erwiderte Tolos grinsend und erhob sich.

Gemeinsam brachten sie das Kamel und Tolos Pferd vor dem Mineneingang in Position. Sie befestigten Seile an den Sattelknäufen und suchten sich geeignete Ankerpunkte an der Barrikade.

„Ich mag mich täuschen, aber die Barrikade sieht nicht neu aus.“ meinte Tolos dabei.

„Da hast du recht.“ sagte Sheital nickend. „Ich vermute, sie wurde damals von den Minenarbeitern errichtet. Die paar überlebenden Arbeiter, mit denen ich gesprochen hatte, haben ja etwas von Dämonen gefaselt. Wenn ich die Barrikade so sehe, glaube ich, da ist vielleicht etwas Wahres dran.“

Die Barrikade hielt dem Zug von Kamel und Pferd nicht lange Stand. Polternd und krachend fiel sie in sich zusammen, womit sie das schwarze Maul freigaben, das tief in den Fels hinein führte. Kaum war die Barrikade gefallen, drangen schrille und unmenschlich klingende Schreie aus den Tiefen herauf. Tolos konnte Sheital ansehen, dass dieser trotz seiner hellen Hautfarbe noch etwas blasser um die Nase wurde.

Während Tolos sich jetzt um das Verstecken udn Sichern der Reittiere kümmerte, suchte Sheital Material für einige Fackeln zusammen. Holz und Stoff gab es in dem Banditenlager ja genug zu finden. Öl war, wie immer, ein selteneres Rohmaterial, aber nach einigem Suchen fand er auch davon etwas.

Als die Fackeln entzündet waren, standen er und Tolos einige Minuten lang vor dem Eingang der Mine. Schweigend lauschten sie in die Dunkelheit, aber von den unmenschlichen Geräuschen war jetzt nichts mehr zu hören. Erst jetzt begaben sie sich, auf mögliche Angriffe aus der Dunkelheit vorbereitet, in das schwarze Maul der Mine.

Die ersten Gänge zeigten eindeutige Zeichen von menschlicher Bearbeitung. Schwere Holzbalken waren errichtet worden, um die Tunnel vor Einstürzen zu schützen. Ab und zu fanden sich an den Wänden noch alte Öllampen, die teilweise tatsächlich noch mit Öl gefüllt waren. Sheital entzündete sie, damit der Rückweg leichter zu finden sein würde.

Immer wieder kamen Tolos und Sheital in eine Sackgasse, wo der Minenschacht nicht weiter in den Fels getrieben worden war. Auch gab es einige Tunnel, wo die Balken das Gewicht des Felsens nicht mehr hatten tragen können und sie deshalb mit Geröll versperrt waren. Nur ganz mühsam kamen sie voran, aber sie fanden auch nichts, was die Schreie verursacht haben könnte.

Schließlich fanden sie einen Tunnel, in dem die Stützbalken noch am Frischesten aussahen. Dies musste der letzte Tunnel sein, den die Minenarbeiter damals in den Berg getrieben hatten. Eine lange Zeit führte er einfach nur mit etwas Gefälle in die Tiefe und machte dann einen langezogenen Bogen nach Rechts. Hinter der Biegung hielten die Zwei inne, denn am entfernten Ende des Ganges sahen sie einen rot flackernden Schein.

„Dort vorne ist etwas oder jemand.“ sagte Tolos leise.

„Wir sollten die Fackeln löschen.“ schlug Sheital vor. „Wenn wir vorsichtig sind, können wir vielleicht herausfinden, was dort ist, bevor wir bemerkt werden.“

Die Fackeln wurden gelöscht und jetzt tasteten sich die Zwei in dem dunklen Stollen vorwärts und dem roten Schein entgegen. Je näher sie dem Ende kamen, desto öfter stießen sie mit ihren Füßen an altes, einfach liegengelassenes Bergbauwerkzeug. Die ehemaligen Minenarbeiter mussten die Mine tatsächlich fluchtartig verlassen haben.

Als sie das Ende des Stollens erreicht hatten, standen sie am Eingang zu einer gewaltigen natürlichen Grotte. Überall an den Wänden flackerte der Widerhall von Fackeln und anderen Feuerquellen. Riesige, von der Decke herabhängende, Stalaktiten formten fast lebendig wirkende Schatten an den Wänden.

Die Grotte war auch nicht still. Von weit unter ihnen drangen Geräusche von klapperndem Metall an ihre Ohren. Es gab verzerrte Stimmen, die sich unnatürlich anhörten. Selbst der Boden bebte leicht, weil dort etwas sehr Großes herumwandern musste. Sheital und Tolos legten sich auf ihre Bäuche und robbten an den Rand heran, um nach unten zu spähen. Was sie da sahen, ließ den beiden ungleichen Gefährten gleichermaßen das Blut in den Adern gefrieren.

„Das ist … völlig unmöglich!“ stammelte Tolos leise.

Unten an der Sohle der Grotte war eine Art Stadt errichtet worden. Sie war ein groteskes Spiegelbild zu den Städten, die von Menschen errichtet werden. Zwischen den Gebäuden, die unnatürliche Winkel zu haben schienen, bewegten sich die verschiedensten Kreaturen.

Es gab Wesen von der Größe eines Menschen, die aber eine dicke Haut aus Schuppen hatten. Dann gab es viel kleinere Wesen mit gelblicher Haut und weißem Haupthaar, die ohne Zeitverlust von einem Ort zum Anderen springen konnten. Es gab große Kreaturen mit schweren Rüstungen, die sehr träge wirkten, aber mit riesigen Peitschen bewaffnet waren. Bestien, die entfernt an Bullen erinnerten und mit schweren Äxten bewaffnet waren, streiften durch die Gassen. Und dann waren dort gewaltige Kolosse mit einer Panzerung aus höllischem Stahl, deren Klingen an den Armen gleich mehrere Menschen auf einmal durchbohren könnten. Diese Kolosse ließen mit jedem Schritt den Boden erzittern, was wohl durch die schweren Lasten verstärkt wurde, die sie trugen.

„Dämonen!“ sagte Sheital gepresst. „Es sind tatsächlich Dämonen! Ich könnte nicht einmal raten, wie viele es sind. Solche Dämonen habe ich noch nie gesehen!“

„Ich schon.“ bemerkte Tolos darauf. „Nicht in Natura natürlich. Ich kenne sie aus Überlieferungen und Malereien. Nie hätte ich vermutet, dass sie noch existieren.“

„Bitte kläre mich auf.“ bat Sheital.

„Diese Dämonen …“ begann Tolos, „…sie waren der Anfang vom Ende. Sie gehören der Armee von Baal an, der für die Verheerung am Arreat und an meinem Volk verantwortlich ist. Du hast sicher von dem Großen Übel und Fürsten der Hölle gehört?“

„Das habe ich.“ erwiderte Sheital, „Aber ist seine Armee nicht mir seiner Vernichtung zerfallen?“

„Das dachten wir alle und doch sehen wir sie hier vor uns.“ antwortete Tolos, „Sie müssen einen neuen Anführer haben, der sie in dieser Höhle versammelt hat.“

„Was machen wir jetzt?“ wollte Sheital wissen.

„Ich weiß nicht …“ gab Tolos zu. „Auch wenn ich einem Kampf nur ungern aus dem Weg gehe, dieser wäre wohl sinnlos. Die schiere Masse würde uns einfach überrennen.“

„Vielleicht können wir sie ja umgehen.“ meinte Sheital, „Natürliche Höhlen bestehen oft aus einem Netzwerk an kleineren Höhlen. Wenn wir einen Zugang finden, kommen wir womöglich an ihnen vorbei.“

„Das scheint mir tatsächlich die beste Idee.“ stimmte Tolos zu und begann sich umzusehen.

Auch Sheital sah sich um und tatsächlich entdeckte er nur wenige Meter unter ihnen einen schmalen Felsvorsprung, von dem ein kleiner Höhlengang ausging. Der Eingang war gerade groß genug, damit der riesige Tolos hindurchpassen könnte.

„Probieren wir es dort!“ sagte er und deutete auf den Vorsprung.

Tolos beäugte den kleinen Eingang und runzelte skeptisch die Stirn. Der Gedanke wie eine Ratte durch so enge Tunnel zu kriechen, sagte im nicht wirklich zu. In Ermangelung anderer Optionen musste er jedoch zustimmen und so kletterten die Zwei zu dem Tunnel hinab.

Sie mussten tatsächlich weite Strecken auf allen Vieren zurücklegen. Zum Glück gab es immer wieder Öffnungen im Gestein, wodurch das Licht aus der Grotte ihren Weg beleuchten konnte. Immer wieder blickte Sheital, der voraus krabbelte, amüsiert zu Tolos zurück, der sich in den engen Tunneln mehr als nur einmal den Kopf anstieß und deshalb leise fluchte.

Es gab Abschnitte, in denen sie sich gehockt fortbewegen konnten, und auch Abschnitte, wo selbst Tolos voll aufgerichtet laufen konnte. Nach und nach arbeiteten sie sich zum anderen Ende der gewaltigen Grotte vor, ohne von den Dämonen darin bemerkt zu werden.

Von hier führte ein gewaltiger Höhlengang tiefer in die Erde. Er war von zahllosen Fackeln beleuchtet und an dessen Ende schien sich eine weitere Grotte zu befinden. Tolos und Sheital folgten diesem Gang, um zu sehen, was sie an dessen Ende vorfinden würden.

Die Grotte, die sie dort vorfanden, war nicht im Entferntesten so groß, wie die Grotte mit der dämonischen Stadt. Feuerschalen und Fackeln beleuchteten sie und in dessen Mitte befand sich eine grotesk anmutende Konstruktion.

„Ein Schrein zu Ehren von Baal.“ bemerkte Tolos. „Ich würde sie am Liebsten sofort einreißen!“

„Das würde die Dämonen auf uns aufmerksam machen.“ mahnte Sheital., „Lass uns lieber sehen, ob wir hier etwas finden und dann einfach verschwinden.“

„So ungern ich es zugebe, du hast wieder einmal Recht.“ nickte Tolos. „Wenn die Dämonen den Wert des Schädels kennen, würden sie ihn sicher nicht irgendwo in ihrer Stadt aufbewahren, sondern viel eher hier.“

Die Zwei begannen sich umzusehen, bis Tolos etwas in den Händen der grotesken Baal-Statue entdeckte. Um es zu identifizieren, ging er näher heran, was auch die Aufmerksamkeit von Sheital erregte. Schließlich blickten Beide auf einen uralten Schädel herab, der dort in den Händen von Baal ruhte.

„Ist er das?“ fragte Sheital, „Ist das der Schädel, den du suchst?“

„Er sieht zumindest aus, wie in den alten Überlieferungen.“ nickte Tolos. „Sicher kann man aber nicht sein.“

Er streckte seine Hand nach dem Schädel aus und als seine Fingerspitzen ihn berührten, veränderte sich plötzlich die ganze Welt um ihn herum. Der Fels wirkte wie ein riesiges, waberndes Gebilde. Das Licht der Fackeln und der Feuerschalen bekam eine unnatürliche Färbung. Selbst die Statue von Baal verzerrte sich bis zur Unkenntlichkeit.

Tolos blicke fragend zu seinem Gefährten hinüber und stellte fest, dass Sheital wie in der Zeit eingefroren wirkte. Hier ging ging definitiv etwas vor sich, was er nicht verstand. Eine Art Magie oder vielleicht auch ein Fluch, den die Dämonen dem Schädel auferlegt hatten.

Als Tolos wieder zu der Statue von Baal blickte, war diese plötzlich verschwunden. An ihrer Stelle befand sich eine in ein bläuliches Licht gehüllte Gestalt von der Größe eines ausgewachsenen Barbaren. Erschrocken wich Tolos einige Schritte zurück.

„Hab keine Furcht.“ begann die Gestalt zu sprechen. „Unser Volk sollte niemals von Furcht geleitet werden.“

„Was … Wer bist du?“ stammelte Tolos.

„Du hast mich doch längst erkannt.“ sagte die Gestalt. „Auch wenn du nur einen Teil von mir vor dir hast, bin ich dennoch Korlic der Beschützer.“

„Korlic …“ stammelte Tolos und spürte, wie seine Glieder in Ehrfurcht zu zittern begannen. „Ich … Wir alle dachten, die drei Wächter wären damals vernichtet worden.“

„Das wurden wir auch.“ erzählte Korlic, „Nachdem wir getäuscht wurden und der Arreat explodierte, wurden unsere Statuen zerfetzt und in alle Winde verstreut. Seit ewigen Zeiten warte ich nun schon darauf, dass mein Kopf gefunden und aus den Händen dieser Abscheulichkeiten befreit wird.“

„Nur zu gerne befreie ich deinen Kopf aus den Händen dieser Dämonen.“ entgegnete Tolos. „Weißt du auch, wo der Rest von deiner Statue ist? Und weißt du, wo man Madwac und Talic finden kann?“

„Das kann ich dir nicht genau sagen, auch wenn ich ihre Existenz in der Welt zu spüren vermag.“ antwortete Korlic, „Wenn du und unser Volk es vermag uns alle zu finden und wieder zu vereinen, würden wir gern wieder unsere Rolle als Wächter einnehmen. Nicht für den Arreat und den Weltenstein, sondern für das ganze Volk der Barbaren.“

„Ich schwöre, ich werde mich dieser Aufgabe annehmen.“ sagte Tolos mit gestärkter Entschlossenheit. „Zu lange ist unser Volk jetzt schon zerstreut. Zu lange lebt jeder Clan für sich. Es wird Zeit, dass wir alle wieder vereint leben können.“

„Möge Bul Kathos deinen Weg leiten und deinen Erfolg sichern.“ sagte Korlic und dann verschwand dessen Erscheinung.

„Tolos? Hey! Tolos! Was ist los mit dir?“ erklang die Stimme von Sheital neben ihm.

„Ich … Was ist passiert?“ stammelte Tolos etwas verwirrt, während er auf die Statue von Baal mit dem Schädel von Korlic vor sich blickte.

„Das solltest du mir sagen!“ drängte Sheital „Seit Minuten stehst du da, als wärst du zu einer Statue geworden. Du hast einfach auf gar nichts reagiert.“

„Ich …“ begann Tolos und versuchte die richtigen Worte zu finden, „Ich war einfach nur in Gedanken versunken.“

„Und jetzt geht es dir wieder gut?“ fragte Sheital, „Können wir hier endlich verschwinden?“

„Nicht ohne den Schädel!“ sagte Tolos.

„Was ist so besonders an diesem alten Ding?“ wollte Sheital wissen.

„Es ist der Schädel von Korlic dem Beschützer.“ sagte Tolos und griff nach dem Schädel, „Ich muss ihn mitnehmen und die anderen Teile finden. Damit kann unser Volk endlich wieder vereint werden.“

Kaum hatte Tolos den Schädel aus den Händen der Baal-Statue genommen, verspürte er einen leichten Stich im Nacken. Sofort begann seine Sicht zu verschwimmen und er spürte seine Glieder wackelig werden.

„Was zum …“ stammelte er und griff mit der freien Hand in seinen Nacken, wo er einen winzigen Pfeil vorfand.

„Es tut mir Leid, mein Freund.“ hörte er Sheital sagen, während er auf die Knie sank und der Schädel aus seiner Hand rutschte, „Hätte ich gewusst, worum es hier wirklich geht, hätte ich mich nie auf dieses Unterfangen eingelassen.“

Tolos fiel auf die Seite. Sein Arm zitterte, während er ihn nach dem Schädel ausstreckte. Dann trat Sheital in sein Sichtfeld, beugte sich zum Schädel herab und nahm ihn an sich.

„Ich kann nicht zulassen, dass das Volk der Barbaren sich wieder vereint.“ erzählte er Tolos, dessen Verstand langsam zu schwinden begann. „Ihr Barbaren seid ein äußerst kriegerisches Volk und ich habe gesehen, wie ihr kämpft. Ein vereintes Barbarenvolk würde eine enorme Bedrohung für den Rest der Welt darstellen und das darf einfach nicht geschehen.“

„Du … Verräter!“ brachte Tolos noch hervor.

„Ich schätze dich, Tolos.“ erzählte Sheital weiter, „Das tue ich wirklich. Du und Beltrak wart tatsächlich so etwas wie Freunde. Aus diesem Grund lasse ich dich auch am Leben. Das Gift wird dich nur für einige Stunden außer Gefecht setzen, aber dir wird es dann wieder gut gehen. Bitte verzeih mir!“

Tolos Geist driftete nun in völlige Dunkelheit ab. Er verlor jedes Gespür für seinen Körper und auch die Zeit spielte keine Rolle mehr.


So, das war quasi Akt 1. Kommentare? Ideen? Anregungen? Haltet euch nicht zurück.

Soll ich weiter schreiben?

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also wenn du schon akt 1 schreibst ist diese frage wohl überflüssig

von meiner meinung aus: unbedingt

ich hatte von anfang an nicht eine tiefsinnigere geschichte erwartet, gerade der letzte schreit doch danach das eine fortsetzung kommt.

schwierieg :thinking:,
für wen arbeitet sheital, dass er verhindern will/soll das der barbaren-clan wieder vereint wird?
ist es eine geheime gruppiereung? für die hölle oder sogar für den himmel?

nur wenige rechtschreibfehler, ansonsten liest es sich seht gut. sehr angenehmer zeilenabstand

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Danke für dein Feedback, Guts. :+1:

Nun ja. Wenn die Geschichte nicht ankommt, könnte man sie an dem Punkt auch gut für abgeschlossen sehen.

Das freut mich schonmal zu lesen. :slight_smile:

Das verstehe ich gerade nicht ganz. Liegt das an den vorherigen Kurzgeschichten, wo ich viel mit Klamauk gearbeitet habe? Ist die Geschichte nicht tiefsinnig genug?

Wie die Rollen der Protagonisten in Zukunft aussehen, ist im wahrsten Sinne noch nicht geschrieben.

Könnte ja sein, dass du noch irgendwelche Wunschschauplätze hast, die ich eventuell berücksichtigen kann. Die Welt von Sacntuario ist ja riesig und beschränkt sich nicht nur auf die Regionen aus D4. Ich würde gerne über die Grenzen von D4 hinausgehen :slight_smile:

Hahaha. Ja, das kann vorkommen, gerade wenn man direkt hier im Forum schreibt. Ich lasse mich gerne auf kleine Fehler hinweisen, die ich übersehen habe.

Ansonsten nehm ich das als recht positives Feedback.

ja, warscheinlich, war ich etwas voreingenommen

oh, doch ist sie, ich hatte nur nicht das erwartet

da müsste ich noch überlegen bzw drüber schlafen, vielleicht fällt mir was ein

da wäre es besser wenn wir das über das battlenet miteinander reden, dann können wir gleich an der richtigen stellen korrigieren bzw auch über sonstiges quatschen

Guts#2292

Danke für dein Interesse an meinem Geschreibsel, Guts. Auf dein Angebot komm ich gerne zurück.

Bissel wundert es mich, dass unser TE hier sich noch nicht zu Wort gemeldet hat. EroSennin? Bist du noch unter uns?

Ich versuch hier mal etwas weiterzuschreiben. Mal sehen, wie lange es dauert … Jetzt ist es knapp 20 Uhr.


Die Suche nach der Zukunft - Teil 6

Seit den Geschehnissen in der Mine waren 3 Monate vergangen. Damals hatte Tolos mit der Hilfe von Sheital tatsächlich den Statuenschädel von Korlic dem Beschützer gefunden. Kurz darauf hatte Sheital ihn verraten und mit einem Giftpfeil betäubt, bevor dieser den Schädel an sich nahm.

Tolos war in einer der kleinen Nebenhöhlen entfernt von der großen Grotte mit der Dämonenstadt erwacht. Er war überrascht und trotz des Zornes wegen dem Verrat durch Sheital war er diesem dankbar, dass er ihn vor einer möglichen Entdeckung durch die Dämonen verborgen hatte.

Tolos hatte es unversehrt aus der Mine heraus geschafft. Den Rückweg nach Tarsarak hatte er auch leicht gefunden, denn von der erhöhten Position in den Bergen konnte er das kleine Nest leicht erspähen.

Dort angekommen hatte er die Einheimischen und Besucher des Gasthauses nach Sheital befragt. Trotz seiner besten versuche den Mann zu beschreiben, kannte ihn niemand. Selbst der Gastwirt, der ihn und Sheital vor Tagen noch bedient hatte, konnte sich einfach nicht an den Kerl mit den extrem weißen Zähnen erinnern.

Damit konnte Tolos nur einer einzigen Spur folgen, die er von Sheital selbst erfahren hatte. Angeblich wollte dieser aus Scosglen stammen. Tolos hatte sich also auf den Weg dort hin gemacht und in den letzten Wochen mehrere Ortschaften und Bauerngehöfte abgeklappert.

Bisher war seine Suche Ergebnislos, bis er ein kleines Örtchen mit Namen Breestaig erreicht hatte. Nachdem er dort einige Bewohner befragt hatte, erfuhr er von jemandem. dass ein Mann mit ähnlichem Namen eine Hütte etwas außerhalb des Ortes besitzen soll. Dort hin war er jetzt unterwegs.

Tolos erreichte die Hütte im Schutze der Dämmerung. In Zwielicht zwischen Tag und Nacht wirkte sie zwischen die Felsen geduckt und etwas unheimlich. Nirgends brannte ein Feuer und keine Laterne leuchtete.

Die umliegenden Felsen als Deckung nutzend näherte sich Tolos der Hütte. Immer wieder blickte er sich um und lauschte. Es gab keinerlei Bewegungen in der Umgebung und es war totenstill.

Als Tolos sich auf etwa 100 Schritt der Hütte angenähert und gerade einen Felsen passiert hatte, verspürte er eine Bewegung hinter sich. Noch ehe er darauf reagieren konnte, war ein Arm um seinen Körper herum geschossen und eine scharfe Klinge lag an seinem Hals.

„Eine Bewegung und du bist tot!“ drohte eine raue Stimme neben seinem Ohr.

„Was zum …?“ begann Tolos zu fragen.

„Still!“ zischte die Stimme, „Ich stelle hier die Fragen! Wer bist du und was willst du hier?“

„Genau das wollte ich auch fragen.“ erwiderte Tolos, „Moment … Beltrak? Bist du das?“

Ein ganz leichter Ruck ging durch die Klinge an Tolos Hals und dieser hielt den Atem an. Dann senkte sich die Klinge und der Griff wurde gelöst. Prüfend rieb Tolos über seine Kehle, während er sich dem vermeintlichen Angreifer zuwandte. Sein Gesichtsausdruck wandelte sich vom Schreck über den Überfall zu Erstaunen, dann Überraschung bis hin zu Freude. Es war tatsächlich Beltrak!

„Beltrak! Du alter Schweinehund!“ stieß Tolos aus und warf seine Hände auf die Schultern seines Freundes, wodurch der gealterte Barbar fast in die Knie gehen musste.

„Tolos? Was tust du hier?“ fragte Beltrak.

„Ich bin auf der Suche nach deinem Kontakt.“ erklärte Tolos. „Diesem weißzähnigen Wiesel Sheital.“

„Was willst du von ihm?“ hakte Beltrak nach. „Ach egal, das kannst du mir später erzählen. Sheital ist nicht hier. Ich wollte ihn treffen, aber seit Wochen antwortet er nicht auf meine Nachrichten.“

„Er ist nicht hier?“ wiederholte Tolos, „Also ist das tatsächlich die Hütte von Sheital?“

„Ich gehe davon aus.“ antwortete Beltrak, „Zumindest haben wir sie öfters als Treffpunkt genutzt. In der Hütte selbst war ich noch nie.“

„Dann sollten wir uns in der Hütte umsehen. Vielleicht finden wir einen Hinweis, wo wir Sheital finden können.“ schlug Tolos vor.

Der einäugige Beltrak begann breit zu grinsen.

„Na dann zeige deinem Lehrmeister mal, was du von seinen Lektionen in Spurensuche noch behalten hast.“ sagte Beltrak und machte eine einladende Handbewegung zur Tür der Hütte.

Gemeinsam näherten sie sich der Hütte. Tolos ging voraus, während Beltrak die Gegend hinter ihnen sicherte. Schon die erste Stufe zur Veranda hinauf brach unter Tolos Gewicht. Das Knacken des Holzes schien so laut, dass man es meilenweit hören musste. Die beiden Barbaren hielten inne und lauschten.

Alles blieb ruhig udn so setzte Tolos seinen Weg zum Eingang fort. An der Haustür angekommen stutzte er aber wieder. Das Holz wirkte morsch und die Tür hing nur noch halb an einer Angel. Kaum hatte Tolos den Knauf berührt, brach die Tür vollständig in sich zusammen.

„Was ist da los?“ hörte er Beltrak hinter sich fragen.

„Ich weiß nicht…“ antwortete Tolos und trat ins Haus. „Es wirkt… verlassen.“

Tolos Eindruck bestätigte sich schon im Wohnbereich direkt hinter der Tür. Der Boden war von einer zentimeterhohen Staubschicht bedeckt. Die paar Möbel, die noch vorhanden waren, wirkten morsch und waren halb zerfallen. In den Fensterrahmen gab es kein Glas mehr und im Dach klaffte ein riesiges Loch, durch das er die ersten Sterne der jungen Nacht erkennen konnte.

„Hier war seit Jahrzehnten niemand mehr.“ sagte Tolos und klang enttäuscht.

„Wir sollten uns trotzdem umsehen.“ entgegnete Beltrak, drängte an ihm vorbei und stürmte ins Nebenzimmer rüber.

Kurz darauf kam Beltrak den Kopf schüttend wieder zurück.

„Hier ist nichts zu finden.“ sagte er. „Die Bewohner sind aber noch da.“

„Sie sind noch da?“ fragte Tolos.

„Ja, sie liegen drüben in ihrem Bett.“ erklärte Beltrak, „Es ist unmöglich zu sagen, woran sie gestorben sind. Lass uns diesen traurigen Ort verlassen und ihre Ruhe nicht weiter stören.“

Die zwei Barbaren verließen die verfallende Hütte und Tolos verpasste dem nächstbesten Felsen einen erzürnten Fausthieb, wodurch sich Risse in dem Gestein bildeten und es in seiner Faust schmerzhaft zu puckern begann.

„Verdammt!“ fluchte er. „Das war meine einzige Spur und sie endet in einer Sackgasse.“

„Bleib ruhig, Tolos.“ sagte Beltrak neben ihm und legte seine Hand auf die Schulter seines ehemaligen Schülers. „Es wird andere Spuren geben. Ein Typ, wie Sheital kann nicht spurlos von der Welt verschwinden.“

„Du weißt doch, dass er ein Spion ist?“ entgegnete Tolos, „Wenn jemand weiß, wie man verschwinden kann, dann ist er es.“

„Wir finden ihn!“ versuchte Beltrak ihm Mut zu machen. „Aber vielleicht solltest du mir jetzt doch erzählen, was zwischen euch vorgefallen ist?“

Die Zwei erklommen einen sanften Hügel hinter der Hütte. Hier setzten sie sich auf den Stamm einen umgefallenen Baumes. Schweigend ließen sie ihre Blicke über das weite Land schweifen, das in der zunehmenden Nacht bedrohliche Schatten zu werfen schien. Sie konnten den aufgehenden Mond beobachten und sahen, wie immer mehr Sterne am Firmament erschienen.

Schließlich brach Tolos das Schweigen und begann von seiner Suche nach der Mine, der Begegnung mit Sheital und dessen Rolle bei den folgenden Ereignissen zu berichten. Beltrak hörte schweigend zu und machte nur hin und wieder einen brummelnden Laut.

„Der Schädel von Korlic?“ hakte Beltrak nach, als Tolos zu dessen Fund gekommen war „Du hast tatsächlich den Schädel des Beschützers gefunden?“

„Ja, das habe ich.“ bestätigte Tolos.

„Bist du sicher, dass es keine Fälschung war?“ hakte Beltrak nach.

„Ich habe ihn berührt, Beltrak.“ erzählte Tolos, „Und kaum hatte ich ihn berührt, veränderte sich alles. Ich kann es nicht genau erklären, aber auf einmal war Korlic selbst dort. Er hat zu mir gesprochen.“

„Unglaublich! Wie gern wäre ich dabei gewesen!“ sagte Beltrak staunend. „War der Rest seiner Statue auch dort?“

„Nein.“ sagte Tolos den Kopf schüttelnd, „Korlic berichtete mir aber, dass er die Existenz seines Körpers und die von den anderen Wächtern spüren kann. Er bat mich alle Teile zu finden, auf dass die Wächter ihrer Aufgabe zum Schutz unseres Volkes wieder nachkommen können.“

„Das wäre Stoff für Legenden!“ bestätigte Beltrak, „Mit diesem Fund hast du sogar deinen alten Meister übertroffen. Gut gemacht.“

„Das habe ich nicht.“ seufzte Tolos, „Ich habe den Schädel nicht. Nachdem Sheital von dessen Bedeutung erfahren hatte, hat er mich betäubt und den Schädel an sich genommen. Seit dem jage ich ihn.“

„Jetzt verstehe ich auch deinen Frust über die Sackgasse in der Hütte.“ sagte Beltrak udn legte seine Hand auf die Schulter von Tolos, „Danke, dass du mir davon erzählt hast. Ab jetzt hat Sheital nicht mehr nur einen Jäger! Ich helfe dir bei der Suche und gemeinsam holen wir den Schädel von Korlic zurück.“

„Ich danke dir, mein alter Freund!“ entgegnete Tolos, „Hast du vielleicht eine Idee, wo wir anfangen können?“

„Nicht direkt, aber ich habe so eine Ahnung.“ nickte Beltrak, „Sheital ist ein listenreicher Mensch, also müssen wir bei unseren Nachforschungen vorsichtig sein. Wir dürfen also keine Fragen stellen, die unsere Beweggründe verraten würden.“

„Gut. Wo führt uns deine Ahnung also hin?“ fragte Tolos.

„Nach Marowen.“ antwortete Beltrak, „Ich glaube, Sheital hatte einmal erwähnt, dass einer seiner Informanten dort zu finden wäre. Wenn wir den finden, haben wir eine neue Spur zu Sheital.“

„Dann soll es Marowen sein.“ bestätigte Tolos und erhob sich. „Holen wir uns den Schädel zurück!“


To be continued …

Wie immer, Feedback ist willkommen. :slight_smile:

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ich bin echt gespannt wie es weiter geht

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Die Suche nach der Zukunft -Teil 7

Beltrak und Tolos brauchten nur einen Tag, um Marowen zu erreichen. Einmal sind sie in der Küstenregion in eine Horde Ertrunkener geritten. Für die beiden kampferprobten Barbaren stellten diese Untoten allerdings kein Problem dar. Nach nur wenigen Minuten hatten sie ihre Gegner überwältigt und konnten weiter zu ihrem Ziel reiten.

Marowen stellte sich als trostloses Örtchen auf einem zerklüfteten und felsigen Küstenabschnitt heraus. Die Hütten waren verstreut, aber sehr stabil gebaut, um den Witterungen zu widerstehen. Die Bewohner lagen in einem ständigen Streit mit den Ertrunkenen um viele der Hütten.

Kaum hatten sie die Grenzen von Marowen überschritten, bemerkte Tolos wieder die Blicke der Bewohner. Seit Sheital ihm in der Mine den Schädel entwendet und dabei einen Vortrag über die kriegerische Seite der Barbaren gehalten hatte, waren ihm diese Blicke überall aufgefallen, wo er nur hinkam.

Die Blicke der Bewohner bestanden weniger aus Neugier oder Staunen. Sie spiegelten vielmehr Skepsis, Abneigung und Angst wieder. Die Gründe dafür konnte Tolos nur erahnen. Sicher hatte es viel mit den Berichten von Rakkis über sein Volk zu tun, der vor Ewigkeiten gegen die Barbaren in den Krieg gezogen war und dort den Kampfesmut und die Entschlossenheit der Barbarenkrieger erlebt hatte.

Tolos vermutete aber eher, dass es mit den Ereignissen nach der Zerstörung des Weltensteins, des Arreats und des Verlustes der Heimat für viele Barbarenstämme zu tun hatte. Auf der Suche nach neuen Siedlungsgründen war sein Volk zu Taten gezwungen, die sicher im Gedächtnis vieler anderer Völker hängengeblieben waren.

Auch wenn Barbaren an der Rettung Sanktuario vor den niederen Übeln Belial und Azmodan, sowie vor dem obersten Übel Diablo beteiligt waren, hatten sich diese Ängste der Völker schon längst in den Gedächtnissen und Geschichten etabliert. Tolos wusste, dass wenn eine Wiedervereinigung seines Volkes Erfolg haben soll, auf jeden Fall auch etwas an der Sicht auf sein Volk geändert werden musste. Dies war aber eine Sache, auf die er zumindest jetzt noch keinen Einfluss hatte.

Die Befragung der Einwohner von Marowen stellte sich als schwierig heraus. Sie alle wirkten verschlossen und zurückhaltend. Wenn Tolos und Beltrak ein Stück weiter gezogen waren. spürte Tolos intensivere Blicke der Bewohner und er hörte, wie sie leise miteinander tuschelten.

Der Händler, bei dem die Zwei ihre Vorräte aufstockten, war dagegen schon viel offener. Natürlich witterte er gute Geschäfte bei den Neuankömmlingen. Er versuchte Tolos und Beltrak sogar einige Andenken an Marowen aufzuschwatzen. Auf Nachfragen nach Sheital oder seinen Kontakten konnte oder wollte er aber keine Auskünfte geben. Tolos befürchtete schon, dass sie erneut in einer Sackgasse gelandet waren.

„Wir werden beobachtet.“ flüsterte Beltrak auf ihrem Weg durch die Gassen.

„Ich weiß.“ antwortete Tolos, „So schauen uns die Leute doch überall an.“

„Das meine ich nicht.“ entgegnete Beltrak, „Da ist ein Kerl in einem Wolfskostüm. Er beobachtet uns schon seit wir hier angekommen sind.“

„Was? Wo?“ wollte Tolos wissen und fügte hinzu, „Denkst du, er gehört zu Sheital?“

„Er ist hinter uns am Stand mit den Fischen. Schau nicht hin!“ sagte Beltrak, „Lass uns dort vorne links abbiegen und dann irgendwo verstecken. Vielleicht finden wir dann heraus, ob er uns wirklich folgt.“

Tolos nickte nur als Antwort. Die Zwei beschleunigten ihren Schritt und wenige Meter weiter bogen sie nach links in eine Gasse ab. Unbewusst hatten sie den Rand von Marowen erreicht, denn am Ende dieser Gasse breitete sich nur noch der felsige Küstenabschnitt vor ihnen aus.

Viele Möglichkeiten für Verstecke boten sich ihnen nicht. Tolos presste sich in einen Hauseingang, während Beltrak hinter einem Fass in Deckung ging. Jetzt warteten sie und beobachteten die Hausecke.

Als nach einigen Minuten niemand weiter um die Ecke und in die Gasse kam, warf Tolos einen fragenden Blick zu Beltrak. Dieser antwortete nur mir einem Achselzucken, bevor er aus seinem Versteck heraus kam. Auch Tolos kam heraus und blickte dann ratlos auf die Hausecke.

„Vielleicht hast du dich geirrt?“ fragte er, „Oder haben wir ihn tatsächlich abgehängt?“

„Meine Instinkte sagen Nein.“ erwiderte Beltrak, "Ich habe noch immer das Gefühl beobachtet zu werden.

„Ich habe euch nie verloren.“ ertönte über ihnen plötzlich eine rauchige und voluminöse Stimme, die für einen Mann aber etwas zu zart klang, „Zwei Barbaren sind in dieser Gegend sehr auffällig und außerdem riecht ihr nicht, wie die Bewohner von Marowen.“

Überrascht blickten Tolos und Beltrak nach oben, wobei sie zwei Schritte rückwärts machten. Hoch oben auf dem Giebel eines Daches hockte der Kerl mit dem Wolfskostüm und grinste zu ihnen herab. Im nächsten Moment schwang er sich von dem Giebel herunter und landete vor Tolos und Beltrak in der Gasse. Die Landung erinnerte stark an eine Katze, die ihren Sturz auf allen Vieren abfederte. Dann richtete er sich voll auf und blickte die beiden Barbaren ernst an.

Der Fremde wirkte unter seinem Wolfskostüm der stämmig und dem Aussehen seiner Hände nach war er schwere körperliche Arbeit gewohnt. Auch in Sachen Körpergröße konnte er sich locker mit Tolos und Beltrak messen.

„Wer bist du und warum folgst du uns?“ fragte Tolos.

„Ich wollte eigentlich fragen wer ihr seid und was ihr hier in Marowen sucht.“ antwortete der Fremde.

„Das geht dich gar nichts an!“ warf Tolos zurück. „Verschwinde und lass uns in Ruhe.“

„Aber nicht doch.“ lächelte der Fremde. „Wir lernen uns doch gerade erst kennen. Im Gegensatz zu den Einwohnern bin ich immer neugierig auf mir unbekannte Personen. Zwei Barbaren zu begegnen erlebt man schließlich auch nicht alle Tage.“

„Du kennst dich in dieser Gegend aus?“ fragte Beltrak.

„Natürlich! Sie ist meine Heimat und deshalb bin ich so an euch interessiert.“ antwortete der Fremde.

„Beltrak…“ mischte Tolos sich ein, aber Beltrak schnitt ihm das Wort ab.

„Das ist gut. Wir sind hier tatsächlich fremd und könnten etwas Führung und Informationen über die Gegend gebrauchen.“ erzählte Beltrak, „Vielleicht können wir ja etwas aushandeln?“

Der Fremde lächelte.

„Wie wäre es bei einem Essen?“ fragte er. „Ich bin hungrig und auch ihr seht hungrig aus. In der Nähe gibt es ein Gasthaus mit ausgezeichnetem Essen. Dort können wir uns in angenehmerer Atmosphäre unterhalten.“

„Also gut. Bitte weise uns den Weg.“ antwortete Beltrak mit einem Nicken.

Der Fremde gab ihnen einen Wink ihm zu folgen und lief dann in Richtung des Zentrums von Marowen. Tolos und Beltrak folgten ihm mit etwas Abstand.

„Bist du sicher, dass es eine gute Idee ist?“ fragte Tolos leise.

„Er wirkt viel aufgeschlossener, als die Bewohner, mit denen wir bisher geredet haben.“ erwiderte Beltrak, „Wenn wir eine neue Spur finden wollen, ist er unsere beste Möglichkeit.“

Das Gasthaus lag genau im Zentrum von Marowen und der Fremde führte sie ohne Umwege genau dort hin. Auf dem Weg bemerkte Tolos, dass die Bewohner auf ihn und Beltrak nicht mehr mit solch hoher Anspannung reagierten, weil sie in Begleitung des Fremden waren. Der Fremde schien hier also einen guten Ruf zu haben.

Im Gasthaus angekommen führte der Fremde sie zu einem Tisch, der groß genug für alle Drei war. Dann winkte er dem Gastwirt zu.

„Das Gleiche, wie immer.“ rief der Fremde. „Für mich und auch für meine neuen Bekannten hier.“

Der Fremde setzte sich. Tolos und Beltrak taten es ihm gleich. Kaum saßen sie alle, nahm der Fremde seine Wolfskapuze ab und versetzte sowohl Tolos, als auch Beltrak ins Staunen.

Unter der Kapuze kam langes, wallendes und rotes Haar zum Vorschein. Die Gesichtszüge, die erst so kantig wirkten, wurden auf einmal viel sanfter. Nur die Bemalung im Gesicht ließ es noch etwas kantig aussehen. Smaragdgrüne Augen strahlten die beiden Barbaren jetzt an.

„Du bist … eine Frau!“ entfuhr es Tolos.

„Denkt ihr, nur Männer haben ein Vorrecht darauf Druiden zu sein?“ entgegnete die Fremde lächelnd und fügte hinzu, „Wir sollten uns einander einmal vorstellen. Ich bin Máirín und mit wem habe ich es zu tun?“

„Es tut mir Leid. Ich wollte nicht unhöflich sein. Der Anblick war jetzt nur sehr überraschend.“ erklärte Tolos, „Ich bin Tolos.“

„Und ich bin Beltrak.“ fügte Beltrak nickend hinzu.

„Da wir uns nun etwas besser kennen, was führt euch in diese Gegend?“ fragte Máirín, „Was wollt ihr wissen?“

Der Gastwirt und eine Magd brachten drei Teller mit dampfendem und köstlich riechendem Fisch darauf zu dem Tisch. Dazu gab es drei Hörner gefüllt mit einem Ale, das wahrscheinlich hier in Marowen gebraut wurde. Tolos und Beltrak warteten ab, bis der Gastwirt und die Magd wieder gegangen waren, bevor sie das Gespräch fortsetzten.

„Ich…“ begann Tolos, doch wieder schnitt Beltrak ihm das Wort ab.

„Wir sind nicht nur an Marowen und der Gegend interessiert.“ erklärte Beltrak, „Wir suchen jemanden, der uns eventuell Informationen über den Aufenthaltsort eines Freundes geben kann.“

„Ihr sucht jemanden? Da seid ihr bei mir an der richtigen Adresse!“ bekräftigte Máirín, „Ich kenne so ziemlich jeden hier. Sagt mir, nach wem ihr sucht und vielleicht kann ich euch helfen.“

„Sein Name ist …“ begann Tolos, aber schon wieder schnitt Beltrak ihm das Wort ab.

„Es ist kompliziert.“ begann Beltrak zu erläutern. „Nur mit seinem Namen sind wir bisher nicht weit gekommen.“

„Also gut.“ meinte Máirín, „Vielleicht reicht eine Beschreibung schon aus.“

Wieder wollte Tolos das Wort ergreifen, doch ein Blick zu seinem Freund sagte ihm, dass er besser Beltrak die Gesprächsführung überlassen sollte. Also griff er zu dem Horn, um einen kräftigen Schluck von dem Met zu nehmen.

„Im Vergleich zu Tolos und mir ist er nur eine halbe Portion.“ erzählte Beltrak, „Er hat hellere Haut und helleres Haar. Er ist sehr wortgewandt und außerdem soll er recht fragwürdige Geschäfte in dieser Gegend führen.“

„Hmm. Das klingt nach Sheital.“ meinte Máirín nachdenklich.

„Du kennst ihn?“ entfuhr es Tolos, der fast von seinem Hocker aufgesprungen wäre."

„Ein abgebrochener Stängel von einem Mann, der sich gerne verkleidet und dessen Zähne so weiß sind, dass selbst Schnee dagegen wie ein dreckiger Haufen an Matsch wirkt? Ist das der Sheital den ihr sucht?“ hakte Máirín nach.

„Genau das ist er.“ bestätigte Beltrak.

„Den habe ich schon lange nicht mehr in dieser Gegend gesehen.“ berichtete Máirín, „Was wollt ihr von ihm? Der Typ ist so merkwürdig, dass er von den Meisten gemieden wird.“

Tolos war durch Máirín Beschreibung von Sheital so aufgebracht, dass er fast wieder das Wort ergriffen hätte. Beltrak legte aber seine Hand auf den Unterarm von Tolos, was diesen wieder etwas beruhigte.

„Er hat mit seiner Schwester geschlafen!“ erzählte Beltrak plötzlich und deutete dabei auf Tolos. „Kurz darauf hat er sich aus dem Staub gemacht. Seine Schwester hat nun ein Kind von ihm. Wir suchen ihn, um ihn an seine Verantwortung dem Kind gegenüber zu erinnern und wenn es sein muss, auch mit etwas Gewalt.“

Máirín’s Augen vergrößerten sich und ihr Kinn fiel herab. Dann warf sie einen Blick auf Tolos, der genauso überrascht drein blickte. Hätte Beltrak ihm doch nur einen Hinweis gegeben! Máirín blickte zurück zu Beltrak und begann plötzlich lautstark zu lachen.

„Im Ernst? Sheital?“ fragte sie. „Der kleine Strunk, der von kräftigeren Frauen immer total eingeschüchtert wird? Allein die Vorstellung, wie er mit einer Barbarenfrau … das ist einfach zu köstlich! Hat er sich bei dem Akt ein paar Knochen gebrochen?“

„Weißt du, wo wir ihn finden können?“ hakte Beltrak nach, „Es ist Tolos wirklich wichtig ihn zu finden.“

„Ich kann euch wirklich nicht sagen, wo Sheital im Moment ist.“ antwortete Máirín, nachdem sie ihren Impuls zu Lachen etwas gebändigt hatte. "Nördlich von hier hat er aber einen Unterschlupf. Das ist ganz in der Nähe vom Hoffnungsschimmer.

„Was ist der Hoffnungsschimmer?“ wollte Beltrak wissen.

„Das ist ein riesiger Leuchtturm auf der nördlichsten Landzunge.“ erklärte Máirín, „Er wird so genannt, weil er den Schiffen den Weg durch die stürmische See weist und verhindert, dass sie auf den Riffen kentern.“

„Kannst du uns zeigen, wo das ist?“ fragte Tolos und erhob sich von seinem Hocker.

„Warum so eilig?“ fragte Máirín, „Wir haben doch noch gar nicht gegessen. Sein Unterschlupf läuft euch nicht weg und selbst wenn er nicht dort ist, findet ihr sehr wahrscheinlich Hinweise auf seinen Aufenthaltsort.“

„Ich will ihn einfach nur schnell finden und…“ rechtfertigte sich Tolos.

„Setz dich wieder hin!“ sagte Beltrak in einem befehlenden Ton. „Máirín hat Recht. Außerdem sieht der Fisch zu köstlich aus, um ihn einfach liegenzulassen. Es wäre sicher auch eine Beleidigung für den Gastwirt.“

Grummelnd nahm Tolos wieder Platz und begann mit seiner Gabel in dem Fisch herumzustochern. Seine Gedanken waren ganz klar auf den Unterschlupf von Sheital gerichtet, wodurch er kaum ans Essen denken konnte. Endlich hatte er eine wirklich greifbare Spur gefunden.

Máirín und Beltrak störten sich nicht an Tolos Verhalten. Mit Genuss aßen sie ihren Fisch und tranken das Ale aus ihren Hörnern. Immer wieder musste Máirín lachen, weil sie wohl an die Szene mit Sheital und einer Barbarenfrau dachte.


To be continued …

Wie immer ist Feedback gerne gesehen.

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:rofl: :rofl: :+1:

leuchttürme gabs damals noch nicht, ich hätte es eher ein „leuchtfeuer“ genannt

„landzunge“ nannte man damals es so schon?

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Danke für dein Feedback, Guts, :+1:

Das mit dem Leuchturm stützt sich auf diablo.4fansites

Hoffnungsschimmer freischalten

Der Leuchtturm befindet sich an der Küste im Nordosten.

Ein großer Leuchtturm ragt über der rauen Küste auf. Seine heilige Flamme wurde gelöscht.

Findet einen Weg in den Leuchtturm.
Betätigt die Winde, um einen Weg nach vorn zu schaffen.
Bringt die Winde zum zerbrochenen Mast zurück.
Überlebt den Angriff der Ertunkenen.
Tötet die Gezeitenhexe Ne'gana.
Entzündet Hoffnungsschimmer.
Aktiviert den Schrein des Wanderers, um Hoffnungsschimmer zu erobern.